30. August 2017 / 14:52 / vor 3 Monaten

Trump und Kim treiben Nordkorea-Konflikt voran

Washington/Seoul (Reuters) - Trotz weltweiter Appelle zur Mäßigung verschärft sich der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA.

U.S. President Donald Trump speaks during a joint news conference with Finnish President Sauli Niinisto at the White House in Washington, U.S., August 28, 2017. REUTERS/Kevin Lamarque

US-Präsident Donald Trump erteilte dem von seinen zuständigen Ministern verfolgten diplomatischen Kurs zur Entschärfung des Konflikts am Mittwoch eine Absage. “Reden ist nicht die Antwort”, erklärte Trump auf Twitter. Die USA hätten mit Nordkorea verhandelt und über ein Vierteljahrhundert Unsummen an das Land gezahlt. Trump hatte schon am Dienstag betont, dass auch militärische Optionen auf dem Tisch lägen. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verschärfte seinerseits den Ton und kündigte weitere Raketentests an. Innerhalb der US-Regierung wurden aber auch Differenzen deutlich. Führende Kongresspolitiker warfen dem Präsidenten unverantwortliche Rhetorik vor.

Kim sprach in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung von Krieg. Wie in jedem echten Krieg sei der Abschuss einer Mittelstreckenrakete über Japan hinweg nur der erste Schritt, um den Pazifik-Vorposten der USA auf der Insel Guam einzudämmen. Kim hatte schon damit gedroht, vier Raketen vor Guam niedergehen zu lassen. Dort unterhalten die USA eine wichtige Luftwaffenbasis. Den jüngsten Raketentest verteidigte Kim als Reaktion auf die Militärübungen Südkoreas und der USA. Man benötige weitere Tests mit Raketen, die im Pazifik einschlügen.

Die am Dienstag abgefeuerte Mittelstreckenrakete wurde erstmals aus der Umgebung der Hauptstadt Pjöngjang abgefeuert. Experten sehen darin ein Signal Kims, das zeigen solle, dass er über mehrere Optionen zum Start von Raketen verfüge. Der Test wurde weltweit verurteilt. Der UN-Sicherheitsrat kritisierte ihn einstimmig als große Gefahr. In der mit Unterstützung Russlands und Chinas angenommenen Erklärung wurde aber auf die Ankündigung weiterer Strafmaßnahmen verzichtet. Die seit 2006 bestehenden Sanktionen wurden gerade erst verschärft.

Diplomaten zufolge werden die Vetomächte China und Russland schärfere Sanktionen aber nur dann erwägen, sollte Nordkorea Langstreckenraketen oder sogar Atomwaffen testen. Russland betonte, es könne keine militärische Lösung geben. China forderte, jegliche Strafmaßnahmen müssten im Rahmen der UN verhängt werden. Die US-Regierung bekräftigte am Mittwoch, nötig sei eine “konzertierte Aktion”, um Druck auszuüben. An weiteren Sanktionen führe kein Weg vorbei, sagte US-Botschafter Robert Wood auf einer Abrüstungskonferenz in Genf.

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER: DIPLOMATIE NICHT AM ENDE

Wie zuvor scheint die US-Regierung in der Krise nicht mit einer Stimme zu sprechen. Verteidigungsminister Jim Mattis betonte anders als Trump die Bedeutung der Diplomatie. “Uns gehen die diplomatischen Lösungen nie aus. Wir arbeiten weiter zusammen, um Sicherheit für unsere Nationen, unsere Bevölkerungen und unsere Interessen zu sichern”, sagte er nach einem Gespräch mit seinem südkoreanischen Kollegen.

Auch im US-Kongress stießen Trumps neue Äußerungen auf Kritik. Der demokratische Senator Chris Murphy schrieb auf Twitter: “Messlatte ist hoch, aber das ist vielleicht der gefährlichste und unverantwortlichste Tweet seiner ganzen Präsidentschaft. Millionen Leben stehen auf dem Spiel - kein Spiel.”

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