October 25, 2018 / 10:48 AM / 21 days ago

Trump macht Medien für Paketbomben mitverantwortlich

- von Makini Brice und Jonathan Allen

U.S. President Donald Trump waves prior to departing on a trip to Wisconsin from the White House in Washington, U.S., October 24, 2018. REUTERS/Cathal McNaughton TPX IMAGES OF THE DAY

Washington/New York (Reuters) - US-Präsident Donald Trump gibt den Medien eine Mitschuld an den versuchten Paketbomben-Anschlägen auf seine Kritiker.

“Ein sehr großer Anteil des Zorns, den wir heute sehen, wird durch die absichtlich falschen und inkorrekten Berichte der etablierten Medien hervorgerufen, die ich als Fake News bezeichne”, schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter. Einer der Adressaten der Paketbomben, der frühere CIA-Chef John Brennan, konterte: “Hören Sie auf, anderen die Schuld zuzuschieben. Schauen Sie in den Spiegel”, schrieb er auf Twitter.” Die Debatte droht die Kongresswahlen am 6. November zu überschatten. Nach Umfragen könnten Trumps Republikaner ihre Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus oder einer der beiden Kammern an die Demokraten verlieren.

Die Sicherheitsbehörden haben mehrere verdächtige Pakete abgefangen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass auch der ehemalige Vizepräsident Joe Biden und der Schauspieler und Trump-Kritiker Robert De Niro unter den Empfängern waren. Bereits am Dienstag und Mittwoch waren unter anderem an Ex-Präsident Barack Obama, Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und andere Politiker der Demokraten sowie das CNN-Studio in New York geschickte Paketbomben abgefangen worden. Am Montag war eine Briefbombe an den Milliardär und Geldgeber der Demokraten, George Soros, entdeckt worden. Keiner der Sprengsätze explodierte, und niemand wurde verletzt. Hinweise auf den oder die Absender der Paketbomben hat das FBI nach eigener Darstellung noch nicht. In mindestens einem Paket war eine Rohrbombe. Mindestens eine Bombe sei auch mit Glassplittern bestückt gewesen, hieß es in Ermittlerkreisen. Die Attacken werden als Akt des Terrorismus eingestuft.

Die Zwischenfälle treffen eine seit dem Amtsantritt Trumps zutiefst gespaltene Gesellschaft. Viele Amerikaner beklagen eine zunehmende Aggressivität sowohl in der politischen Debatte als auch im täglichen Zusammenleben.

TRUMP LOBT AUF WAHLKAMPFVERANSTALTUNG EIGENES VERHALTEN

Schon bei einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwochabend im Staat Wisconsin hatte Trump die Medien erneut als “Feind des Volkes” gebrandmarkt und “die endlose Feindseligkeit sowie die konstant negativen und oft feindlichen Attacken und Artikel” in einen Zusammenhang mit den Paketbomben gestellt. Gleichzeitig hatte er die “versuchten Anschläge” als abscheulich verurteilt und die Amerikaner dazu aufgerufen zusammenzurücken. Er versprach, die Verantwortlichen würden aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen. Offenbar in Anspielung auf seine Kritiker sagte er weiter: “Seht ihr, wie gut ich mich heute Abend verhalte?” Weiter sagte er: “Wir alle verhalten uns sehr gut, und hoffentlich können wir es auch weiterhin so halten.”

Am Donnerstagmorgen feuerte er dann aber eine neue Breitseite gegen die Medien ab. “Es ist so schlimm und hasserfüllt geworden, dass es jeglicher Beschreibung spottet. Die etablierten Medien müssen ihre Sache in Ordnung bringen, SCHNELL.”

Brennan gab die Vorwürfe zurück: “Ihre anstachelnde Sprache, Beleidigungen, Lügen & Ermunterungen zur physischen Gewalt sind abscheulich.” Er forderte Trump auf zu versuchen, sich wie ein Präsident zu benehmen. Auch der Chef des Senders CNN, Jeff Zucker, wandte sich gegen das Staatsoberhaupt: “Es gibt einen totalen und völligen Mangel an Verständnis im Weißen Haus über die Schwere der fortgesetzten Angriffe auf die Medien.” New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem “Terrorakt, der darauf abzielt, unsere freie Presse und die Anführer unseres Landes durch Gewalttaten zu untergraben”.

Führende Demokraten kritisierten Trumps Aufruf zur Einigkeit mit Verweis auf frühere Äußerungen des Präsidenten als hohl. Erst vergangene Woche hatte Trump in die Kritik von Republikaner eingestimmt, Demokraten seien mit Methoden des “Mobs” gegen seinen Kandidaten für das oberste US-Gericht vorgegangen. Vergangene Woche lobte Trump einen Kongress-Kandidaten, der 2017 tätlich gegen einen Reporter geworden und deswegen verurteilt worden war. CNN-Chef Zucker sagte: “Der Präsident und insbesondere der Pressesprecher des Weißen Hauses sollten verstehen, dass ihre Worte Folgen haben.” CNN wird von Trump immer wieder der Verbreitung von Falschnachrichten bezichtigt.

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