March 25, 2018 / 10:22 AM / 8 months ago

US-Schüler mobilisieren Hunderttausende für Waffenkontrolle

Washington (Reuters) - Die Überlebenden des Schulmassakers von Florida haben mit ihrem Kampf für schärfere Waffengesetze die größten Jugendproteste in den USA seit Jahrzehnten ausgelöst.

Participants march in Washington. REUTERS/Leah Millis

Hunderttausende junge Amerikaner und ihre Unterstützer kamen am Samstag unter dem Motto “March for our Lives” (“Marsch für unsere Leben”) zu Kundgebungen im ganzen Land zusammen. Bei der größten Demonstration in Washington gab es besonders bewegende Szenen. So las die Schülerin Emma Gonzalez die Namen ihrer 17 getöteten Mitschüler vor und schwieg dann minutenlang. Insgesamt dauerte ihr Auftritt sechs Minuten und 20 Sekunden - exakt die Zeit des Amoklaufs in ihrer High School vor knapp sechs Wochen. Wie gespalten die amerikanische Gesellschaft über das Waffenrecht ist, zeigten aber auch Gegendemonstrationen in mehreren Städten.

“Niemals wieder”, riefen die Demonstranten und forderten ein Verbot von Waffen, wie sie der 19-jährige Täter am Valentinstag in Parkland in Florida genutzt hatte. Die Schüler verlangen ein völliges Verbot von Sturmgewehren in den Händen von Zivilisten und eine Heraufsetzung des Alters bei Waffenkäufen auf 21 Jahre. Die Teenager sagten auch der mächtigen US-Waffenlobby NRA den Kampf an. “Hey, hey, NRA, wie viele Kinder hast Du heute schon getötet?”, skandierten sie.

Die Organisatoren hatten weltweit zu über 800 Demonstrationen aufgerufen. Fotos von Solidaritätskundgebungen in aller Welt wurden in den sozialen Netzwerken verbreitet. Auch in mehreren deutschen Städten wie Berlin und München gab es Demonstrationen.

OBAMA, CLOONEY UND MCCARTNEY ZEIGEN SICH SOLIDARISCH

Ex-Präsident Barack Obama zeigte sich beeindruckt davon, wie die jungen Leute die Kundgebungen organisierten. “Bleibt dran, Ihr bringt uns voran”, twitterte er. Niemand könne Millionen Stimmen zum Schweigen bringen, die Veränderung verlangten.

Die Jugendlichen erhielten auch Unterstützung anderer Prominenter. So spendeten ihnen der Schauspieler George Clooney und seine Frau, die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, 500.000 Dollar. In New York mischte sich Ex-Beatle Paul McCartney unter die Demonstranten. Ihn gehe die Waffenkontrolle persönlich an, sagte er. Ganz in der Nähe sei schließlich einer seiner besten Freunde erschossen worden. Er bezog sich auf John Lennon, der 1980 vor seinem Haus am Central Park niedergeschossen worden war.

In Rom nahm Papst Franziskus zwar nicht direkt Bezug zu den Demonstrationen. In seiner Predigt am Palmsonntag ermutigte er allerdings junge Menschen explizit, sich weiter Gehör zu verschaffen und sich nicht von älteren Generationen zum Schweigen bringen zu lassen.

Große Kundgebungen fanden in zahlreichen US-Metropolen von Boston über Chicago bis nach Los Angeles statt. Doch auch in ländlicheren Gegenden wie in den Bundesstaaten Idaho und Utah, wo die Wählerschaft den eher waffenfreundlichen Republikanern zuneigt, wurde demonstriert. Aktivisten registrierten im ganzen Land Tausende Erstwähler für die in acht Monaten anstehenden Kongresswahlen.

US-Präsident Donald Trump ließ erklären, er begrüße es, dass so viele junge Amerikaner bei von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machten. Die Sicherheit der Kinder habe für ihn oberste Priorität. Trump hatte am Freitag ein Gesetz unterzeichnet, das Hilfen für Schulen im Kampf gegen Waffengewalt sowie etwas schärfere Überprüfungen potenzieller Waffenkäufer vorsieht. Das US-Justizministerium will zudem Schnellfeuervorrichtungen für Gewehre verbieten. Bei Gegenprotesten hielten die Unterstützer der geltenden Waffengesetze Schilder mit Aufschriften wie “Hände weg von meinen Waffen” in die Höhe. Sie berufen sich darauf, dass das Recht auf Waffenbesitz in der US-Verfassung verankert ist.

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