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Obama droht Nordkorea mit Wiederaufnahme auf Terror-Liste
21. Dezember 2014 / 11:29 / vor 3 Jahren

Obama droht Nordkorea mit Wiederaufnahme auf Terror-Liste

Seoul/Washington (Reuters) - Nach dem Hackerangriff auf das Hollywood-Filmstudio von Sony droht US-Präsident Barack Obama Nordkorea damit, das Land wieder auf die Liste der Terror-Unterstützer zu setzen.

U.S. President Barack Obama answers a question about the cyberattack on Sony Pictures after his end of the year press conference in the briefing room of the White House in Washington December 19, 2014. Obama and his family plan to depart Washington later in the day to spend the holidays in Hawaii. REUTERS/Larry Downing (UNITED STATES - Tags: POLITICS) - RTR4IQMX

Dies sei einer der Schritte, die erwogen würden, sagte Obama am Sonntag in einem CNN-Interview. Regierungskreisen zufolge bemühen sich die USA um eine internationale Reaktion auf die Attacke, für die sie das kommunistische Land verantwortlich machen. Dazu sei auch Nordkoreas engster Verbündete China konsultiert worden. Nordkorea bestritt eine Beteiligung an dem Cyberangriff und kündigte “ernsthafte Konsequenzen” an, sollten die USA an ihren Anschuldigungen festhalten und nicht einer gemeinsamen Untersuchung zustimmen. Auf Druck der Hacker bringt Sony eine Komödie über fiktive US-Geheimdienstpläne für ein Attentat auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nicht in die Kinos.

“Nein, ich gehe nicht davon aus, dass es ein Kriegsakt war”, sagte Obama. “Ich denke, es war ein Akt von Cyber-Vandalismus.” Dieser müsse aber sehr ernst genommen werden und mit einer angemessenen Reaktion beantwortet werden. Es ist das erste Mal, dass die USA offen einen Staat als Urheber einer Hackerattacke auf amerikanischem Boden benennen.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, es seien Gespräche mit Großbritannien, Australien, Neuseeland, Japan und Südkorea geführt worden, wie auf den Angriff reagiert werden könnte. Es werde auch versucht, China und Russland dazu zu bewegen, ihren Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. Japan und Südkorea hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Nordkorea war vor sechs Jahren vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush von der Liste der Staaten entfernt worden, denen eine Förderung des internationalen Terrorismus vorgeworfen werden. Zuvor hatte der abgeschottete Staat 20 Jahre lang auf der Liste gestanden.

NORDKOREA: GRUNDLOSE VERLEUMDUNG DER USA

Ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang bezeichnete der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge Obamas Vorwurf als grundlose Verleumdung und forderte eine gemeinsame Untersuchung der Cyberattacke. Nordkorea könne beweisen, dass es nichts mit dem Hackerangriff zu tun habe. Die USA wollten Stimmung gegen die Führung des Landes machen.

Bei dem Cyberangriff auf Sony Pictures Ende November waren Firmenunterlagen sowie persönliche Daten und Emails gestohlen worden. Nach Angaben der US-Bundespolizei FBI wurden bei dem Datendiebstahl Programme eingesetzt, wie sie auch im März 2013 von nordkoreanischen Angreifern bei Attacken auf südkoreanische Banken und Medien verwendet worden seien. Die Ermittler hätten zudem Verbindungen zu Computerschädlingen gefunden, die in Nordkorea entwickelt worden seien.

Die US-Filmtochter des japanischen Konzerns stoppte nach dem Cyberangriff die Veröffentlichung der Komödie “The Interview”, die von Nordkorea als Kriegsakt bezeichnet worden war. Die Hackergruppe, die sich zu dem Angriff bekannte, hatte mit Anschlägen auf die Kinos gedroht, in denen der Film gezeigt wird. Sony ist für die Entscheidung in Hollywood und von Obama scharf kritisiert worden.

Nordkorea ist seit mehr als 50 Jahren Ziel von US-Sanktionen, die allerdings fast ohne Folgen für das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm waren. Am Samstag erklärte Nordkorea, seine Atomstreitstreitkräfte massiv auszubauen. “Da nun die feindliche US-Politik offenkundig ist, in unsere Republik unter dem Deckmantel der Menschenrechte einzufallen, ist die Vorstellung einer atomwaffenfreien Koreanischen Halbinsel nicht länger haltbar”, erklärte ein Sprecher des Außenministerium nach einem KCNA-Bericht.

Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen hatten den Sicherheitsrat aufgefordert, Nordkorea wegen Menschenrechtsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) anzuklagen. Grundlage ist ein UN-Bericht, nach dem in dem isolierten Land systematisch gefoltert wird, politische Morde üblich sind, Hungersnöte herrschen und ein System von Gefangenenlagern ähnlich den Konzentrationslagern der Nazis unterhalten wird. Eine Klageerhebung ist jedoch unwahrscheinlich, da im Sicherheitsrat mit dem Veto Chinas gerechnet wird.

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