September 16, 2019 / 11:20 AM / a month ago

USA im Clinch mit Iran nach Attacke auf Saudi-Arabien - Ölpreis explodiert

- von Roberta Rampton und Arshad Mohammed und Markus Wacket

Smoke is seen following a fire at Aramco facility in the eastern city of Abqaiq, Saudi Arabia, September 14, 2019. REUTERS/Stringer

Dubai/Berlin (Reuters) - Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen haben neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran und damit Nervosität an den Weltmärkten ausgelöst.

“Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Schuldigen kennen, und warten mit geladener Waffe auf die Bestätigung”, drohte US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Montag auf Twitter an die Adresse Teherans gerichtet. Zuvor hatte US-Außenminister Mike Pompeo den Iran offen beschuldigt, hinter dem Angriff auf die größte Ölanlage der Welt zu stecken. Teheran wies die Vorwürfe als “inakzeptabel und völlig unbegründet” zurück. Die EU-Kommission, Großbritannien und Deutschland mahnten, keine Schuldzuweisungen vor Prüfung der Fakten vorzunehmen.

An den Handelsplätzen machte sich angesichts der neuen Spannungen am Golf zusehends Unruhe breit: Es kam zum stärksten Ölpreis-Anstieg seit dem Golfkrieg 1991. Die USA sind bereit, nach den Angriffen die globalen Märkte mit Öl aus ihrer strategischen Reserve zu stützen. Trump schrieb auf Twitter, er habe das autorisiert. Die Bundesregierung erwägt dies nicht. “Wir beobachten die Lage sehr genau”, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Die Versorgungssicherheit Deutschlands sei aber nicht gefährdet. Es sei auch nicht mit nachhaltigen Auswirkungen auf das weltweite Ölangebot zu rechnen.

Zu den Drohnen-Agriffen hatten sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Bürgerkriegsland Jemen bekannt. Sie drohen zudem mit weiteren Attacken auf die saudiarabische Ölindustrie. Die Anlagen des staatlichen Öl-Konzerns Aramco seien nach wie vor ein Ziel, erklärte die Miliz am Montag. Sie könnten jederzeit angegriffen werden. Ausländer sollten das Gebiet verlassen.

“BILD NICHT EINDEUTIG”

“Ich verurteile diese Angriffe”, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas in Berlin. Die Lage sei außerordentlich besorgniserregend. Deutschland analysiere gemeinsam mit seinen Verbündeten “mit Besonnenheit”, wer für die Taten verantwortlich sei. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, es sei wichtig, dass nun Fakten gesammelt würden und ein “klares Lagebild” entstehe. Auch der britische Außenminister Dominic Raab mahnte zu Geduld bei Schuldzuweisungen und Reaktionen. Die Attacke sei ein willkürlicher Verstoß gegen internationales Recht: “In der Frage der Verantwortung ist das Bild nicht eindeutig.” Reaktionen müssten auf internationaler Ebene erfolgen, zuvor aber alle Fakten auf dem Tisch liegen. Eine Sprecherin der EU-Kommission äußerte sich ähnlich und nannte die Drohnenangriffe zugleich “beklagenswert”.

Hoffnungen auf eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran, der unter US-Sanktionen wegen seines Atomprogramms leidet, zerschlugen sich nach der Eskalation der Lage am Golf: Irans Präsident Hassan Ruhani lehnt es ab, Trump am Rande der nächsten UN-Vollversammlung in New York zu treffen. “Weder steht ein solches Ereignis an, noch wird es stattfinden”, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Abbas Mousavi, und fügte hinzu: “Ein solches Treffen wird es nicht geben.” Teheran hat ein direktes Gespräch wiederholt abgelehnt, das Weiße Haus hatte dies nicht ausgeschlossen.

Der Iran war zuletzt immer weiter von seinen Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen abgerückt. Gemäß der Übereinkunft von 2015 darf das Land lediglich in begrenztem Maße Forschung und Entwicklung im Bereich der Urananreicherung betreiben. Das Abkommen steht auf der Kippe, seit Trump es im vergangenen Jahr einseitig aufgekündigt hatte und anschließend nach und nach Sanktionen gegen den Iran verschärfte. Deutschland, Frankreich und Großbritannien bemühen sich darum, das Abkommen zu retten. Irans Ölexporte sind im Zuge der US-Sanktionen drastisch zurückgegangen.

ÖKONOMEN WARNEN VOR WIRTSCHAFTLICHEN FOLGEN FÜR DEUTSCHLAND

Durch die Drohnenangriffe wurde nun die Ölproduktion beim Erzfeind Saudi-Arabien hart getroffen: Nach dessen Angaben fällt bis auf weiteres die Produktion von 5,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus - das entspricht fünf Prozent der weltweiten Produktion. Insidern zufolge könnte es Monate dauern, bis die Ölproduktion wieder normal laufe. Nennenswerte Ausfälle in der Versorgung werden aber nicht erwartet. Es gebe weltweit genug Öl in Lagerbeständen, um Lieferausfälle aus Saudi-Arabien auszugleichen, sagte auch Russlands Energieminister Alexander Novak.

Doch für die Märkte war dies kein Grund zur Entwarnung: Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um zeitweise knapp 20 Prozent und kostete mit 71,95 Dollar je Barrel (159 Liter) so viel wie zuletzt vor vier Monaten. Gleichzeitig verloren die Aktienindizes Dax und EuroStoxx50 jeweils etwa ein halbes Prozent auf 12.392 und 3525 Punkte. “Höhere Ölpreise belasten zwar auch direkt die Wirtschaft”, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. “Die Angst, dass sich die geopolitischen Spannungen nun weiter verschärfen, wiegt aber schwerer.” Auch Ökonomen warnen: “Ein Anstieg der Ölpreise um zehn Euro pro Barrel würde die deutsche Wirtschaft vermutlich endgültig aus der Stagnation in eine milde Rezession abrutschen lassen”, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below