October 4, 2013 / 5:50 AM / 6 years ago

Twitter schreibt vor IPO Verlust und wirbt mit Wachstum

San Francisco (Reuters) - Vor seinem Börsengang umwirbt der Kurznachrichtendienst Twitter Anleger mit einem rasanten Wachstum.

An illustration picture shows the log-on icon for the Website Twitter on an Ipad in Bordeaux, Southwestern France, January 30, 2013. REUTERS/Regis Duvignau

So konnte das Unternehmen aus San Francisco im vergangenen Jahr seinen Umsatz verdreifachen, wie aus Unterlagen hervorgeht, die am Donnerstag bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht wurden. Allerdings schreibt das soziale Netz tiefrote Zahlen.

Gelingt der Börsengang, wäre es der größte seit dem IPO von Facebook im vergangenen Jahr. Twitter ist bei vielen Politikern und Stars beliebt, die mit Hilfe der 140 Zeichen langen Nachrichten mit Anhängern und Fans kommunizieren. Zu den prominentesten Nutzern gehören US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus.

Bei dem Börsengang will Twitter den Unterlagen zufolge eine Milliarde Dollar bei Anlegern kassieren. Die Summe ist aber eher als Platzhalter zu verstehen und wird sich während der Werbetour bei Investoren verändern. Sollte es keine Probleme geben, könnte die Twitter-Aktie unter dem Kürzel TWTR ab November an der Börse gehandelt werden. Ob Twitter einen Börsengang an der New York Stock Exchange oder der Nasdaq wagt, war zunächst unklar.

In den Unterlagen verwies Twitter auf sein rasantes Wachstum. Lag der Umsatz im gesamten Jahr 2012 bei 317 Millionen Dollar, waren es im ersten Halbjahr 2013 schon 254 Millionen Dollar. Zugleich stand unter dem Strich ein Fehlbetrag von 69 Milliarden Dollar. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, schrieb Twitter auch in den Jahren 2010 bis 2012 einen Verlust. Die roten Zahlen seien aber kein Thema, sagte der Analyst Brian Wieser von Pivotal Research. “Ein Gewinn wäre eine Überraschung gewesen.”

Das Unternehmen ist nach eigenen Zahlen stark von Werbeeinnahmen abhängig: Sie hatten im ersten Halbjahr 2013 einen Anteil von mehr als 87 Prozent. Obwohl die Zahl der Nutzer ständig steige, seien die Anzeigenpreise in den vergangenen fünf Quartalen gesunken, hieß es. Dies nehme man aber bewusst in Kauf, um langfristig zu wachsen und Werbeanzeigen den ganzen Tag über schalten zu können. Dank dieses Vorgehens seien mehr Anzeigenkunden gewonnen worden, vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sowie internationale Firmen, erklärte Twitter.

Der Konkurrent Facebook, der ebenfalls von Werbeeinnahmen abhängig ist, hatte im vergangenen Jahr mit seinem Börsengang für Aufsehen gesorgt. Viele Investoren waren besorgt, weil das weltgrößte soziale Netz Probleme hatte, Anzeigen zu schalten, wenn sich Mitglieder per Smartphone oder Tablet-PC einloggen. Dies scheint bei Twitter weniger ein Problem zu sein: 65 Prozent der Umsätze stammen nach eigenen Angaben von Nutzern mit mobilen Geräten. Insgesamt waren zwischen April und Juni mehr als 218 Millionen Menschen bei Twitter aktiv. An einem Tag seien es mehr als 100 Millionen.

ERSTE BOTSCHAFT 2006 ABGESETZT

Die erste Twitter-Botschaft setzte im Jahr 2006 Jack Dorsey ab, der den Dienst in San Francisco mitbegründete. Im Arabischen Frühling, beim Tsunami in Japan 2011 und im US-Wahlkampf spielte Twitter eine wichtige Rolle. Auch in Deutschland wird der Dienst beliebter: So nutzte ihn SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für seinen Wahlkampf. Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier oder Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert sind auf Twitter aktiv. Zahlreiche Medien locken mit den Nachrichten auf ihre Webseiten. Nutzer können ihre Botschaften auch mit Fotos und Grafiken versehen. Seit dem vergangenen Jahr gehört der Videodienst Vine zu Twitter, mit dem man bis zu sechs Sekunden lange Aufnahmen posten kann.

Marktforschern zufolge verbringen Twitter-Nutzer in den USA im Durchschnitt 4,2 Stunden in der Woche mit dem Angebot. Bei Facebook sind sieben Stunden.

Der Twitter-Börsengang wird von Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan, Bank of America Merrill Lynch, Allen & Co, Deutsche Bank und Code Advisors begleitet.

- von Gerry Shih

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