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Weltnachrichten

US-Wahl wird zur Hängepartie - Trump reklamiert Sieg für sich

Washington (Reuters) - Die US-Präsidentenwahl droht zu einer Hängepartie mit gerichtlichem Nachspiel zu werden. Bis zum Mittwochnachmittag (MEZ) standen die Ergebnisse in einer Reihe von umkämpfen Staaten wie Wisconsin, Pennsylvania und Michigan noch aus.

Margaret Keyser wearing a protective face shield fills out her ballot, following an outbreak of the coronavirus disease (COVID-19), at a polling site in Bethany, Oklahoma U.S., November 3, 2020. REUTERS/Nick Oxford

Obwohl sich in diesen sogenannten Swing States vielerorts ein äußerst enges Rennen abzeichnete, erklärte sich der amtierende Präsident Donald Trump bereits zum Wahlsieger. “Die Ergebnisse heute Nacht waren phänomenal”, sagte er vor Anhängern in Washington. “Ehrlich gesagt, haben wir gewonnen.” Zugleich kündigte Trump an, notfalls den Obersten Gerichtshof einzuschalten. Sein Herausforderer Joe Biden von den Demokraten, äußerte sich zuversichtlich, die Wahl für sich zu entscheiden. Er hatte in Umfragen bereits wie der sichere Sieger ausgesehen, muss nun um einen Wahlerfolg aber zittern.

Die Hängepartie führte zu Turbulenzen an Europas Börsen. Nach schwachem Auftakt lag der Dax in Frankfurt aber rund ein Prozent im Plus. Am US-Aktienmarkt legten die großen Indizes im frühen Handel bis zu drei Prozent zu. Von einer zweiten Amtszeit Trumps würden vor allem die Technologiewerte profitieren, sagten Analysten.

Trump schürte mit seinen Äußerungen die Sorgen vor einer langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzung, die das Land in eine Verfassungskrise stürzen könnte. Befürchtet werden auch Unruhen und eine noch tiefere Spaltung eines Landes, das bereits schwer erschüttert ist durch die Coronavirus-Pandemie, die damit einhergehende Wirtschaftskrise und monatelange Anti-Rassismus-Proteste.

In den Staaten Nevada, Georgia, North Carolina, Michigan, Wisconsin, Arizona und Pennsylvania stand noch kein Ergebnis fest. In Wisconsin hatte Biden nach Zwischenergebnissen knapp die Nase vorn. Auch in Nevada führte er, doch werden dort Ergebnisse nicht vor Donnerstag erwartet. In Michigan waren Trump und Biden fast gleichauf. In Georgia und North Carolina führte der amtierende US-Präsident, während sich Biden Hoffnung auf einen Sieg in Arizona machten durfte. Pennsylvania kommt mit seinen 20 Wahlleuten womöglich entscheidende Bedeutung im Rennen um das Weiße Haus zu.

PENNSYLVANIA IM FOKUS

Bis zum Nachmittag hatte Trump nach offiziellen Zählungen 213 Wahlleute auf sich vereinigen können und Biden 224. Für den Wahlsieg braucht ein Kandidat mindestens 270. Bei den Buchmachern war zuletzt Biden der Favorit: Der britische Online-Wettanbieter Smarkets taxierte die Chancen auf einen Sieg des Demokraten auf 78 Prozent.

Die US-Wahl stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise. Es war eine Abstimmung, wie es sie so in der Geschichte der USA noch nicht gegeben hat. Mehr als 100 Millionen Amerikaner stimmten schon im Vorfeld ab. Trump ist die Briefwahl ein Dorn im Auge, mehrfach hat er vor Unregelmäßigkeiten gewarnt. Umfragen zufolge machen vor allem Anhänger der Demokraten davon Gebrauch, während Republikaner bevorzugt am Wahltag selbst ihre Stimme abgeben.

Ein knapper Wahlausgang könnte letztlich die Gerichte beschäftigen, die über die Zählung und Wertung von Stimmen entscheiden müssten - so wie im Jahr 2000, als es um die Auszählung im Swing State Florida ging. Die Obersten Richter stoppten letztlich die Auszählung.

Der 74-jährige Trump konnte Florida und Ohio für sich entscheiden und gewann auch in Texas, wo Biden vor der Wahl durchaus Chancen zugestanden worden waren. Nachwahlbefragungen in Florida zufolge konnte Trump vor allem bei der rasant wachsenden und damit immer wichtiger werdenden Wählergruppe der Latinos im Vergleich zu 2016 Boden gutmachen.

In der Regel werden alle Wahlleute eines Bundesstaats dem Kandidaten zugeteilt, der dort am besten abschneidet. So kann es kommen, dass der erfolgreiche Kandidat zwar die meisten Wahlleute hinter sich vereinen kann, aber nicht landesweit die meisten Stimmen. Zuletzt war dies 2016 der Fall, als Trump die Demokratin Clinton besiegte, obwohl er drei Millionen Wählerstimmen weniger bekam.

Bei den gleichzeitig ausgetragenen Kongresswahlen konnten die Demokraten Hochrechnungen zufolge ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen. Im Senat blieb die Sitzverteilung zunächst noch unklar. Im Vorfeld konnten sich die Demokraten Hoffnung machen, hier die Kontrolle zu übernehmen, allerdings müssen sie den Republikanern dafür mindestens drei Sitze abjagen. Dies zeichnete sich zunächst aber nicht ab. Gewählt wurde das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel der 100 Senatoren.

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