July 26, 2019 / 4:35 PM / in 4 months

US-Ministerium gibt grünes Licht für Fusion von T-Mobile und Sprint

A smartphones with Sprint logo are seen in front of a screen projection of T-mobile logo, in this picture illustration taken April 30, 2018. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration

- von Diane Bartz und David Shepardson

Washington (Reuters) - Der lang erwartete Zusammenschluss von T-Mobile US und Sprint ist auf der Zielgeraden.

Das US-Justizministerium gab am Freitag grünes Licht für die 26 Milliarden Dollar schwere Fusion, für die es zuvor mehrere vergebliche Anläufe gegeben hatte. Allerdings sind Bedingungen an die Genehmigung geknüpft: Die Behörde verlangt von den beiden Firmen, dass sie mehrere Konzernteile und Mobilfunkfrequenzen verkaufen. So soll Sprint unter anderem die Prepaid-Mobilfunkanbieter Boost Mobile und Virgin Mobile an den Satellitenbetreiber Dish Network veräußern. Damit werde Dish viertgrößter Mobilfunk-Betreiber in den USA und könne dem neuen Riesen Konkurrenz machen. T-Mobile und Sprint zufolge hat allein die Transaktion mit Dish ein Volumen von rund fünf Milliarden Dollar. Beide Unternehmen seien einen “unglaublich wichtigen Schritt auf dem Weg der neuen T-Mobile vorangekommen”, betonte T-Mobile-Chef John Legere. Die Aktien von T-Mobile US und Sprint legten zu.

Endgültig in trockenen Tüchern ist das Projekt damit aber noch nicht, denn mehrere US-Bundesstaaten klagen vor einem Bundesgericht in New York dagegen. Sie befürchten, dass eine Fusion der Nummer drei und vier des amerikanischen Mobilfunkmarktes die Preise in die Höhe treibt. T-Mobile verfügt in den USA über rund 80 Millionen Kunden, bei Sprint sind es rund 55 Millionen Kunden. Außerdem steht die offizielle Genehmigung der Branchenaufsicht FCC aus. Allerdings hatte der Vorsitzende des FCC-Gremiums, Ajit Pai, bereits Zustimmung signalisiert und in der Regel ziehen das Justizministerium und die FCC an einem Strang. T-Mobile und Sprint erklärten, sie erwarteten einen Abschluss der Fusion in der zweiten Jahreshälfte.

Um die Genehmigung der Behörden zu erhalten, hatten Sprint, an dem der japanische Tech-Investor Softbank beteiligt ist, und T-Mobile Zugeständnisse beim Ausbau des ultraschnellen Internets 5G gemacht. Die USA wollen hier besonders rasche Erfolge vorweisen, um im Wettbewerb mit China nicht den Kürzeren zu ziehen. Die Funklizenzen, die in Deutschland für rund 6,5 Milliarden Euro an Mobilfunkkonzerne versteigert wurden, machen deutlich schnellere Übertragungsraten als bisher möglich und gelten als Voraussetzung für Schlüsseltechologien wie Industrie 4.0, autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz.

Von Januar bis März verlor Sprint unerwartet viele Kunden, unter dem Strich stand ein Verlust von 2,2 Milliarden Dollar, Zahlen zum zweiten Quartal liegen noch nicht vor. T-Mobile US steht dagegen weit besser da: Von April bis Juni kamen rund 1,8 Millionen Kunden hinzu, Umsatz und Ergebnis legten deutlich zu. Die Telekom-Tochter jagt den Platzhirschen AT&T und Verizon seit vielen Quartalen mit einer aggressiven Preispolitik und Marketingkampagnen Kunden ab.

Dei Vorbehalte gegen einen Zusammenschluss von T-Mobile und Sprint sind groß. Verbraucherschützer und Politiker warnen nicht nur vor steigenden Gebühren, auch die Netzabdeckung stellt sie nicht zufrieden. So kritisierte etwa die Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, dass in ihrem Bundesstaat die Versorgung mit 3G unzureichend sei. Nichts in dem Fusionsplan garantiere eine bessere Abdeckung. Die Bedenken sollen nun mit den Auflagen des Ministeriums zerstreut werden. Dish-Mobilfunkkunden sollen der Einigung zufolge über sieben Jahre Zugang zum Mobilfunknetz des neuen Riesen gewährt werden. Dish soll zudem Zugriff auf Läden erhalten, die der neue Konzern nicht mehr braucht. Die Bedingungen hingen aber vom erfolgreichen Abschluss der Fusion ab, teilten T-Mobile US und Sprint mit.

Durch den Zusammenschluss soll ein Konzern entstehen, der auf rund 130 Millionen Kunden und einen Jahresumsatz von rund 76 Milliarden Dollar kommt. Die Telekom verspricht sich nach früheren Angaben durch den Sprint-Kauf jährliche Einsparungen von rund sechs Milliarden Dollar. Legere bekräftigte seine Einsparziele. Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte für die Fusion als großen Wurf geworben. “Keine Möglichkeit ist ohne Risiken. Nur wer sie eingeht, eröffnet sich den nächsten Horizont”, hatte er bei der Hauptversammlung im Mai mit Blick auf die lang verfolgten US-Pläne gesagt. Zusammen mit Sprint könne die US-Tochter, an der die Telekom derzeit rund zwei Drittel hält, unter anderem die US-Platzhirsche AT&T und Verizon, stärker unter Druck setzen.

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