August 16, 2018 / 9:33 AM / in a year

Mehr als 300 US-Zeitungen wehren sich gegen Trump-Kritik

A customer walks past the front page of the Boston Globe newspaper referencing their editorial defense of press freedom and a rebuke of President Donald Trump for denouncing some media organizations as enemies of the American people, part of a nationwide editorial effort coordinated by the Boston Globe, at a newsstand in Cambridge, Massachusetts, U.S., August 16, 2018. REUTERS/Brian Snyder

Washington/Los Angeles (Reuters) - In den USA haben sich angesichts der “Fake-News”-Angriffe von Präsident Donald Trump mehr als 300 Zeitungen einem Aufruf zur Verteidigung der Pressefreiheit angeschlossen.

Unter Führung des “Boston Globe” veröffentlichen sie am Donnerstag Leitartikel, in denen sie Trumps Kritik zurückwiesen und frühere Präsidenten wie Thomas Jefferson sowie Prominente zur Bedeutung der Medien zitierten. “Ein zentraler Pfeiler der Politik von Präsident Trump ist ein anhaltender Angriff auf die Pressefreiheit”, hieß es im “Boston Globe”. Trump reagierte mit einem wütenden Tweet, in dem er den Medien erneut vorwarf, “Fake News”, also “gefälschte Nachrichten”, zu verbreiten. Die Aktion der US-Presse löste aber auch in den eigenen Reihen Kritik aus.

Die “New York Times” wies in ihrem Kommentar darauf hin, dass 1787 der spätere Präsident Jefferson erklärt habe, er könne sich eher “Zeitungen ohne einen Staat” als einen “Staat ohne Zeitungen” vorstellen - auch wenn er später im Amt die Medien seiner Zeit kritisiert habe. Die Redaktion des “Boston Globe” wies auf eine Ipsos-Umfrage hin, der zufolge 48 Prozent der Republikaner der Meinung seien, die Nachrichtenmedien seien “der Feind des amerikanischen Volkes”. Trump hatte im Februar 2017 mit einer entsprechenden Formulierung auf Twitter für Empörung in der US-Presse gesorgt.

In seiner Reaktion auf das Vorgehen der Zeitungen stieß Trump wieder in dasselbe Horn: “Die Fake-News-Medien sind die Oppositionspartei”, schrieb er auf Twitter. “Das ist sehr schlecht für unser großartiges Land... Aber wir siegen”. Der Präsident erklärte zudem, er wünsche den USA nichts mehr als wahre Pressefreiheit. Die Medien würden aber viele Falschmeldungen verbreiten, mit denen sie ihre politischen Ziele verfolgten oder einfach nur Menschen verletzen wollten. Eine offizielle Stellungnahme des Präsidialamts blieb zunächst aus.

Im Leitartikel des “Boston Globe” hieß es, in den ersten 558 Tagen seiner Präsidentschaft habe Trump 4229 seinerseits falsche oder irreführende Behauptungen gemacht. Allerdings glaubten nur 17 Prozent der Trump-Anhänger, dass die US-Regierung regelmäßig falsche Behauptungen verbreite: “Die ‘alternativen Fakten’ sind ‘de facto’ geworden”, schrieb die Zeitung. Der “Kansas City Star” verglich Trumps Aussagen zur Presse mit dem Vorgehen des sowjetischen Machthabers Josef Stalin gegen Kritiker.

Die Absprache der Zeitungen fand innerhalb der Medien aber nicht nur Beifall. Der Medienkritiker des Magazins “Politico”, Jack Shafer, erklärte, die konzertierte Aktion liefere Trump neue Munition für seine Anschuldigungen, die Presse habe sich gegen ihn verschworen.

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