April 13, 2018 / 1:45 PM / 7 months ago

Experten sollen in Duma nach Beweisen für Giftgas suchen

- von Jeff Mason und Michelle Nichols

A man stands on rubble of damaged buildings in the besieged town of Douma, Eastern Ghouta, in Damascus, Syria March 30, 2018. REUTERS/Bassam Khabieh

Washington/London (Reuters) - Die Ermittlungen über einen mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Syrien laufen vor dem Hintergrund einer drohenden Konfrontation zwischen den USA und Russland auf Hochtouren.

Inspektoren der Organisation zum Verbot chemischer Waffen (OPCW) sollen am Samstag Proben in der einstigen Rebellen-Bastion Duma nehmen, um Belege für den vermuteten Einsatz geächteter Chemikalien am 7. April sicherzustellen. Die von US-Präsident Donald Trump durch einen angedrohten Vergeltungschlag gegen die mit Russland verbündeten syrische Truppen ausgelöste Krisen-Diplomatie konzentrierte sich am Freitag auf die Vereinten Nationen. Im UN-Sicherheitsrat sollte auf russischen Antrag hin die Lage beraten werden. Während Trump noch nicht über einen militärischen Einsatz in Syrien entschieden hatte, schloss Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Beteiligung Deutschlands an einem Militärschlag im Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich aus.

Trump hatte am Mittwoch als Reaktion auf Berichte über den möglichen Einsatz von Giftgas einen Angriff auf syrische Truppen angekündigt. Russland, das den syrischen Präsident Baschar al-Assad im Kampf gegen Rebellen unterstützte, warnte postwendend den Westen vor einen Militärschlag gegen syrische Truppen. Das löste weltweit Sorgen vor einer direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland aus. Trump ruderte allerdings am Donnerstag etwas zurück und twitterte, er habe nie erklärt, wann ein Angriff erfolgen sollte. Am Freitag erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders, die US-Regierung werte Geheimdiensterkenntnisse aus und führe Gespräche mit Partnern sowie Verbündeten.

RUSSLAND WARNT VOR ULTIMATEN

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte vor Ultimaten und Drohungen. Diese würden nicht helfen. Er wies aber darauf hin, dass die Kommunikationskanäle zwischen Russland und den USA genutzt würden. In London teilte das Büro der Premierministerin Theresa May mit, die Regierungschefin sei sich bei einem Telefonat mit Trump einig gewesen, dass der Einsatz von Chemiewaffen durch das syrische Militär “nicht unbeantwortet” bleiben könne.

In die Krisendiplomatie schaltete sich auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein. Er habe sowohl mit Trump als auch mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin über mögliche Schritte zur Lösung des Syrien-Konflikts gesprochen. Die Gespräche mit Russland und den USA wolle er fortsetzen.

Klarheit über den mutmaßlichen Giftgas-Angriff soll die OPWC-Untersuchung bringen. In Duma werden die Experten sowohl Proben am Ort des Angriffs als auch Blutproben der Opfer nehmen. Die Beweisstücke sollen dann im OPCW-Hauptlabor in den Niederlanden analysiert werden.

MACRON ZEIGT SICH TIEF BESORGT

Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, er sei tief besorgt über die Zuspitzung der Lage in Syrien. Er habe Putin mitgeteilt, dass er den Dialog mit Russland intensivieren wolle, um Syrien zu befrieden.

Macron verfügt nach eigenen Angaben über Beweise, dass bei dem Angriff Chlorgas eingesetzt wurde. Ein C-Waffen-Experte, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur Reuters dazu, Spuren von Chlorgas seien weit schwieriger nachzuweisen als etwa der Kampfstoff Sarin. “Chlor ergibt in der Umwelt Chlorid, und das ist überall - als Kochsalz, im Schweiß und so weiter”, sagte der C-Waffen-Experte.

In Berlin erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert, es gebe “schwere Indizien”, die auf einen Chemiewaffen-Einsatz der syrischen Regierung hindeuteten. Außenminister Heiko Maas forderte ungeachtet des Neins von Merkel zu einer militärischen Vergeltung, der mögliche Einsatz von Chemiewaffen dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wichtig sei ein geschlossenes Auftreten des Westens, um den Druck auf Russland zu erhöhen. “Russland agiert leider zunehmend feindselig”, sagte der SPD-Politiker dem “Spiegel” nach Vorabbericht. In Deutschland entspann sich eine parteiübergreifende Debatte über das Für und Wider einer Intervention in Syrien.

Der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, rechnete mit einem US-Militärschlag. “Nach der massiven Warnung wird Trump nicht mehr hinter seine Drohungen zurückkönnen”, sagte Kornblum den Zeitungen der “Funke Mediengruppe”. “Jetzt gar nichts zu machen, käme einem Gesichtsverlust gleich. Ich gehe davon aus, dass es eine US-Militäraktion in der einen oder anderen Form geben wird.”

In der einstigen Rebellenhochburg Ost-Duma vor Damaksus, zu der der Ort Duma zählt, mehrten sich die Anzeichen für den Zerfall der Herrschaft der Assad-Gegner. Knapp 60.000 Vertriebene seien in den vergangenen Tagen in Bussen in die von oppositionellen Milizen beherrschte Region um Idlib im Nordwesten Syriens gebracht worden, teilte die Organisation Ärzte ohne Grenzen mit.

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