September 22, 2011 / 6:23 AM / 7 years ago

Fed will mit "Twist II" Konjunktur drehen

The U.S. Federal Reserve building is seen in Washington June 29, 2011. REUTERS/Jim Bourg (UNITED STATES - Tags: BUSINESS POLITICS)

Washington/Frankfurt (Reuters) - Die US-Notenbank greift zur Unterstützung der lahmenden Konjunktur abermals in ihre Trickkiste.

Sie werde bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um lang laufende Anleihen zu erwerben, teilte die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mit. Parallel sollen aus der auf gut 2,9 Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz der Fed kurz laufende Treasuries mit Laufzeiten unter drei Jahren im selben Umfang verkauft werden. Fed-Chef Ben Bernanke will mit dem an die sogenannte “Operation Twist” der Notenbank von 1961 angelehnten Schritt die langfristigen Zinsen senken. Dadurch werden - so das Kalkül - Kredite tendenziell billiger. Dies soll Wirtschaft und Verbrauchern helfen. Wall Street und Devisenmarkt goutierten die Aktion der Zentralbank zunächst. Im Handelsverlauf drehte der Leitindex Dow Jones jedoch wieder ins Minus. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel auf das tiefste Niveau seit mehr als 60 Jahren.

Ihren Leitzins beließen die Notenbanker bei der auf zwei Tage verlängerten Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent. Die wirtschaftliche Lage bleibe schwach, vor allem der Arbeitsmarkt bereite weiterhin Sorgen, hieß es im Begleitkommentar zu dem Beschluss. Die Achillesferse der US-Wirtschaft bleibt der Häusermarkt, wo die Krise 2007 begonnen hatte. Zusätzlich zu “Twist II” will die Fed deshalb auslaufende hypothekenbesicherte Anleihen und andere Immobilienpapiere in ihren Beständen wieder ersetzen.

Bei ihren neuen Anleihekäufen peilt die Fed vor allem Treasuries mit Laufzeiten zwischen sechs und 30 Jahren Laufzeit an. Abgewickelt werden sollen die Geschäfte wie immer von der New Yorker Filiale der Notenbank. Die historische erste Operation Twist fand 1961 statt: Auch damals “drehte” die Fed ihr Anleihedepot auf längere Laufzeiten. An den Finanzmärkten war mit der “Operation Twist II” gerechnet worden. Eine echte weitere geldpolitische Lockerung - im Fachjargon QE3 genannt - war zuletzt hingegen als nicht mehr besonders wahrscheinlich erachtet worden. Der weitere massive Ankauf von Staatsanleihen birgt einerseits hohe Risiken. Andererseits sorgten bereits Spekulationen auf QE3 (Quantitative Easing 3) für heftigen politischen Gegenwind für Fed-Chef Bernanke.

Dass die Fed handeln musste, stand jedoch selbst bei vielen Kritikern von Bernankes Kurs außer Frage. Allerdings stimmten wie bereits bei der letzten FOMC-Sitzung drei Notenbanker gegen den Beschluss. Anfang August hatte die Fed erklärt, sie werde wohl für sage und schreibe zwei Jahre ihren Leitzins bei faktisch null Prozent belassen. Dieses Mal bekräftigte Bernanke dieses Versprechen, welches bei vielen Fachleuten und in der Politik für Kopfschütteln gesorgt hatte.

Die Fed stemmt sich mit ihren Maßnahmen gegen eine sich abzeichnende deutliche Abkühlung, wenn nicht gar eine neue Rezession in den USA in den nächsten Monaten. Hinzu kommt der schwache Arbeitsmarkt. Derzeit finden gut 14 Millionen US-Amerikaner, die arbeiten wollen, keinen Job. US-Präsident Barack Obama hatte deshalb kürzlich ein milliardenschweres Konjunkturprogramm angekündigt. Große Sorgen bereitet den Amerikanern zudem die Schuldenkrise in der Euro-Zone. US-Finanzminister Timothy Geithner hatte deshalb vergangene Woche sogar überraschend an einem Treffen der europäischen Finanzminister in Breslau teilgenommen. Am Dienstag hatte zudem der Internationale Währungsfonds (IWF) Regierungen und Notenbanken zum Handeln aufgefordert, um eine Eskalation der Krise und eine Rezession zu verhindern. Experten halten es deshalb für gut denkbar, dass die Fed schon bald zu QE3 greift und ihre Bilanz weiter ausbaut. Das nächste Mal entscheidet der FOMC Anfang November über die weitere Geldpolitik.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below