June 20, 2018 / 5:54 AM / 2 months ago

Weltweit Empörung über Familien-Trennung an US-Grenze

Washington (Reuters) - Die Trennung von Einwanderer-Familien an der Grenze zu Mexiko hat weltweit Empörung und in den USA Widerstand gegen US-Präsident Donald Trump ausgelöst.

Women of faith gather outside the U.S. Customs and Border Protection headquarters to call on the Trump administration to halt its policy of detaining immigrant children separated from their parents at the U.S.-Mexico border, during a demonstration in Washington, U.S., June 19, 2018. REUTERS/Kevin Fogarty

Sowohl der Papst als auch mehrere europäische Staaten kritisierten am Mittwoch die Trennung der Kinder von ihren Eltern durch US-Grenzbeamte. Das Bundesaußenministerium erklärte, die Bilder der Kinder ließen niemandem unberührt. Die britische Premierministerin Theresa May nannte sie zutiefst verstörend und die Praxis falsch. Der von den oppositionellen Demokraten regierte US-Bundesstaat New York kündigte eine Klage an. Mehrere republikanische Parteifreunde Trumps forderten ebenso ein Ende der Praxis an der Grenze wie die Chefs mehrerer US-Konzerne. Trump selbst rief den Kongress erneut dazu auf, schärfere Einwanderungsgesetze zu verabschieden. Dann könne das Vorgehen geändert werden.

Die US-Behörden haben seit Anfang Mai über 2340 Kinder von ihren Eltern an der Grenze zu Mexiko getrennt. Hintergrund ist, dass illegale Eingewanderte als Kriminelle eingestuft und in Gefängnisse eingewiesen werden. Ihre Kinder kommen in Auffanglager. Ärzte warnen davor, dass dies zu lebenslangen Traumata bei ihnen führen kann.

PAPST: POPULISMUS IST KEINE LÖSUNG

Papst Franziskus stellt sich hinter die Haltung der US-Bischöfe, die das Verfahren als unmoralisch und “unseren katholischen Werten widersprechend” bezeichnen. “Es ist nicht leicht, aber Populismus ist nicht die Lösung”, sagte Franziskus im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters auch mit Blick auf den weltweiten Umgang mit Flüchtlingen. Zuvor schon hatte Mexikos Außenminister Luis Videgaray die Praxis als grausam, unmenschlich und klaren Verstoß gegen die Menschenrechte bezeichnet.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, er wolle sich nicht in die inneramerikanische Diskussion einmischen. In der Migrationspolitik würden aber zwei Dinge gelten: “Die Beachtung des Rechts und die Beachtung der Würde jedes einzelnen Menschen.” Die britische Premierministerin May sagte im Parlament: “Dies ist falsch. Es ist nichts, dem wir zustimmen können, es ist nicht die Haltung des Vereinigten Königreichs.”

In den USA meldete sich neben Wirtschaftsverbänden auch mehrere Konzernchefs zu Wort: Apple-Chef Tim Cook nannte es unmenschlich, der Microsoft-Vorstandsvorsitzende Satya Nadella sprach von einer grausamen und schändlichen Politik. Auch die Mehrheit der Amerikaner lehnte das Vorgehen ab, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters ergab. Präsidenten-Gattin Melania Trump ließ am Sonntag mitteilen, sie hasse es, wenn Kinder und Eltern auseinandergerissen würden.

Der US-Präsident traf sich unterdessen mit mehreren republikanischen Kongressabgeordneten. Dabei habe er deutlich gemacht, dass er eine schnelle gesetzliche Lösung wolle, die die Grenze undurchlässig mache, berichteten die Abgeordneten. Er wolle die Möglichkeit haben, Familien geschlossen festzusetzen und abzuschieben. Trump dringt zudem weiter auf den Bau einer Mauer, den die Demokraten aber verhindern wollen und gegen den es auch bei den Republikaner Widerstand gibt.

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