September 27, 2018 / 4:32 PM / 25 days ago

Professorin belastet Trumps Kandidaten - "Angst, er könnte mich töten"

Washington (Reuters) - In der Senatsanhörung wegen des Vorwurfs einer versuchten Vergewaltigung hat die Professorin Christine Blasey Ford ihre Anschuldigungen gegen den Kandidaten von US-Präsident Donald Trump für den Obersten Gerichtshof ausführlich dargelegt.

Christine Blasey Ford testifies before the Senate Judiciary Committee in the Dirksen Senate Office Building on Capitol Hill in Washington, DC, U.S., September 27, 2018. Win McNamee/Pool via REUTERS

Den Tränen nahe und mit zitternder Stimme beschrieb sie am Donnerstag in der live im TV übertragenen Anhörung im Justizausschuss, wie sie als Teenager von dem jetzigen Richterkandidaten Brett Kavanaugh bedrängt worden sei. “Brett hat mich gepackt und versucht, meine Kleider herunterzureißen. Es war nicht leicht für ihn, weil er betrunken war und ich einen einteiligen Badeanzug unter meiner Kleidung trug. Ich habe gedacht, dass er mich vergewaltigen will. Ich habe versucht, um Hilfe zu schreien.”

Kavanaugh habe ihr den Mund zugehalten, ergänzte Blasey Ford. “Das hat mir am meisten Angst gemacht...Ich war schwer für mich, Luft zu holen. Ich habe gedacht, dass Brett mich versehentlich töten könnte.” Sie leide bis heute an Angstzuständen und Klaustrophobie. Am besten in Erinnerung geblieben sei ihr das schallende Gelächter von Kavanaugh und dessen Freund.

Sie habe sich zu der Aussage entschlossen, weil sie es für ihre staatsbürgerliche Pflicht halte, sagte die Psychologieprofessorin. Sie sei sich zu 100 Prozent sicher, dass es Kavanaugh gewesen sei, der sie in der High-School-Zeit angegriffen habe. Sie spreche als unabhängige Person und werde von niemandem instrumentalisiert.

Kavanaugh sollte sich später ebenfalls vor dem Ausschuss äußern. Es wurde erwartet, dass er die Vorwürfe erneut entschieden zurückweist. “Sexuelle Übergriffe sind schrecklich. Es ist moralisch falsch. Es ist illegal. Es widerspricht meinem religiösen Glauben”, hieß es in einer bereits zuvor veröffentlichten Aussage Kavanaughs. Auch zwei andere Frauen haben ihm sexuelle Übergriffe in den 80er Jahren vorgeworfen.

Trump hat Kavanaugh bislang gegen die Vorwürfe verteidigt, signalisierte am Mittwoch aber erstmals, ihm möglicherweise doch die Unterstützung zu entziehen. “Ich werde abwarten, was gesagt wird”, sagte Trump vor Journalisten mit Blick auf die Anhörung. Der Justizausschuss entscheidet, ob über eine Ernennung Kavanaughs im gesamten Senat abgestimmt wird.

An seiner Kandidatur für den Richterposten hält Kavanaugh bislang fest. Die Demokraten forderten Trump dagegen auf, die Nominierung zurückzuziehen oder eine Untersuchung der Vorwürfe durch den FBI einzuleiten.

Die lebenslange Berufung des erzkonservativen Juristen an den Supreme Court schien bis zum Aufkommen der Vorwürfe sicher. Trump sagte, auch er selbst sei schon vielen falschen Anschuldigungen ausgesetzt gewesen. Er warf den Demokraten vor, eine Kampagne gegen Kavanaugh zu inszenieren. Die Republikaner mutmaßen, dass die Demokraten das Berufungsverfahren hinauszögern wollen in der Hoffnung, dass sie Trumps Partei bei der Kongresswahl im November die Senatsmehrheit abnehmen und so eine Ernennung Kavanaughs und damit eine nachhaltig konservative Ausrichtung des Obersten Gerichts verhindern können. Bereits jetzt haben die Republikaner im Senat nur eine hauchdünne Mehrheit.

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