June 21, 2018 / 6:36 AM / 3 months ago

"America first - auch im All" - Trumps Rüstungsrennen

- von Andreas Rinke

One of two U.S. Air Force B-1B Lancer bombers receives fuel from a KC-135 Stratotanker while flying a 10-hour mission from Andersen Air Force Base, Guam, into Japanese airspace and over the Korean Peninsula, July 30, 2017. U.S. Air Force photo/Staff Sgt. Joshua Smoot/Handout via REUTERS. ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY

Berlin (Reuters) - Vergangenen Montag hat US-Präsident Donald Trump weitgehend unbemerkt ein neues Zukunftskapitel geopolitischer Kämpfe aufgeschlagen: Er kündigte die Einrichtung einer sechsten US-Teilstreitkraft an - eine “Space Force” für den Weltraum, die die “Air Force” (Luftwaffe) ergänzen soll.

Das Ziel: Die USA sollen auch in Zukunft die dominante Macht im Weltall sein. Dahinter steckt eine relativ einfache strategische Überzeugung: Wer im digitalen Zeitalter das All kontrolliert, der kontrolliert auch die Erde. “Wir müssen amerikanische Dominanz im All haben”, sagte Trump. Der Rüstungswettlauf im Orbit hat deshalb längst begonnen - getrieben vor allem von Mächten wie den USA, China, aber auch Russland.

Eigentlich ist Trumps Anspruch nichts Neues: Bereits 2006 legte die US-Regierung ein Strategiepapier vor, in dem auf die Hegemonie der westlichen Supermacht im All gepocht und offen das Ziel beschrieben wird, “falls nötig zu verhindern, dass Gegner Weltraumkapazitäten nutzen, die den nationalen US-Interessen schaden”. In den vergangenen Monaten haben sich US-Militärs und Experten besorgt geäußert, dass China und Russland im Konfliktfall die weltweiten Kommunikationswege der USA unterbrechen könnten. Dies betrifft zum einen transatlantische Kabelverbindungen. Zum anderen geht es auch um Hunderte Satelliten, die die US-Streitkräfte nutzen, um ihre Armeen zu lenken und alle Winkel der Welt auszuforschen. Sowohl China als auch Russland haben laut Sicherheitsexperten in den vergangenen Jahren getestet, wie sie Satelliten ausschalten können.

Schon 2007 übte das chinesische Militär erstmals den Abschuss eines eigenen ausgedienten Satelliten mit einer Rakete. Doch die schnell wachsende Supermacht baut auch ihre eigene Weltraumpräsenz drastisch aus. Zwar betonte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Dienstag, dass China immer nur eine friedliche Nutzung des Alls im Sinn habe und “jede Stationierung von Waffen und ein Rüstungswettlauf im Weltraum ablehnt”. Man wolle kein “Schlachtfeld” im All, sagte er zu Trumps Ankündigung. Aber es ist klar, dass es Chinas Führung angesichts der wachsenden weltweiten Präsenz als Handels- und Militärmacht als nötig ansieht, genauso wie die USA die globale Steuerung und den Schutz eigener Interessen aus dem Himmel zu ermöglichen.

Deshalb gibt es durchaus einen Zusammenhang zwischen dem derzeitigen US-China-Handelsstreit und dem Wettrennen um die Vorherrschaft im All. Denn unter die nun mit US-Strafzöllen belegten Bereiche gehört ausdrücklich auch der Weltraumsektor. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua warnte schon im April, dass sich das Land von US-Störungsversuchen nicht davon abhalten lasse, seine technologische Aufholjagd fortzusetzen.

JETZT EHER EIN “PEKING-SCHOCK”

Der Wettlauf der USA mit ihrem größten internationalen Konkurrenten hat dabei schon Tradition: Der sogenannte “Sputnik-Schock” 1957 löste in den USA im Kalten Krieg einen wahren Investitionsboom aus. Denn die Sowjetunion hatte mit dem Start des ersten Satelliten bewiesen, dass sie technologisch zunächst vorne war. In den folgenden Jahrzehnten übernahmen die Amerikaner die Führung, etwa mit der ersten bemannten Mondlandung 1969. Und in den achtziger Jahren wurde unter US-Präsident Ronald Reagan über den “Star Wars”, also den Ausbau auch militärischer Aktivitäten über den klassischen Luftraum hinaus gestritten. Im Irakkrieg 1991 demonstrierte das US-Militär dann seine technologische Überlegenheit durch die Steuerung und Aufklärung aus dem Orbit. Zuvor hatte das US-Militär das heute auch zivil genutzte GPS-Navigationssystem entwickelt und installiert.

Jetzt könnte man eher von einem “Peking-Schock” sprechen. Denn das chinesische Militär hat in den vergangenen Jahren seine Fähigkeiten vor allem im All erheblich perfektioniert. Bis 2020 plant China eine eigene permanente Präsenz in einer Raumstation, weil das Land bisher von der Zusammenarbeit in der Internationalen Raumstation ISS ausgeschlossen war. Zudem bereitet China eine eigene bemannte Mondmission vor. Bereits 2013 war den Chinesen als dritter Nation nach Amerikanern und Russen eine Mondlandung gelungen. Und 2014 gab es Berichte, dass Chinas Volksarmee eine eigene “Space force” einrichtet. Auch mit Blick auf Pekings Ambitionen hat Trump Ende vergangenen Jahres beschlossen, die US-Raumfahrtaktivitäten wieder auszudehnen. Am Montag kündigte die Nasa an, vom kommenden Jahr an die Rückkehr von Astronauten auf den Mond vorzubereiten. Dies war zuletzt 1972 der Fall.

Von den Staaten, die sich nicht am Rüstungswettlauf beteiligen, wird das Rennen der Großmächte kritisch gesehen. Denn der Weltraumvertrag aus dem Jahr 1967 verbietet eigentlich eine Militarisierung des Alls. Das Problem: Mit der technologischen Entwicklung hat der Vertrag nicht Schritt gehalten - und es gibt gerade bei der militärischen Nutzung eine Grauzone, ab welcher Höhe denn der klassische Luftraum aufhört und der Weltraum beginnt.

Die Europäer sind bisher eher Zuschauer, weil das gemeinsame Navigationssystem Galileo gerade auf deutschen Druck hin nur zivil genutzt werden darf. Deutschland und Frankreich kooperieren zumindest bei Aufklärungssatelliten - ansonsten laufen militärische Programme aber national. Immerhin bekräftigten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Dienstag ihre Unterstützung für die Entwicklung der neuen Ariane-6-Rakete. Diese ist die Voraussetzung dafür, dass die Europäer künftig überhaupt noch aus eigener Kraft Satelliten ins All schießen können.

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