May 4, 2010 / 3:26 PM / 10 years ago

Wettlauf mit der Zeit- Öl strömt ungebremst in den Golf

A woman holds a trout fish in Breton Island, Louisiana as oil leaking from the Deepwater Horizon wellhead continues to spread in the Gulf of Mexico, May 3, 2010. REUTERS/Carlos Barria

Golden Meadow/Louisiana (Reuters) - In einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen Spezialisten den seit fast zwei Wochen in den Golf von Mexiko fließenden Ölstrom einzudämmen.

Nun soll neben einer Entlastungsbohrung eine rund 100 Tonnen schwere Glocke aus Stahl das Leck in 1500 Metern Tiefe stopfen. Bis Dienstag gab es allerdings keine Hoffnung, dass sich die tägliche Menge von fast einer Million Liter schnell vermindert. Die Glocke wird erst in knapp einer Woche einsetzbar sein und ist bislang in der Tiefsee nicht erprobt. Die Entlastungsbohrung wird wohl erst in Monaten greifen. Der Ölteppich von über 200 Kilometern Länge und 100 Kilometern Breite dehnt sich somit immer weiter aus und bedroht die Tier- und Pflanzenwelt der US-Golfküste. Günstigeres Wetter erleichtert immerhin den Einsatz von Schwimmsperren und könnte das Öl noch einige Tage von der Küste fernhalten.

BP STELLT US-STAATEN SOFORTHILFE IN AUSSICHT

Der Ölkonzern BP hat die Verantwortung für die Katastrophe übernommen. Das Unternehmen stellt den betroffenen US-Staaten zur Soforthilfe jeweils 25 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Schäden insgesamt werden aber schon jetzt auf bis zu 14 Milliarden Dollar geschätzt. Der Konzern hat in Folge Milliarden an Börsenwert verloren, die Aktie gab am Dienstagmittag noch einmal um rund fünf Prozent nach. Zudem gerät US-Präsident Barack Obama in Zugzwang, bereits in Aussicht gestellte erweiterte Bohrgenehmigungen auf hoher See in anderen Regionen zu stoppen. Auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger zog seine Zusage für neue Bohrungen vor der Küste zurück. Der BP-Konkurrent Shell darf nach eigenen Angaben im Golf aber weiter arbeiten. Dort sind infolge des Unglücks und des Ölfilms drei Plattformen bislang außer Betrieb. Der Schiffsverkehr läuft noch weitgehend ungestört.

Anders als in der Nordsee, wo Öl nur aus bis zu 200 Metern Tiefe gefördert wird, wird im Golf von Mexiko in der Tiefsee gebohrt. In Wassertiefen von mehr als 1000 Metern ist der Einsatz von Tauchern jedoch praktisch unmöglich. Robotern war es aber auch am Montag nicht gelungen, die Dichtungen am Propfen über dem Loch zu schließen. Obwohl die eingebauten Sicherheits-Ventile geschlossen seien, ströme das Öl weiter ungebremst aus, sagte BP-Manager Doug Suttles.

HOFFNUNGEN KONZENTRIEREN SICH AUF RIESIGE STAHLGLOCKE

Die Hoffnungen konzentrieren sich daher auf den Einsatz der Stahl-Glocke, die noch an der Küste zusammengeschweißt wird. Die rund zwölf Meter hohe und vier Meter breite Konstruktion soll über das Loch inklusive des Pfropfens gestülpt werden. Am oberen Ende soll eine Steigleitung das Öl absaugen und in einen Tanker an der Oberfläche befördern. Dieses System hatte sich schon bei Sturmschäden nach dem Hurrikan Katrina bewährt - allerdings in deutlich geringeren Wassertiefen. Die Glocke wird nach Expertenschätzungen auch nur 85 Prozent des Öls aufnehmen können. Ein BP-Sprecher räumte ein, die Erfolgsaussichten seien ungewiss.

Parallel soll in der Nähe des Lochs eine Entlastungsbohrung angesetzt werden, um den Druck an der Quelle zu mindern und zugleich Dichtungsmasse in den Meeresboden zu drücken. Das wird nach Angaben der US-Küstenwachen aber mindestens drei Monate dauern.

Unterdessen versuchen die Küstenregionen sich mit Sanddämmen für das Auftreffen des Ölteppichs zu rüsten und die Folgen zu begrenzen. Das für die nächsten Tage vorausgesagte bessere Wetter erleichtert zudem den Einsatz von Schwimmsperren und könnte den Bewohnern einige Tage Luft verschaffen.

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