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Weltnachrichten

Trump läutet mit Warnung vor "Zerstörer Biden" heiße Wahlkampfphase ein

Washington/Berlin (Reuters) - US-Präsident Donald Trump ist mit einer Frontalattacke gegen seinen Herausforderer Joe Biden in die heiße Phase des Wahlkampfs gestartet.

U.S. President Donald Trump delivers his acceptance speech as the 2020 Republican presidential nominee during the final event of the Republican National Convention on the South Lawn of the White House in Washington, U.S., August 27, 2020. REUTERS/Kevin Lamarque

“Joe Biden ist nicht der Retter der Seele Amerikas. Er ist der Zerstörer amerikanischer Jobs. Und wenn er die Chance bekommt, wird er der Zerstörer amerikanischer Größe sein”, sagte Trump am Donnerstag in seiner Rede zum Abschluss des Nominierungsparteitags der Republikaner. Im Garten des hell beleuchteten Weißen Hauses nahm er vor mehr als 1000 Gästen zugleich feierlich die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei an. Mit drastischen Worten zeichnete er ein Bild der USA, die in einen ruinierten sozialistischen Kontrollstaat voller Gewalt abrutschen würden, sollte Biden am 3. November die Wahl gewinnen. Ein Sieg des Demokraten würde die Krisen, die den USA zu schaffen machten, nur noch verschlimmern. “Niemand wird sicher sein in Bidens Amerika.”

“Zu keinem anderen Zeitpunkt standen die Wähler vor einer deutlicheren Wahl zwischen zwei Parteien, zwei Visionen, zwei Philosophien oder zwei Agenden. Diese Wahl wird darüber entscheiden, ob wir den amerikanischen Traum retten oder ob wir zulassen, dass eine sozialistische Agenda unser geliebtes Schicksal zerstört”, warnte der in Umfragen zurückliegende Trump. “Diese Wahl wird entscheiden, ob wir gesetzestreue Amerikaner beschützen oder ob wir gewalttätigen anarchischen Agitatoren und Kriminellen, die unsere Bürger bedrohen, freien Lauf lassen.” Biden sei ein Trojanisches Pferd des Sozialismus. Sollte die “Radikale Linke” an die Macht kommen, werde sie “die Vororte niederreißen”. Sie werde Richter ernennen, die das Recht auf Waffenbesitz und andere von der Verfassung garantierte Freiheiten kippen, und der Polizei im ganzen Land Gelder streichen. Biden widersprach dem.

BIDEN: WIE SICHER FÜHLEN SIE SICH IN TRUMPS AMERIKA?

Biden, der als früherer Senator und Ex-Vizepräsident seit Jahrzehnten für eine gemäßigte Linie innerhalb der demokratischen Partei steht, entgegnete auf Twitter: “Wenn Donald Trump heute Abend sagt, Sie würden in Joe Bidens Amerika nicht sicher sein, dann sehen Sie sich um und fragen Sie sich: Wie sicher fühlen Sie sich in Donald Trumps Amerika?”

In keinem anderen Land haben sich so viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert und sind an den Folgen einer Erkrankung gestorben wie in den USA. Gleichzeitig halten die Amerikaner seit Monaten Anti-Rassismus-Proteste im Bann, nachdem im Mai der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz getötet wurde. Wiederholt kam es in zahlreichen Städten zu Ausschreitungen, zuletzt in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin, nachdem dort Polizisten auf den schwarzen Familienvater Jacob Blake geschossen und ihn schwer verletzt hatten. Kritiker werfen Trump vor, wegen seiner skeptischen Haltung zu Schutzmasken und seinen teils obskuren Vorschlägen wie das Spritzen von Bleichmitteln bei der Bekämpfung des Coronavirus versagt sowie mit provozierenden Äußerungen die Wut von Anhängern der Black-Lives-Matter-Bewegung angeheizt zu haben.

TRUMP VERSPRICHT CORONA-IMPFSTOFF VOR JAHRESENDE

Trump, den andere Redner während des insgesamt viertägigen Parteikonvents mehrfach als Wahrer von Recht und Gesetz empfohlen hatten, versprach, “der Gewalt auf unseren Straßen und dem Chaos in unseren Gemeinden” ein Ende zu bereiten. Die Schuld für die Corona-Pandemie gab er einmal mehr China. Seine Regierung “liefere lebensrettende Therapien”, gab er an. “Und wir werden vor Jahresende einen Impfstoff produzieren, vielleicht sogar früher.”

Einmal mehr stilisierte Trump sich zudem als derjenige, der die US-Wirtschaft richten werde. Ganz im Stile seines “America First”-Mottos versprach er dafür zu sorgen, dass Unternehmen und Arbeitsplätze in den USA blieben. Bidens Agenda laute “Made in China”, seine “Made in the USA”. Er drohte, jedes Unternehmen mit Zöllen zu belegen, das die Vereinigten Staaten verlasse, um Arbeitsplätze im Ausland zu schaffen. Im Zuge der Corona-Pandemie ist die US-Konjunktur so stark eingebrochen wie seit mehr als 70 Jahren nicht. Millionen Amerikaner wurden arbeitslos.

Trumps Auftritt stand in krassem Gegensatz zu Biden, der eine Woche zuvor die Nominierung seiner Partei angenommen hatte. Die Rede des Demokraten war aus einem weitgehend leeren Ballsaal übertragen worden. Auf ein Publikum vor Ort hatte Biden angesichts der Corona-Ansteckungsgefahr verzichtet. Trump wählte dagegen den Südrasen vor der Kulisse des Weißen Hauses als Schauplatz für seine Rede - trotz scharfer Kritik, er missbrauche den Amtssitz für parteipolitische Zwecke. Auf die von Gesundheitsexperten empfohlenen Abstandsregeln oder Masken zur Eindämmung des Virus wurde kaum geachtet. Für das Publikum wurden weiße, nur wenige Zentimeter voneinander entfernte Stühle aufgestellt. In einer für das Fernsehen gemachten pompösen Inszenierung riefen die Zuschauer dem einstigen Reality-TV-Star in Sprechchören “U.S.A.” und “Vier weitere Jahre” zu, während vor dem Weißen Haus Demonstranten teilweise so laut hupten, dass es auf dem Gelände zu hören war. Zum Abschluss erleuchtete ein gewaltiges Feuerwerk den Nachthimmel über Washington.

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