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Weltnachrichten

WHO zurückhaltend zu Plasma-Therapie - Trump nennt sie "lebensrettend"

Zürich/Washington (Reuters) - Die Weltgesundheitsorganisation WHO reagiert zurückhaltend auf die Notfall-Zulassung einer Blutplasma-Therapie gegen COVID-19 in den USA.

U.S. President Donald Trump holds a news conference about the latest coronavirus disease (COVID-19) developments, in the Brady Press Briefing Room of the White House in Washington, U.S. August 23, 2020. REUTERS/Erin Scott

Die Belege dafür, dass die Therapie mit dem Plasma genesener Patienten anschlage, seien von geringer Qualität, erklärte die WHO am Montag. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte den Einsatz am Sonntag genehmigt, nachdem US-Präsident Donald Trump ihr vorgeworfen hatte, die Zulassung von Impfstoffen und Medikamenten aus politischen Gründen zu behindern. Bei der Therapie wird schwer erkrankten COVID-19-Patienten das Blutplasma von Genesenen mit vielen Antikörpern verabreicht.

An den Börsen sorgte die FDA-Entscheidung am Montag für steigende Kurse.

Nur einige wenige klinische Tests der Therapie hätten bisher Resultate gebracht, sagte die WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan. Die Ergebnisse seien bisher nicht überzeugend genug, um die Therapie über den experimentellen Einsatz hinaus zuzulassen. Der WHO-Berater Bruce Aylward wies zudem darauf hin, dass die Therapie auch eine Reihe von Nebenwirkungen habe. Diese reichten von mildem Fieber bis hin zu schweren Lungenschäden oder einem Kreislaufkollaps.

“SYMBOLIK STATT GAME-CHANGER”

Auch Kai Brüning von der Fondsanlagegesellschaft Apo Asset zeigte sich zurückhaltend. “Es gibt in der Tat eine Hoffnung, dass Plasma von genesenen Patienten den erkrankten helfen kann. Es ist einen Versuch wert, ähnlich wie Remdesivir, welches bekannterweise auch kein Wundermittel ist”, sagte er. “Die Zulassung an sich ist aber kein ‘Game-Changer’ für die Wirtschaftsentwicklung und den Kapitalmarkt. Sie hat rein symbolischen Charakter.”

“THERAPIE WIRD UNZÄHLIGE LEBEN RETTEN”

Trump stellte den Beschluss dagegen als entscheidende Weichenstellung dar. “Heute freue ich mich, eine wirklich historische Ankündigung in unserem Kampf gegen das China-Virus zu machen, die unzählige Leben retten wird,” hatte er am Sonntag erklärt. “Das ist es, wonach ich schon lange gesucht habe.”

Die FDA begründete ihre Entscheidung mit frühen Hinweisen darauf, dass Blutplasma die Sterblichkeitsrate senken und die Gesundheit von Patienten verbessern könne. Auch sehe man keine Sicherheitsrisiken.

Zuvor hatte Trump die FDA beschuldigt, die Einführung von Impfstoffen und Medikamenten aus politischen Gründen bis nach der Präsidentschaftswahl Anfang November zu behindern. Jüngsten Umfragen zufolge liegt Trump hinter seinem Rivalen Joe Biden. Nach einer Reuters-Zählung sind die USA mit mehr als 5,68 Millionen Coronavirus-Infektionen und über 176.000 Todesfällen das von der Pandemie weltweit am stärksten betroffene Land.

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