April 13, 2018 / 5:31 PM / 10 days ago

Experten sollen in Duma nach Beweisen für Giftgas suchen

Washington/London (Reuters) - Die Ermittlungen zum mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Syrien laufen angesichts einer drohenden Konfrontation zwischen den USA und Russland auf Hochtouren.

Bashar Jaafari, permanent Representative of the Syrian Arab Republic to the United Nations speaks to members of the United Nations Security Council during a meeting on Syria at the U.N. headquarters in New York, U.S., April 13, 2018. REUTERS/Eduardo Munoz

Inspektoren der Organisation zum Verbot chemischer Waffen (OPCW) sollen am Samstag Proben in der einstigen Rebellen-Bastion Duma nehmen, um Belege für den vermuteten Einsatz geächteter Chemikalien am 7. April sicherzustellen. Die von US-Präsident Donald Trump durch einen angedrohten Vergeltungsschlag gegen die mit Russland verbündeten syrischen Truppen ausgelöste Krisen-Diplomatie konzentrierte sich am Freitag auf den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen: Dort warf US-Botschafterin Nikki Haley dem syrischen Militär vor, in dem seit sieben Jahren dauernden Konflikt mindestens 50 Mal chemische Waffen eingesetzt zu haben. Dem Sicherheitsrat ist es trotz mehrerer Anläufe bislang nicht gelungen, eine Resolution zum vermuteten Giftgaseinsatz zu verabschieden.

Während Trump noch nicht über einen militärischen Einsatz in Syrien entschieden hatte, schloss Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Beteiligung Deutschlands im Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich aus. Trump hatte am Mittwoch einen Angriff auf syrische Truppen angekündigt. Russland, das den syrischen Machthaber Baschar al-Assad im Kampf gegen Rebellen unterstützt, warnte den Westen postwendend vor einen Militärschlag gegen syrische Truppen. Das löste weltweit Sorgen vor einer direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland aus. Trump ruderte allerdings am Donnerstag zurück und twitterte, er habe nie gesagt, wann es einen Angriff gebe. Am Freitag erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders, die US-Regierung werte Geheimdiensterkenntnisse aus und führe Gespräche mit Alliierten.

RUSSLAND WARNT VOR ULTIMATEN

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte vor Ultimaten und Drohungen. Er wies aber darauf hin, dass die Kommunikationskanäle zwischen Russland und den USA genutzt würden. In London teilte das Büro von Premierministerin Theresa May mit, die Regierungschefin sei sich bei einem Telefonat mit Trump einig gewesen, dass der Einsatz von Chemiewaffen durch das syrische Militär “nicht unbeantwortet” bleiben könne.

Sollten sich die USA und ihre Verbündeten für ein Vorgehen in Syrien entscheiden, geschehe dies zur Verteidigung von Prinzipien, denen alle zustimmten, sagte Haley. “Alle Nationen werden Schaden nehmen, wenn wir Assad erlauben, den Gebrauch von Chemiewaffen als normal darzustellen.” Sie bekräftigte, Trump habe noch keine Entscheidung über eine Intervention getroffen.

Die Staatengemeinschaft müsse eine “robuste, vereinte und standhafte Antwort” liefern, sagte der französische UN-Botschafter Francois Delattre. Die Entscheidung, chemische Waffen einzusetzen bedeute, dass die syrische Regierung an einen Punkt gekommen sei, “von dem es kein Zurück” gebe. UN-Generalsekretär Antonio Guterres fordert von den Staaten ein verantwortungsvolles Vorgehen. Wegen des Syrien-Konfliktes und des Stillstandes im UN-Sicherheitsrat bestehe die Gefahr einer ausgewachsenen militärischen Eskalation.

BISHER KEINE KLARHEIT ÜBER GIFTGAS-ANGRIFF

Klarheit über den mutmaßlichen Giftgas-Angriff soll die OPWC-Untersuchung bringen. In Duma werden die Experten sowohl Proben am Ort des Angriffs als auch Blutproben der Opfer nehmen. Die Beweisstücke sollen dann im OPCW-Hauptlabor in den Niederlanden analysiert werden.

Der französische Präsident Emmanuel Macron verfügt nach eigenen Angaben über Beweise, dass bei dem Angriff Chlorgas eingesetzt wurde. Ein C-Waffen-Experte, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Spuren von Chlorgas seien weit schwieriger nachzuweisen als etwa der Kampfstoff Sarin: “Chlor ergibt in der Umwelt Chlorid, und das ist überall - als Kochsalz, im Schweiß und so weiter.”

In Berlin erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert, es gebe “schwere Indizien”, die auf einen Chemiewaffen-Einsatz der syrischen Regierung hindeuteten. Außenminister Heiko Maas forderte ungeachtet des Neins von Merkel zu einer militärischen Vergeltung, der mögliche Einsatz von Chemiewaffen dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wichtig sei ein geschlossenes Auftreten des Westens, um den Druck auf Russland zu erhöhen. “Russland agiert leider zunehmend feindselig”, sagte der SPD-Politiker dem “Spiegel”.

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