November 3, 2011 / 7:04 AM / 8 years ago

US-Notenbank bleibt pessimistisch - Zins unverändert

Polizist vor dem Sitz der Federal Reserve in Washington am 29. Oktober 2008. REUTERS/Larry Downing

Washington (Reuters) - Die US-Notenbank bleibt trotz einiger zaghafter Anzeichen einer konjunkturellen Belebung pessimistisch.

Vor allem die Lage am Arbeitsmarkt und auf den Immobilienmärkten sei weiterhin alles andere als rosig, erklärte die Federal Reserve am Mittwoch nach einer Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington. Zwar habe die US-Wirtschaft im dritten Quartal an Stärke zugelegt, allerdings bleibe die Konjunktur auf dünnem Eis. Auch die Krise der europäischen Währungsunion bleibe ein Risikofaktor, der genau beobachtet werden müsse. Fed-Chef Ben Bernanke machte zwar deutlich, dass er jederzeit Gewehr bei Fuß stehe, um die Wirtschaft noch stärker als bisher zu unterstützen. Er wurde allerdings nicht konkreter.

Den Leitzins beließen die Notenbanker erwartungsgemäß bei null bis 0,25 Prozent. Bernanke sagte bei der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss, das Wachstumstempo dürfte “frustrierend langsam” bleiben. Er und die anderen Mitglieder des FOMC seien “unzufrieden mit der konjunkturellen Entwicklung”, vor allem die Arbeitslosigkeit sei “deutlich zu hoch”. Bernanke bekräftigte, er sei “nötigenfalls bereit für weitere Maßnahmen, um die wirtschaftliche Erholung zu sichern und die Preise stabil zu halten”. Bei der jüngsten Sitzung sprach sich jedoch nur einer der zehn stimmberechtigten Notenbanker in dem Ausschuss für weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur aus. Die US-Börsen konnten ihre Gewinne trotz der pessimistischen Einschätzung halten.

KEINE HINWEISE AUF QE3

Die Notenbanker bekräftigten, dass der Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld aller Voraussicht nach bis Mitte übernächsten Jahres auf diesem extrem niedrigen Niveau bleiben dürfte. Die Ende September beschlossene Umschichtung der Bilanz gehe weiter. Gelder aus auslaufenden Anleihen würden zudem in Immobilienpapiere reinvestiert, um den Häusermarkt zu stützen. Mit diesen bereits bei der letzten FOMC-Sitzung vor sechs Wochen beschlossenen Maßnahmen will die Notenbank das langfristige Zinsniveau drücken.

Hinweise auf zusätzliche, von einigen Investoren und Ökonomen erwartete Staatsanleihenkäufe gab Bernanke nicht - es wäre bereits die dritte Welle der im Fachjargon “quantitative easing” (QE3) genannten geldpolitischen Lockerung seit Ausbruch der Krise. Bernanke ließ allerdings auf Nachfrage durchblicken, dass zusätzliche Ankäufe von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren (MBS) eine “brauchbare Möglichkeit” sein könnten, um dem Häusermarkt stärker unter die Arme zu greifen - “wenn die Bedingungen angemessen sind”.

SCHWÄCHERE KONJUNKTURPROGNOSEN

Kurz vor der Pressekonferenz Bernankes hatte die Fed deutlich gedämpfte Konjunkturprognosen veröffentlicht. So erwarten die Zentralbanker im Schnitt nur noch ein Plus von 1,6 bis 1,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr. Im Sommer hatten sie noch ein deutlich höheres Plus von rund 2,8 Prozent vorhergesagt. 2012 soll die Wirtschaftsleistung in den USA dann um 2,5 bis 2,9 Prozent zulegen (Junischätzung: 3,5 Prozent). Für den Arbeitsmarkt, neben dem Immobiliensektor die zweite Achillesferse der US-Wirtschaft, erwartet Bernanke im kommenden Jahr eine leichte Besserung. In diesem Jahr werde die Arbeitslosenquote noch über neun Prozent verharren, 2012 dann auf 8,5 bis 8,7 Prozent sinken. Auch diese Werte sind für die USA, die jahrelang so gut wie keine Arbeitslosigkeit kannten, extrem hoch.

Im September hatte die Fed beschlossen, zur Stützung der lahmenden Konjunktur bis Mitte kommenden Jahres für 400 Milliarden Dollar lang laufende Anleihen zu kaufen. Parallel dazu sollen aus der in der Krise auf 2,9 Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz kurz laufende Papiere im selben Umfang abgestoßen werden. Mit dieser nach dem historischen Vorbild der 60er-Jahre “Operation Twist” genannten Operation will die Fed die langfristigen Zinsen niedrig halten. An der Preisfront droht nach Einschätzung der Fed vorerst keine Gefahr: Für 2011 erwartet die Zentralbank im Schnitt eine Kerninflationsrate von 1,85 Prozent, im nächsten Jahr sollen es 1,75 Prozent werden.

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