March 27, 2018 / 5:31 AM / 4 months ago

Westen weist mehr als 100 russische Diplomaten aus

London/Washington (Reuters) - Nach dem Giftanschlag auf einen russischen Ex-Agenten in Südengland geht der Westen gegen Russland so hart vor wie seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr.

Inspectors from the Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) leave under the eyes of police officers and the media after visiting the scene of the nerve agent attack on former Russian agent Sergei Skripal, in Salisbury, Britain March 21, 2018. REUTERS/Peter Nicholls

Allein die USA kündigten am Montag an, 60 russische Diplomaten auszuweisen. Vier müssen Deutschland verlassen. 14 der 28 EU-Staaten schließen sich der Aktion an, dazu kommen weitere Länder wie Kanada und die Ukraine. Insgesamt sind mehr als 100 russische Diplomaten betroffen. Die Regierung in Moskau, die nach eigener Darstellung nicht hinter dem Anschlag auf Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter steht, sprach von einer Provokation.

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, die Ausweisungen der russischen Geheimdienstler durch die Verbündeten sei die bisher größte derartige Aktion. “Russland kann die internationalen Regeln nicht ungestraft brechen.” Sein deutscher Kollege Heiko Maas erklärte, der Schritt sei ein Zeichen der Solidarität mit Großbritannien. Nach dem Giftanschlag trage Russland noch immer nicht zur Aufklärung bei. Das Auswärtige Amt erklärte zudem: “Der Schritt erfolgt auch vor dem Hintergrund der kürzlichen Cyberoperation gegen das geschützte IT-System der Bundesregierung, die sich nach bisherigen Erkenntnissen mit hoher Wahrscheinlichkeit russischen Quellen zurechnen lässt.”

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia wurden Anfang des Monats im südenglischen Salisbury zum Ziel eines Giftanschlages. Dabei wurde nach britischen Angaben ein von der Sowjetarmee im Kalten Krieg entwickeltes Nervengift eingesetzt. Auf dem EU-Gipfel Ende der vergangenen Woche erklärten die 28 Staats- und Regierungschefs, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Russland hinter der Tat stehe. Die EU beorderte ihren Botschafter in Moskau für Konsultationen nach Brüssel zurück.

Die britische Premierministerin Theresa May erklärte, mehr als 130 Menschen könnten dem Gift nach dem Anschlag in Salisbury ausgesetzt worden sei. Demnach haben die britischen Behörden Informationen, wonach Russland in den vergangenen zehn Jahren Forschungen zum Einsatz von Nervengiften anstellte. Wahrscheinlich sei es dabei um Tötungen gegangen, sagte May.

Der Anschlag auf Skripal und seine Tochter wurde der britischen Darstellung zufolge mit einem Nervengift ausgeführt, das aus der Sowjetunion stammt. Unklar ist, wo das verwendete Gift hergestellt wurde. Zurzeit sollen Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen die Proben vom Tatort untersuchen.

RUSSLAND WEIST EU-VORWÜRFE ZURÜCK

Die USA verwiesen 60 Russen des Landes und ordneten die Schließung des Generalkonsulates in Seattle an. Amerikanischen Regierungskreisen zufolge sind alle 60 Betroffenen Geheimdienstler. Die Vertretung in Seattle wurde demnach wegen der Nähe zu einer U-Boot-Basis und zum Rüstungshersteller Boeing(BA.N) ausgewählt.

Das russische Außenministerium sprach von einer “provokanten Geste”. Ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin sagte, die Aktion sei ein Fehler. Der Staatschef werde über die Reaktion Russlands entscheiden.

Russland hatte den Vorwurf der EU zurückgewiesen, hinter dem Anschlag zu stecken. Die Führung in Moskau wirft der EU vor, sie lasse sich in eine von Großbritannien und der USA inszenierten Kampagne hineinziehen, mit der ein Keil zwischen die Union und Russland getrieben werden soll. Großbritannien hat bereits 23 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Die Regierung in Moskau reagierte darauf mit der Ausweisung britischer Diplomaten.

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