9. Oktober 2017 / 05:07 / in 14 Tagen

Türkischer Justizminister fordert US-Einlenken im Visastreit

Istanbul/Ankara (Reuters) - Die Türkei hat im Visastreit mit den USA den Nato-Verbündeten zum Einlenken aufgefordert.

The Turkish flag flies over the the Turkish Ambassador's residence in Washington, U.S., June 15, 2017. REUTERS/Joshua Roberts TPX IMAGES OF THE DAY - RC13BFEEB920

Justizminister Abdulhamit Gül sagte am Montag dem Sender A Haber, die Entscheidung zur Festnahme des türkischen Mitarbeiters der US-Vertretung gehe auf eine Entscheidung der türkischen Justiz zurück. “Es ist unser Recht, einen türkischen Staatsbürger für ein in der Türkei verübtes Verbrechen vor Gericht zu stellen.” Die USA würden angesichts dieser Umstände hoffentlich ihre Einstellung der Visavergabe überdenken. Aus dem türkischen Außenministerium verlautete, der Untersekretär der US-Botschaft sei einbestellt worden, um auf ein Ende des Streits hinzuarbeiten.

Die türkischen Behörden hatten vergangene Woche einen einheimischen Mitarbeiter eines US-Konsulats festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, Verbindungen zu dem in den USA lebenden türkischen Geistlichen Fethullah Gülen zu haben. Dieser ist nach Darstellung der Türkei der Drahtzieher des Putschversuchs im vergangenen Jahr. Die US-Regierung verurteilte die Festnahme als grundlos. Am Sonntag erklärte die amerikanische Botschaft in Ankara, die Einstellung der Türkei zur Sicherheit der US-Vertretungen und deren Mitarbeiter müsse neu bewertet werden. Sie setzte die Visavergabe aus. Wenig später kündigte die türkische Vertretung in Washington den gleichen Schritt an.

TÜRKISCHE BÖRSE MIT DEUTLICHEM MINUS

Der Streit machte am Montag die türkischen Anleger nervös. Der Leitindex der Istanbuler Börse rutschte zeitweise um 4,7 Prozent auf ein 16-Wochen-Tief ab.[nL8N1MK1AM] Zudem warfen Anleger die türkische Lira aus ihren Depots. “Die Situation scheint wirklich sehr ernst zu sein”, sagte Anlagestratege Timothy Ash vom Vermögensverwalter Blue Bay. Der Spitzenverband der türkischen Wirtschaft forderte umgehend diplomatische Bemühungen zur Lösung der Krise.

Der stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Simsek schrieb dagegen auf Twitter, die Wirtschaft des Landes habe ihre Widerstandsfähigkeit in den vergangenen Jahren mehrfach unter Beweis gestellt. Der Vizegouverneur der Zentralbank, Murat Uysal, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man behalte die Entwicklung genau im Blick.

Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei haben sich wegen der amerikanischen Unterstützung der kurdischen YPG-Miliz im Kampf gegen den IS in Syrien verschlechtert. Die Regierung in Ankara betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen PKK, die seit Jahrzehnten im Südosten der Türkei einen Aufstand anführt. Die Türkei hat seit dem Putschversuch auch mehrere Bundesbürger festgenommen.[nL8N1MJ0OF] Die Bundesregierung hat das Vorgehen scharf kritisiert. Auch die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind angespannt.

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