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Kritik an Trump wächst nach Äußerungen zu Gewalt in Virginia
16. August 2017 / 08:24 / in 3 Monaten

Kritik an Trump wächst nach Äußerungen zu Gewalt in Virginia

New York/Berlin (Reuters) - US-Präsident Donald Trump gerät wegen seiner umstrittenen Äußerungen zur Gewalt in Virginia auch international zunehmend in die Kritik.

U.S. President Donald Trump reacts to questions about the violent protests in Charlottesville, Virginia while speaking at his Trump Tower residence in New York, U.S., August 15, 2017. REUTERS/Kevin Lamarque

Die britische Premierministerin Theresa May erklärte am Mittwoch, jeder in einer Führungsposition müsse “rechtsextreme Ansichten verurteilen, wo immer wir sie hören”. UN-Generalsekretär Antonio Guterres schrieb auf Twitter: “Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit vergiften unsere Gesellschaften.” In Deutschland verurteilten Justizminister Heiko Maas und SPD-Chef Martin Schulz Trumps Äußerungen Trumps als Verharmlosung rechter Gewalt. Der Präsident war am Dienstag zu seiner ursprünglichen Erklärung zurückgekehrt, in der er nach den Ausschreitungen bei einem Neonazi-Aufmarsch Gewalt durch Neonazis nicht explizit verurteilte, sondern rechte und linke Extremisten gleichermaßen verantwortlich machte.

Bei dem Aufmarsch am Samstag in Charlottesville fuhr ein mutmaßlicher Rechtsextremist in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete dabei eine Frau. Trump bestand auf einer Pressekonferenz im New Yorker Trump Tower darauf, mit seinen ursprünglichen Schuldzuweisungen richtig gelegen zu haben. “Es gab eine Gruppe auf einer Seite, die böse war, und es gab eine Gruppe auf der anderen Seite, die auch sehr gewalttätig war.” Damit kehrte er zu seinen Äußerungen direkt nach der Tat zurück. Danach distanzierte er sich zwar von den Rechtsextremen, wiederholte dies am Dienstag aber nicht.

Auf Trumps Äußerungen angesprochen sagte May, man dürfe diejenigen, die faschistisches Gedankengut propagierten, nicht mit deren Gegnern gleichsetzen. Vielmehr müsse man rechtsextreme Ansichten verurteilen. Trumps Äußerungen befeuerten in Großbritannien die Debatte, ob die umstrittene Einladung Trumps zu einem Staatsbesuch zurückgenommen werden sollte. Trump habe gezeigt, dass er sich von der extremen Rechten und Rassisten nicht lösen könne, sagte der Chef der oppositionellen Liberaldemokraten, Vince Cable. “Es wäre völlig falsch, diesen Mann zu einem Staatsbesuch im Vereinigten Königreich zu empfangen.”

SCHULZ: VERHARMLOSUNG VON NAZI-GEWALT IST BRANDGEFÄHRLICH

Justizminister Maas erklärte, es sei unerträglich, “wie Trump die Gewalt beim Aufmarsch der rechtsextremen Horde von Charlottesville jetzt auch noch beschönigt”. Wenn es um rechtsradikale Propaganda und Gewalt gehe, gebe es nichts zu relativieren.[nL8N1L21IV] Schulz sagte: “Die Verharmlosung der Nazi-Gewalt durch die wirren Äußerungen von Donald Trump ist brandgefährlich.” Man müsse alles dafür tun, dass es in Deutschland nicht so weit komme, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland laut Vorabbericht. Finanzminister Wolfgang Schäuble wies darauf hin, dass sich auch ein US-Präsident nicht alles erlauben könne. Die Gewaltenteilung funktioniere in den USA immer noch.

GEWERKSCHAFTSCHEF: TRUMP TOLERIERT FANATISMUS

Wegen der Äußerung Trumps verließ ein weiterer Prominenter den Industrierat des Präsidenten. “Wir können nicht in einem Rat für einen Präsidenten vertreten sein, der Fanatismus und inländischen Terrorismus toleriert”, begründete der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO, Richard Trumka, seinen Rückzug aus dem Beratergremium. Der Dachverband vertritt 12,5 Millionen Arbeiter. Bereits der Chef des US-Pharmakonzerns Merck sowie die Vorsitzenden des Chipunternehmens Intel und des Sportartikelherstellers Under Armour hatten ihre Beraterposten aufgegeben.[nL8N1L125F]

Der frühere Chef des Ku-Klux-Klans, David Duke, begrüßte Trumps Äußerungen dagegen. Auf Twitter schrieb er: “Danke, Präsident Trump, für ihre Ehrlichkeit und ihren Mut, die Wahrheit über Charlottesville zu sagen.” Es sei gut, linke Terroristen zu verurteilen. Trump hatte zu den Ausschreitungen gesagt: “Es gab eine Gruppe auf dieser Seite. Man kann sie links nennen ... die hat die andere Gruppe angegriffen. Ihr könnt sagen, was ihr wollt, aber so war es.”

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