July 9, 2010 / 1:39 PM / 8 years ago

Größter Agentenaustausch seit Ende des Kalten Kriegs

Wien/Moskau (Reuters) - Der seit dem Ende des Kalten Kriegs größte Agentenaustausch zwischen den USA und Russland ist am Freitag in Wien über die Bühne gegangen. Die Spione waren nach Österreich geflogen worden. Auf dem Wiener Flughafen parkten anderthalb Stunden lang die Maschine aus den USA und die aus Russland nebeneinander. Fahrzeuge brachten mehrere Personen von einem Flugzeug zum anderen und umgekehrt. Ein Mitarbeiter der russischen Sicherheitskräfte erklärte, alle zehn in den USA aufgeflogenen russischen Agenten würden in die Heimat gebracht. Ihre Maschine landete am Nachmittag in Moskau.

Ein russisches Flugzeug mit gegen US-Agenten ausgetauschten russischen Spionen an Bord vor dem Start auf dem Flughafen Wien am 9. Juli 2010. REUTERS/Herwig Prammer

Eine Bestätigung für den Transport von vier in Russland verurteilten US-Agenten gab es zunächst nicht. Mit dem raschen Vorgehen seit dem Sprengen eines russischen Spionagerings in den USA Ende vergangenen Monats wollen beide Länder offenkundig auch eine diplomatische Krise gar nicht erst aufkommen lassen. Beide Regierungen hatten sich darauf verständigt, insgesamt 14 inhaftierte Agenten auszutauschen.

Der Austausch der Spione war sorgfältig vorbereitet worden. In einem ersten Schritt wurden die Mitglieder des russischen Spionagerings am Donnerstag unmittelbar nach ihrer Verurteilung durch ein US-Gericht außer Landes gebracht. Kurz nach dem US-Urteil begnadigte Russlands Präsident Dmitri Medwedew um Mitternacht vier Agenten, die für den Westen spioniert haben sollen.

SPIONE SOLLTEN ANGEBLICH ALS LANGZEITAGENTEN ARBEITEN

Die Agenten im Dienst des russischen Geheimdienstes waren Ende Juni unter anderem in Boston, New York und New Jersey festgenommen worden. Ihre Aufgabe ist es nach US-Angaben gewesen, sich auf lange Sicht eine amerikanische Identität zu verschaffen, um an Informationen über die USA heranzukommen. Die Langzeitspione sollten jedoch keine geheimen Informationen sammeln. Wie in einem Spionageroman seien die Mitglieder des Rings aber im Verschlüsseln, in geheime Übergabetechniken und dem Erkennen von Beschattern ausgebildet worden, erklärten US-Behörden.

Bei den in Russland freigelassenen vier Männern soll es sich um Spione handeln, die zwischen 2003 und 2006 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Darunter ist der Atom-Experte Igor Sutjagin. Er soll militärische Informationen an eine CIA-Tarnfirma weitergegeben haben. Er wurde 2004 zu einer 15-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

13 aller 14 Spione haben eine russische Staatsangehörigkeit. Bei einer Person war die Nationalität zunächst nicht bekannt.

Auch 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges heißt es in amerikanischen wie russischen Geheimdienstkreisen, dass Spionage-Aktionen gegen die ehemaligen Gegner immer noch großzügig unterstützt würden. Der größte Agentenaustausch während des Kalten Krieges wurde 1985 im damals noch geteilten Berlin vollzogen. Über die Glienicker Brücke, an der Grenze zwischen West-Berlin und Potsdam, wurden über 20 Agenten zwischen Ost und West ausgetauscht.

In Moskauer Regierungskreisen hieß es, die rasche Beilegung der Krise um den am 28. Juni aufgeflogenen Agentenring sei auch auf die guten Beziehungen zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem russischen Kollegen Medwedew zurückzuführen. Die Affäre kam ans Licht kurz nach einem Besuch Medwedews in den USA, der erklärtermaßen der Verbesserung der bilateralen Beziehungen dienen sollte. Russische Diplomaten hatten gemutmaßt, amerikanische Hardliner wollten dies verhindern. Derzeit treiben die USA und Russland eine Reihe gemeinsamer Projekte voran. Dazu gehören die Bemühungen um eine Begrenzung der Rüstung, insbesondere des Atomwaffenarsenals, sowie der Wunsch Russlands, Mitglied der Welthandelsorganisation WTO zu werden.

- von Guy Faulconbridge -

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