December 27, 2018 / 7:06 AM / a month ago

Heftige Kritik im Irak an Trumps Besuch der US-Truppen

Bagdad (Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat die US-Soldaten in Irak besucht und damit scharfe Kritik irakischer Parlamentarier auf sich gezogen.

U.S. President Donald Trump delivers remarks to U.S. troops in an unannounced visit to Al Asad Air Base, Iraq December 26, 2018. REUTERS/Jonathan Ernst

Die Visite fand kurz nach Trumps umstrittenem Befehl zum Abzug der US-Truppen aus Syrien statt. Es war zudem der erste Truppenbesuch des Oberbefehlshabers in einem Konfliktgebiet seit Beginn seiner Präsidentschaft. Ein Treffen mit Iraks Ministerpräsidenten Adel Abdul Mahdi kam nicht zustande.

Mahdis Büro nannte Meinungsverschiedenheiten über die Art des Treffens als Grund. Nach Angaben irakischer Parlamentarier lehnte Mahdi den US-Militärstützpunkt als Ort des Treffens ab. Trumps Sprecherin sagte, ein direktes Gespräch habe aus Sicherheitsgründen und wegen der Kurzfristigkeit des Besuchs nicht stattgefunden. Trump habe aber ein großartiges Telefongespräch mit Mahdi geführt. Dieser habe eine Einladung nach Washington angenommen.

Truppenbesuche des US-Präsidenten in Kriegsgebieten werden vorher nicht angekündigt. Trump sagte, bei dem Besuch in Irak sei er vor allem um die Sicherheit seiner Frau Melania besorgt gewesen, die ihn begleitet hatte. Trumps Besuch in Irak dauerte etwas mehr als drei Stunden. Auf seinem Rückflug machte er für etwa eine Stunde auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz Station.

TRUMP BEGRÜNDET TRUPPENABZUG AUS SYRIEN

Vor US-Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad westlich von Bagdad begründete Trump am Mittwoch noch einmal seine Entscheidung, die Soldaten aus Syrien abzuziehen. Es sei niemals beabsichtigt gewesen, dort eine ständige Militärpräsenz aufrechtzuerhalten. Möglich sei der Abzug durch die Zerschlagung der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) geworden.

Die Entscheidung war von US-Abgeordneten, Senatoren und auch den Verbündeten der USA scharf kritisiert worden. Verteidigungsminister James Mattis brachte seine Kritik an Trumps Entscheidung mit seinem Rücktritt zum Ausdruck.

Insidern zufolge denkt Trump auch über eine deutliche Reduzierung der US-Truppen in Afghanistan nach. Mehr als 5000 der 14.000 US-Soldaten dort könnten in ihre Heimat zurückkehren, hatte ein mit dem Vorhaben vertrauter Regierungsmitarbeiter gesagt.

Trump erklärte im Irak, dass er keinerlei Pläne habe, die US-Soldaten aus diesem Land abzuziehen. Man könne den Irak als Stützpunkt verwenden, falls die “USA etwas in Syrien unternehmen” müssten.

IRAKS POLITIKER KRITISIEREN TRUMP-BESUCH

Auf scharfe Kritik stieß Trumps Überraschungsbesuch bei irakischen Parlamentariern und Militärs. Sabah al-Saadi, der Fraktionschef des Islah-Blocks im Parlament, forderte eine Dringlichkeitssitzung, “um über die unverhohlene Verletzung der irakischen Souveränität zu debattieren”. Diese aggressiven Handlungen Trumps sollten gestoppt werden, erklärte er. Trump müsse seine Grenzen kennen; die US-Besetzung Iraks sei vorüber. Anführer der Islah ist der populistische Schiitenprediger Moktada al-Sadr, der schon lange gegen die Anwesenheit von US-Truppen in Irak kämpft. Er führte zwei Aufstände gegen sie an und ist einer der wenigen schiitischen Führer in Irak, der sich von Iran distanziert.

Auch der Bina-Block, Islahs Rivale im Parlament, lehnte den Trump-Besuch ab. Er sei eine flagrante und eindeutige Verletzung diplomatischer Normen, erklärte die Fraktion, die von dem Milizenchef Hadi al-Amiri angeführt wird. Dieser genießt die Unterstützung Irans.

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