April 11, 2018 / 11:17 AM / in 10 days

Trump kündigt Raketenangriff auf Syrien per Twitter an

Washington/Beirut (Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat einen Raketenangriff auf Syrien angekündigt.

U.S. President Donald Trump speaks during his meeting with Qatar's Emir Sheikh Tamim bin Hamad al-Thani in the Oval Office at the White House in Washington, U.S., April 10, 2018. REUTERS/Kevin Lamarque

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er am Mittwoch, Russland habe gedroht, angreifende Raketen abzuschießen. “Mach dich bereit Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und ‘intelligent!’”, schrieb Trump. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, die Situation in der Welt sei besorgniserregend. Er hoffe auf einen Sieg der Vernunft. Die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol warnte Fluggesellschaften, im östlichen Mittelmeer könnten innerhalb der nächsten 72 Stunden Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden. Ausgelöst wurde der jüngste Konflikt durch den mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Rebellenhochburg Duma.

Das russische Militär erklärte, es registriere Aktivitäten von US-Marineeinheiten im Golf. Man beobachte die Situation um Syrien herum genau. Nach Informationen der oppositionsnahen Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte räumten regierungstreue Truppen Flugplätze und Luftwaffenstützpunkte, die mögliche Angriffsziele sein könnten.

STREIT ÜBER GIFTGASANGRIFF

Russlands Botschafter im Libanon, Alexander Sasypkin, hatte angekündigt, sollten die USA Syrien mit Raketen angreifen, dann würden diese abgeschossen und auch die Abschussvorrichtungen ins Visier genommen. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte, “intelligente Raketen” sollten Terroristen treffen und nicht rechtmäßige Regierungen. Der Einsatz solcher Waffen könne ein Versuch sein, Beweise für einen mutmaßlichen Angriff mit Chemiewaffen in Syrien zu zerstören. Das russische Militär warf Aktivisten in der Rebellenbastion Duma vor, den angeblichen Giftgasangriff inszeniert zu haben. Gesammelte Proben hätten keinen Hinweis auf eine giftige Substanz gegeben.

Bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff sollen Dutzende Menschen getötet und verletzt worden sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte mit, bei etwa 500 Patienten, die behandelt worden seien, seien Symptome festgestellt worden, die auf einen Kontakt mit giftigen Chemikalien schließen ließen.

Der Westen macht Syriens Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte: “Es gibt schwere Indizien, die auf das syrische Regime weisen.” Ähnlich äußerte sich die britische Premierministerin Theresa May. Der Angriff dürfe nicht unbeantwortet bleiben, sagte sie. Syriens Außenministerium warf dagegen den USA vor, mit Lügen einen Vorwand zu schaffen, um das Land ins Visier zu nehmen. Syrien hat Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eingeladen, in Duma die Vorwürfe zu überprüfen. Die OPCW will Inspektoren entsenden. US-Verteidigungsminister Jim Mattis erklärte, die Auswertung der Erkenntnisse über den Giftgasangriff sei noch nicht abgeschlossen.

DIREKTE KONFRONTATION ZWISCHEN RUSSLAND UND USA DROHT

Die Äußerungen des russischen Botschafters Sasypkins machen die Brisanz der Lage deutlich. Nach seinen Worten sind US-Kriegsschiffe in der Region ein potenzielles Angriffsziel, wenn von ihnen Marschflugkörper auf Syrien abgefeuert würden. Damit würde eine direkte Konfrontation der beiden Atommächte drohen.

Trump erklärte per Twitter, das Verhältnis beider Staaten sei noch nie so schlecht gewesen wie jetzt, nicht mal im Kalten Krieg. Zugleich sprach er sich für eine Zusammenarbeit mit Russland aus, in der Wirtschaft und beim Stopp des Rüstungswettlaufs. “Eine tolle Idee”, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums dazu. Man sollte mit den Chemiewaffen der USA beginnen.

FLUGGESELLSCHAFTEN MEIDEN BETROFFENE REGION

Den Ernst der Lage führte auch die Eurocontrol-Warnung vor Augen. Die Fluggesellschaften sollten wegen der Gefahr von Luftangriffen in Syrien besondere Vorsicht im östlichen Mittelmeer walten lassen. Entsprechend warnten die Luftfahrtbehörden in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland vor dem Einflug in den syrischen Luftraum. Ein Lufthansa-Sprecher sagte, die Gesellschaft vermeide den Luftraum im östlichen Mittelmeer schon seit geraumer Zeit. Air France erklärte, einige Flugrouten seien geändert worden. EasyJet leitete nach eigenen Angaben Flüge von Tel Aviv aus auf eine sichere Route umg. EasyJet fliegt unter anderem von Berlin nach Tel Aviv. Auch Ryanair und British Airways teilten mit, die Lage ernsthaft zu verfolgen.

Trumps Ankündigung belastete auch die Börsen. Der Frankfurter Leitindex Dax gab 0,8 Prozent nach. Die Dow-Jones-Index in New York verlor 0,4 Prozent.

Weitere Reporter: Dahlia Nehme, Jamie Freed, Victoria Bryan, Alexander Cornwell, Sarah Young und Conor Humphries,; geschrieben von Andreas Kenner und Boris Berner,; redigiert von Matthias Sobolewski; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 030-2888 5168 oder 069-7565 1236

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