March 30, 2018 / 5:46 AM / 8 months ago

Russland weist 60 US-Diplomaten aus und schließt Konsulat

A view through a fence shows the building of the consulate-general of the U.S. in St. Petersburg, Russia March 29, 2018. REUTERS/Anton Vaganov

Moskau (Reuters) - In der Skripal-Affäre setzt Russland nach der Massenausweisung seiner Diplomaten aus diversen Ländern auf Vergeltung mit gleichem Maß.

Das Moskauer Außenministerium erklärte am Donnerstag 60 US-Diplomaten zu unerwünschten Personen und ordnete die Schließung des amerikanischen Konsulats in St. Petersburg an. Zuvor hatten die USA genauso viele Diplomaten ausgewiesen und zudem das Konsulat in der Westküsten-Stadt Seattle dicht gemacht. Die USA erklärten, sie behielten sich nun ihrerseits eine Antwort auf das Vorgehen Russlands vor. Noch vor der seit längerem erwarteten Reaktion Russlands warnte UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor einem neuen Kalten Krieg. Ausgelöst wurden die jüngsten Spannungen durch den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia. Sie war unterdessen auf dem Weg der Besserung.

Die russische Antwort auf die westlichen Strafmaßnahmen ließ vergleichsweise lange auf sich warten. Seit dem Wochenende hatte eine Brandkatastrophe in der sibirischen Stadt Kemerowo die russische Öffentlichkeit beherrscht, wo am Sonntag 64 Menschen ums Leben kamen. Nun kündigte Russland an, dass 60 US-Diplomaten das Land bis Donnerstag kommender Woche verlassen haben müssen. Darunter sind 58 Diplomaten in Moskau und zwei Konsulatsmitarbeiter in Jekaterinburg. Kurz zuvor erklärte Außenminister Sergej Lawrow, sein Land werde auf die Maßnahmen der USA und anderer Länder mit genau derselben Härte reagieren.

Westliche Staaten wie die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben insgesamt etwa 130 russische Diplomaten ausgewiesen. Vier müssen Deutschland verlassen. Zumeist sind es Mitgliedsstaaten der Nato und der Europäischen Union (EU), die mit Solidarität Großbritannien demonstrieren. Die Londoner Regierung hat Russlands Präsident Wladimir Putin für den Anschlag auf den 66-jährigen Skripal und seine 33-jährige Tochter verantwortlich gemacht. Die Regierung in Moskau weist dies zurück und kritisiert, dass Großbritannien bisher Beweise für seine Anschuldigungen schuldig geblieben sei.

GUTERRES FORDERT KOMMUNIKATIONSKANÄLE WIE IM KALTEN KRIEG

Den Ermittlungen zufolge wurden Sergej und Julia Skripal in der südenglischen Stadt Salisbury direkt an ihrer Haustür vergiftet. Spezialisten hätten dort die höchste Konzentration des Nervengiftes gefunden, erklärte die Polizei. Nach britischen Angaben handelt es sich um eine Substanz, die zum Ende der Sowjetunion entwickelt wurde. Der Streit über den Giftanschlag auf die Skripals hat die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen auf ein so frostiges Niveau gebracht, das es seit dem Ende des Ost-West-Konflikts kaum mehr gab.

UN-Generalsekretär Guterres erklärte, die Situation verschlimmere sich derart, dass sie in weiten Teilen bereits der Lage während des Kalten Krieges ähnele. Die rund 40 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren von Spannungen zwischen den USA und ihren westlichen Verbündeten einerseits und der Sowjetunion und den Ostblock-Staaten andererseits geprägt. Guterres forderte die Regierungen in Washington und Moskau auf, Kommunikationskanäle und Kontrollen aus dieser Zeit wiederzubeleben, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Unterdessen ist die schwer verletzte Tochter Skripals nach Klinikangaben auf dem Weg der Besserung. Die Patientin spreche gut auf die Behandlung an und erhole sich rasch, erklärte das Krankenhaus. Der Zustand ihres Vaters sei weiter kritisch, aber stabil. Sergej Skripal hatte Dutzende russische Agenten an den britischen Geheimdienst verraten, bevor er 2004 im Moskau inhaftiert wurde. 2006 wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt. 2010 fand er dann in Großbritannien Zuflucht, nachdem er im Austausch gegen russische Spione auf freien Fuß gekommen war.

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