September 6, 2013 / 8:50 AM / 6 years ago

Berichte - NSA kann Internet-Verschlüsselungen knacken

San Francisco (Reuters) - Der US-Geheimdienst NSA kann Medienberichten zufolge gängige Verschlüsselungssysteme im Internet knacken, mit denen E-Mails oder Bankgeschäfte geschützt werden sollen.

People play "Battlefield 4" on the first day of E3, the Electronic Entertainment Expo, in Los Angeles, California, June 11, 2013. REUTERS/David McNew (UNITED STATES - Tags: SCIENCE TECHNOLOGY ENTERTAINMENT BUSINESS) - RTX10KE1

Damit könnten die USA bisher sicher geglaubte Verbindungen ausspähen, berichteten die “New York Times”, der britische “Guardian” und der stiftungsfinanzierte Nachrichtendienst ProPublica am Donnerstag. Sie beriefen sich auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Die USA lassen sich das unter strengster Geheimhaltung entwickelte Spähprogramm mit dem Codenamen “Bullrun” demnach jährlich 250 Millionen Dollar kosten. Die neuen Enthüllungen dürften US-Präsident Barack Obama am Freitag beim G20-Gipfel in Erklärungsnot bringen.

Ins Visier nahmen NSA und der britische Partnerdienst GCHQ den Berichten zufolge die SSL-Technologie. Mit dem System Secure Sockets Layer (SSL) werden Millionen Webseiten geschützt, deren Adressen mit “https” beginnen, wie auch private Netze, die oft von Unternehmen eingesetzt werden. Datenschützer hatten Unternehmen wie Google und Facebook davon überzeugt, SSL sämtlichen Nutzern zugänglich zu machen. Doch nach den neusten Enthüllungen könnten diese Verbindungen auch keinen Schutz vor einer Überwachung durch die NSA bieten.

Der US-Geheimdienst bediente sich dem Bericht zufolge einer Vielzahl von Methoden. So sollen die NSA-Mitarbeiter auf Soft- und Hardware durch sogenannte Hintertüren (back doors) zugreifen können, Supercomputer einsetzen, geheime Gerichtsanordnungen nutzen und die Entwicklung internationaler Sicherheitsstandards beeinflussen. Die Hintertüren ermöglichen Hackern Zugang zu Computern und Software, in der Regel ohne dass die befugten Nutzer dies bemerken.

Die “New York Times” und ProPublica waren nach eigener Darstellung von Geheimdienstmitarbeitern aufgefordert worden, ihre Erkenntnisse nicht zu veröffentlichen. Die Behörden argumentierten demnach, dass Zielpersonen andernfalls eine andere Verschlüsselungstechnik einsetzen könnten.

Einige Details seien zurückgehalten worden, erklärte die “New York Times”. In den Artikeln ist nicht konkret beschrieben, welche Verschlüsselungstechnologie tatsächlich geknackt wurde. Auch blieb zunächst unklar, wie oft Technologie-Unternehmen freiwillig den Zugang durch Hintertüren ermöglichten und wie oft sie die NSA mit geheimen Gerichtsanordnungen dazu zwang.

Aus deutschen Bankenkreisen verlautete, man habe keine Erkenntnisse, dass Bankensysteme in Deutschland geknackt worden seien. “Es gibt keinen Grund zu vermuten, dass das Online-Banking in Deutschland nicht sicher ist”, sagten Bankenvertreter. Die Systeme seien etwa von der Finanzaufsicht geprüft worden und als sicher anzusehen.

EU-KOMMISSARIN REDING: DEUTSCHLAND BEI DATENSCHUTZ ZÖGERLICH

Am Rande des G20-Gipfels in Russland musste sich Obama bereits mit Vorwürfen seiner Amtskollegen aus Brasilien und Mexiko auseinandersetzen. Obama und die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff sprachen nach Angaben des Washingtoner Präsidialamts über Anschuldigungen, die NSA habe die Kommunikation Rousseffs überwacht. Auch der mexikanische Präsidente Enrique Pena Nieto soll im Visier gewesen sein. Diesem sicherte Obama nach Pena Nietos Worten eine vollständige Untersuchung zu.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding mahnte nach Bekanntwerden der Enthüllungen die Unterstützung Deutschlands für mehr Datenschutz an. “Die Kanzlerin hat ja im Wahlkampf gesagt, dass sie den Datenschutz zur Chefsache macht”, sagte Reding im RBB. Darauf zähle sie. “Deutschland war bisher zögerlich und hat nicht gerade geholfen, dass das neue Datenschutzgesetz umgesetzt wird.”

Reding bekräftigte ihre Forderung nach einem strengeren europäischen Datenschutzrecht. Dafür will sie den Druck auf Unternehmen mit Geldstrafen erhöhen. Es seien zwei Prozent des weltweiten Umsatzes vorgesehen - das werde die Konzerne zum Umdenken bringen. “Es ist inakzeptabel, dass deutsche Unternehmen sich in Europa an europäisches Recht halten müssen, amerikanische aber nicht.”

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