March 4, 2020 / 7:03 AM / 24 days ago

Biden am "Super Tuesday" überraschend stark - Zweikampf mit Sanders

Washington (Reuters) - Die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten verengt sich auf ein Duell zwischen Joe Biden und Bernie Sanders.

Democratic U.S. presidential candidate and former Vice President Joe Biden addresses supporters as his wife Jill applauds at his Super Tuesday night rally in Los Angeles, California, U.S., March 3, 2020. REUTERS/Kyle Grillot

Die beiden schnitten am wichtigsten Vorwahl-Tag “Super Tuesday” mit Abstand am besten ab. Vor allem der fast schon abgeschriebene Ex-Vizepräsident Biden startete durch. Der 77-Jährige, der für das moderate Lager steht, feierte überraschend wichtige Siege in neun der 14 Bundesstaaten, in denen am Dienstag gewählt wurde. Doch auch der bisherige Spitzenreiter Sanders vom linken Parteiflügel fuhr Erfolge ein. Der Kampf verschärft sich damit immer mehr auch zum Richtungsstreit: Wollen die Demokraten die USA nach links rücken oder versuchen sie, mit einem Kandidaten der Mitte den Republikaner Donald Trump bei der Präsidentenwahl im November aus dem Weißen Haus zu drängen? Der Milliardär Michael Bloomberg stieg am Mittwoch aus dem Rennen aus, nachdem der “Super Tuesday” für ihn enttäuschend verlief. Er will nun Biden unterstützen.

“Für alle, die umgehauen, ausgezählt und zurückgelassen wurden: Das ist eure Kampagne”, rief Biden jubelnden Anhängern in Los Angeles zu. “Wir sind noch sehr lebendig.” Lange war er als Favorit gehandelt worden, schnitt dann aber überraschend schwach bei den ersten Vorwahlen ab. Erst am Samstag gelang ihm in South Carolina im vierten Anlauf das Comeback. Daraufhin stiegen Pete Buttigieg und Amy Klobuchar, seine direkten Rivalen im Buhlen um moderate Wähler, aus und empfahlen ihren Anhängern, Biden zu wählen.

Das zahlte sich aus. Biden siegte nicht nur wie erwartet in Südstaaten wie Alabama, Arkansas und Tennessee, sondern überraschend auch in Massachusetts, Minnesota und im Schlüsselstaat Texas, wo er in Umfragen zurückgelegen hatte. Unter dem Strich sammelte er Hochrechnungen zufolge am “Super Tuesday” die meisten der Delegierten ein. Diese nominieren nach dem landesweiten Vorwahlmarathon dann im Sommer auf einem Parteitag Trumps Herausforderer.

BIDEN PUNKTET BEI SCHWARZEN UND FRAUEN

Biden, der acht Jahre Stellvertreter des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama war, gelang die Wende dank seiner Beliebtheit bei afroamerikanischen Wählern. Auch bei Älteren, wohlhabenden Vorstädtern und Frauen kam er vielerorts besser an als Sanders.

Der 78-Jährige, der vor allem bei jüngeren Wählern Euphorie auslöst, gab sich dennoch siegessicher. “Wir werden die Nominierung der Demokraten gewinnen, und wir werden den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte dieses Landes besiegen”, sagte er in Vermont. Sanders holte dort sowie in Colorado und Utah die meisten Stimmen. Außerdem steuerte er in Kalifornien auf einen symbolisch wichtigen Sieg zu. Der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat stellt die meisten Delegierten. Sanders weiß hier die am schnellsten wachsende Minderheit der Latinos hinter sich, die eine wichtige Säule der demokratischen Anhängerschaft bilden. Insgesamt ging es am Dienstag auf einen Schlag um mehr als ein Drittel der 3979 Delegiertenstimmen.

Biden argumentiert, ein Kandidat Sanders mit aus US-Sicht teils radikal linken Positionen könnte viele Wähler verprellen und Trumps Arme treiben. Er empfiehlt sich dagegen als der Bewerber, der das nach vier Jahren Trump tief gespaltene Land über Parteigräben hinweg wieder einen kann. Ideen, wie den von Sanders geforderten Ausbau der allgemeinen Krankenversicherung, hält er für finanziell nicht umsetzbar.

Sanders schürt dagegen Hoffnungen, dass die USA nach Trump einen echten Wandel hin zu einer gerechteren Gesellschaft einleiten. Der selbst ernannte “demokratische Sozialist” wirbt für kostenlose Universitäten, Mindestlöhne und will Steuern so erhöhen, das es besonders Reiche trifft. Sollte der Wall-Street-Kritiker Kandidat werden und gegen Trump gewinnen, dürfte das an den Börsen für Unruhe sorgen.

Wann eine Entscheidung in dem Zweikampf fällt, ist derzeit nicht absehbar. Biden ist zwar nach dem “Super Tuesday” wieder obenauf. Aber Sanders hat schon einmal bewiesen, wie zäh er ist: 2016 bot er - damals noch als klarer Außenseiter - Hillary Clinton monatelang die Stirn. Seine Niederlage räumte er erst kurz vor dem Nominierungsparteitag ein. Die Demokraten kürten dann Clinton, die aber anschließend gegen Trump verlor.

Der Milliardär Bloomberg konnte am Dienstag nur im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa einen Sieg verbuchen. Der Ex-Bürgermeister von New York hatte die ersten Vorwahlen ausgelassen und sich ganz auf den “Super Tuesday” konzentriert. Dazu steckte er 500 Millionen Dollar in Wahlwerbung. Am Mittwoch warf er das Handtuch und will Biden nun unterstützen. “Ich werde dafür arbeiten, ihn zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten zu machen”, erklärte er.

Auch für die linke Senatorin Elizabeth Warren verlief der Dienstag enttäuschend. Sie schaffte es nicht einmal, in ihrem Heimatstaat Massachusetts vor Biden und Sanders zu landen. Ein Berater aus ihrem Team erklärte am Mittwoch, Warren überdenke nun ihre weiteren Schritte.

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