August 27, 2010 / 4:52 PM / in 9 years

Bernanke will mauer Konjunktur notfalls Beine machen

U.S. Federal Reserve Chairman Ben Bernanke listens to questions as he testifies before a House Financial Services hearing on the "Monetary Policy and the State of the Economy" on Capitol Hill in Washington, July 22, 2010. REUTERS/Jim Young (UNITED STATES - Tags: POLITICS BUSINESS)

Jackson Hole/Washington (Reuters) - Die US-Notenbank will der ins Stocken geratenen Konjunktur in den Vereinigten Staaten notfalls mit neuen Geldspritzen auf die Sprünge helfen.

Die Federal Reserve werde im Falle des Falles weitere Schritte zur Unterstützung der Wirtschaft ergreifen - auch eine Wiederaufnahme des Ankaufs von Staatsanleihen und anderer Wertpapiere sei denkbar, sagte Fed-Chef Ben Bernanke am Freitag auf dem jährlichen Notenbankertreffen in Jackson Hole in den Rocky Mountains. “Wir sind bereit, wenn nötig, zusätzliche Unterstützung über unkonventionelle Maßnahmen zu geben, vor allem dann, wenn sich die Wirtschaftsaussichten signifikant eintrüben sollten.” Zwar sei keine Entscheidung gefallen, ab wann und unter welchen Bedingungen weitere Maßnahmen greifen könnten. Er sei aber überzeugt, dass es mehr Vorteile als Nachteile gebe, sagte Bernanke in seiner mit Spannung erwarteten geldpolitischen Grundsatzrede.

Die US-Wirtschaft hat ihr Wachstumstempo zuletzt kräftig gedrosselt und kommt damit langsamer aus der Krise als erhofft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von lediglich 1,6 Prozent, wie das Handelsministerium am Freitag nach revidierten Zahlen mitteilte. In einer ersten Schätzung war mit 2,4 Prozent noch ein weit höherer Zuwachs erwartet worden. Dabei war das Außenhandelsdefizit jedoch zu niedrig veranschlagt worden. Der Fehlbetrag erwies sich nun als dicker Bremsklotz für das Wachstum. Die US-Wirtschaft expandiert zwar seit Sommer 2009 wieder. Doch vor allem die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und Probleme am Immobilienmarkt machen der größten Volkswirtschaft der Welt auch drei Jahre nach Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise noch zu schaffen.

Dennoch sieht Bernanke keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Die Konjunktur werde sich zwar im zweiten Halbjahr nicht mehr so robust entwickeln wie zuvor erwartet. Allerdings seien alle Bedingungen, die die Wirtschaft 2011 brauche um weiter zu wachsen, weiterhin vorhanden, sagte er. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor übertriebenem Pessimismus. “Der wahrscheinlichste Verlauf ist die Fortsetzung einer moderaten Erholung, dabei liegt die Betonung auf moderat”, sagte IWF-Vizechef John Lipsky am Freitag zu Reuters Insider. “Wir erwarten sicherlich keinen plötzlichen Aufbau von Arbeitsplätzen. Aber wenn sich die Erholung fortsetzt, wie zu erwarten ist, dann wird sie ein Job-Wachstum auslösen.”

Die Fed lässt die schwache Entwicklung am Arbeitsmarkt keineswegs kalt. Sie hatte kürzlich angekündigt, das Geld aus der Fälligkeit von erworbenen Wertpapieren wieder investieren zu wollen, um die Stütze für die Konjunktur aufrecht zu erhalten. Die Notenbanker hatten bislang nur auslaufende Staatsanleihen durch neue Käufe ersetzt, dies jedoch bei anderen Papieren nicht getan. Dadurch war der Umfang der Wirtschaftsunterstützung Schritt für Schritt gesunken.

Die Fed hat in der seit mittlerweile drei Jahren andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Leitzins auf nahe null Prozent gesenkt und versucht mit immensen Geldspritzen, Wirtschaft und Finanzsystem vor dem kompletten Kollaps zu bewahren. Unter anderem hatte sie für 300 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen erworben und für mehr als eine Billion Dollar andere Wertpapiere, wie immobilienbesicherte Anleihen und Papiere der staatlichen Hypothekenfinanzierer in ihre Bilanz genommen. Dennoch bleibt unter anderem der Immobilienmarkt - Auslöser der Krise 2007 - eine der Achillesfersen der US-Wirtschaft.

Ohnehin liegen in den USA wirtschaftlich betrachtet derzeit Licht und Schatten dicht beieinander: So konnten die Vereinigten Staaten im zweiten Quartal zwar ihre Ausfuhren um aufs Jahr hochgerechnete 9,1 Prozent steigern. Doch zogen gleichzeitig die Einfuhren um fast ein Drittel an. Einen solchen Importschub gab es seit Anfang 1984 nicht mehr. Der entsprechende Fehlbetrag in der Handelsbilanz schlug voll auf das Wachstum durch. Beim Konsum - der wichtigsten Stütze der Konjunktur - zeigten sich aber zuletzt bereits Lichtblicke.

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