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Unternehmensnachrichten

J&J-Chef muss sich Gericht wegen Skandal um Babypuder stellen

FILE PHOTO: The Johnson & Johnson logo is displayed on a screen on the floor of the New York Stock Exchange (NYSE) in New York, U.S., May 29, 2019. REUTERS/Brendan McDermid

New Brundswick (Reuters) - Im Skandal um mutmaßlich asbestverseuchtes Babypuder hat sich der Vorstandschef des amerikanischen Pharma- und Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson erstmals den Fragen von Anwälten vor Gericht stellen müssen.

Konzernchef Alex Gorsky erklärte vor den Geschworenen am Montag, dass er im November 2018 J&J-Aktien verkaufte - zwei Tage, nachdem Reuters das Unternehmen mit Dokumenten konfrontiert hatte, die zeigten, dass J&J offenbar schon seit Jahrzehnten von der Existenz des gesundheitsschädlichen Stoffes in seinen Pudern gewusst hat. Nach der Veröffentlichung des Reuters-Berichts Mitte Dezember 2018 waren die Papiere von J&J auf Talfahrt gegangen, der Konzern büßte mehr als 40 Milliarden Dollar an Börsenwert ein. Gorsky sagte, dass er von der Reuters-Anfrage zum Zeitpunkt seines Aktienverkaufs nicht gewußt habe.

J&J hatte den Reuters-Bericht seinerzeit als “absurde Verschwörungstheorie” zurückgewiesen. Gorsky erklärte, dass er alle nötigen Genehmigungsverfahren mit dem Verwaltungsrat und dem Rechtsteam des Unternehmens hinsichtlich seines Aktienverkaufs, mit dem er rund 22 Millionen Dollar einnahm, befolgt habe. Ein Firmensprecher sagte, Gorsky habe die Rechtsabteilung des Konzerns über den geplanten Anteilsverkauf am 12. November benachrichtigt, zwei Tage vor der Reuters-Anfrage. Von den Anteilen habe sich Gorsky wegen eines geplanten Hauskaufes getrennt.

J&J sieht sich mit mehr als 16.000 Gerichtsverfahren konfrontiert, in denen dem Konzern vorgeworfen wird, von Asbest in seinen Talkumprodukten gewusst und Kunden nicht gewarnt zu haben. Es gibt zudem auch strafrechtliche Untersuchungen gegen das Unternehmen. Gorsky hatte Verbrauchern und Investoren immer wieder versichert, dass das Babypuder sicher und asbestfrei sei. 2018 bürgte er persönlich für die Sicherheit der Produkte. Damals war J&J zu einer Strafe von über 4,7 Milliarden Dollar verurteilt worden, nachdem 22 Frauen den Konzern wegen Eierstockkrebs, angeblich ausgelöst durch J&J-Puder, verklagt hatten.

Gorsky gestand nun ein, dass er nicht alle internen Dokumente im Zusammenhang mit einer möglichen Asbestverseuchung des Babypuders gelesen habe, “aber ich habe mich auf die Experten in diesem Bereich verlassen.” Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat für Anfang Februar eine Sitzung mit Blick auf die Testmethoden für Asbest in kosmetischen Talkumprodukten geplant.

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