July 15, 2011 / 3:05 PM / 7 years ago

Stimmung bei US-Verbrauchern trübt sich stark ein

New York (Reuters) - Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und das Ringen der Politik um die Schuldengrenze in den USA hat das Verbrauchervertrauen einbrechen lassen.

Der entsprechende Index von Thomson Reuters und der Universität Michigan fiel im Juli nach vorläufigen Berechnungen auf 63,8 Punkte von 71,5 Zählern im Vormonat. Das ist das niedrigste Niveau seit März 2009. In der Vergangenheit habe ein derart tiefer Stand des Index eine Rezession signalisiert, sagte Umfrageexperte Richard Curtin. “Die Daten aus einem Monat reichen aber noch nicht aus, um einen Abschwung einzuleiten, besonders dann, wenn eine Einigung der Politik zur Schulden-Obergrenze in letzter Minute das Vertrauen wieder zumindest zum Teil herstellt.”

Republikaner und Demokraten ringen seit längerem um eine Anhebung der Schuldengrenze in den USA. Wenn sie nicht bald eine Einigung erzielen, droht der weltweit größten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit; Renten oder Sozialhilfeleistungen könnten dann nicht mehr bezahlt werden, Ratingagenturen drohen mit drastischen Herabstufungen. Die Positionen der beiden Parteien sind jedoch verhärtet, und bereits mehrere Gesprächsrunden sind ohne Ergebnis zu Ende gegangen. US-Präsident Barack Obama hat nun den Abgeordneten ein Ultimatum bis Samstagmorgen gesetzt, einen Lösungsvorschlag zu unterbreiten. Er braucht die Zustimmung des Kongresses, um die Verschuldungsgrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar anzuheben.

Der Haushaltsstreit hinterlässt Spuren im Verbrauchervertrauen. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer bezeichneten die Wirtschaftspolitik der Regierung als schlecht, im Juni waren es noch lediglich zwei Fünftel. Zudem belastet die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit die Stimmung. Im Juni war die Arbeitslosenrate überraschend sogar gestiegen, außerhalb der Landwirtschaft wurden lediglich 18.000 neue Jobs geschaffen, so wenige wie seit neun Monaten nicht mehr. “Die Bevölkerung bekommt von der Erholung wenig mit”, sagte Patrick O’Keefe von J.H. Cohn. “Der massive Absturz des Verbrauchervertrauens auf ohnehin schon niedrigem Niveau ist kein gutes Omen für die weitere Entwicklung des privaten Verbrauchs”, sagte Postbank-Experte Thilo Heidrich.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Allerdings nimmt die Angst vor stark steigenden Preisen ab. Auf Jahressicht rechnen die Verbraucher mit einer Teuerungsrate von 3,4 Prozent, zuvor waren es 3,8 Prozent. Im Juni verspürten die US-Amerikaner dagegen noch kaum Erleichterung bei den Lebenshaltungskosten: Zum Vormonat fielen die Verbraucherpreise zwar um 0,2 Prozent. Doch verharrte die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahr bei 3,6 Prozent. Laut Heidrich ist vorerst keine Entspannung an der Preisfront in Sicht: “Der Rückgang im Vormonatsvergleich läutet unseres Erachtens keine Trendwende bei der Preisentwicklung ein. Vielmehr zeigen die Daten, dass sich ein stabiler, breit angelegter Aufwärtstrend bei den Verbraucherpreisen entwickelt hat.”

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