May 25, 2018 / 5:34 AM / a month ago

Trump sagt Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim ab

Washington (Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat das historische Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un abgesagt.

U.S. President Donald Trump speaks before the signing ceremony for S. 2155 - Economic Growth, Regulatory Relief, and Consumer Protection Act in the Roosevelt Room at the White House in Washington, U.S., May 24, 2018. REUTERS/Kevin Lamarque

In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief warf er Kim vor, zuletzt offen feindselig gewesen zu sein. Daher sei ein solches Treffen zurzeit nicht angemessen. “Diese verpasste Gelegenheit ist ein wahrhaft trauriger Moment in der Geschichte.” Trump ließ zugleich die Tür für ein Treffen zu einem späteren Zeitpunkt offen. Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus betonte er aber auch, die US-Streitkräfte stünden bereit, sollte Kim etwas “Törichtes” unternehmen.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Nordkorea vor den Augen internationaler Journalisten mit Sprengungen einen Teil seines Atomtestgeländes Punggye Ri unbrauchbar gemacht. Das schürte Hoffnungen, in dem Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm könnte sich eine Entspannung anbahnen. Umso größer fiel mit Trumps Absage der Dämpfer aus. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte, alle Beteiligten bräuchten jetzt “Nerven aus Stahl”. Er forderte, die Bemühungen zur Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel fortzusetzen. Ähnlich äußerte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er hoffe, dass Trumps Vorgehen nur eine Störung eines Prozesses gewesen sei, der fortgesetzt werden sollte, sagte er nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin in St. Petersburg. Putin erklärte, er hoffe, dass es trotz allem doch noch zu einem Treffen kommen werde. Südkoreas Präsident Moon Jae In rief die USA und Nordkorea zu direkten Gesprächen auf. Die internationalen Börsen reagierten mit Kursabschlägen.[nL5N1SV6OT]

In seinem förmlich gehaltenen Brief erklärte Trump, er hätte sich sehr gefreut, wenn das für den 12. Juni in Singapur angesetzte Treffen zustande gekommen wäre. Er habe das Gefühl gehabt, dass sich zwischen ihm und Kim “ein wunderbarer Dialog” ergeben hätte. Letztlich zähle nur dies. “Leider halte ich es aufgrund des enormen Zorns und der offenen Feindseligkeit, die in Ihrer jüngsten Erklärung an den Tag gelegt wurden, für unangemessen, dieses lang geplante Treffen derzeit abzuhalten.” Der Gipfel werde daher “zum Wohle beider Seiten, aber zum Schaden der Welt nicht stattfinden”. Damit sei eine Chance für die Welt und insbesondere Nordkorea vertan.

“ZÖGERN SIE NICHT, MICH ANZURUFEN”

Trump betonte, er sei weiter zu einem Treffen bereit. Kim könne ihn dahingehend jederzeit anrufen oder ihm schreiben. “Ich freue mich sehr darauf, Sie eines Tages zu treffen.” Für die Freilassung amerikanischer Geiseln bedankte er sich. Gleichzeitig betonte Trump aber auch, dass die USA über ein mächtiges Nukleararsenal verfügten. Er bete, dass dieses nie eingesetzt werden müsse.

Das US-Präsidialamt erklärte, die Kanäle für Gespräche mit Nordkorea blieben offen. Zuerst müsse die Führung in Pjöngjang aber ihre Wortwahl ändern. Es gebe immer noch Hoffnung auf Frieden. Außenminister Mike Pompeo, der Kim in den vergangenen Monaten zwei Mal getroffen hatte, sagte, er hoffe, dass die Gespräche zum Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms wieder aufgenommen werden könnten. Die Entscheidung liege aber bei Kim. Er sei enttäuscht, dass der Gipfel geplatzt sei, aber nicht überrascht. In gewisser Weise sei die Lage nun wieder normal. Der Druck auf Nordkorea werde aufrechterhalten. China habe den USA zugesagt, sich an Sanktionen gegen Nordkorea zu halten. Die Volksrepublik ist der wichtigste Unterstützer der international nahezu völlig isolierten Führung in Pjönjang.

Von nordkoreanischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor. Die Führung hatte mit einer Absage des Treffens gedroht und erklärt, es sei auch auf einen atomaren Konflikt vorbereitet. In einer von nordkoreanischen Medien verbreiteten Erklärung bezeichnete Vize-Außenminister Choe Son Hui US-Vizepräsident Mike Pence als “politischen Dummkopf”. Pence hatte Nordkorea als Atomwaffenstaat mit Libyen verglichen, wo Machthaber Muammar Gaddafi ein Atomwaffenprogramm aufgegeben habe, um später von Milizionären getötet zu werden. Nordkoreas Äußerungen über Pence hätten das Fass zum Überlaufen gebracht, sagte ein US-Regierungsvertreter. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte, Trump habe sich zu der Absage entschlossen, nachdem Nordkorea mehrere Versprechen gebrochen und die direkte Kommunikation mit den USA gekappt hätte.

Die oppostionellen Demokraten kritisierten das Vorgehen der Regierung scharf. “Die Kunst der Diplomatie ist viel schwieriger als die Kunst des Geschäfts”, sagte Senator Bob Menendez in Anspielung auf Trumps 1987 erschienenes Buch “The Art of the Deal”.

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