February 12, 2020 / 11:43 AM / 5 days ago

Sanders gewinnt New Hampshire - US-Demokraten gespalten

A supporter holds up a sign and a U.S. flag as Democratic U.S. presidential candidate and former South Bend Mayor Pete Buttigieg speaks at his New Hampshire primary night rally in Nashua, N.H., U.S., February 11, 2020. REUTERS/Eric Thayer

- von John Whitesides und Amanda Becker

Manchester/Nashua (Reuters) - Der knappe Sieg von Bernie Sanders bei der Vorwahl in New Hampshire hat die tiefe Spaltung der US-Demokraten zementiert.

Zwar kann der selbsternannte demokratische Sozialist sich nun als führender Präsidentschaftsbewerber des linken Flügels darstellen. Unklar blieb jedoch nach dem schwachen Abschneiden des früheren Vize-Präsidenten Joe Biden am Dienstag, wer die gemäßigte Strömung anführen könnte. Biden wird diese Rolle zunehmend von Pete Buttigieg streitig gemacht, der in New Hampshire knapp hinter Sanders auf Platz zwei landete. Der Richtungsstreit belastet die Partei bei ihrem Versuch zunehmend, dem republikanischen Amtsinhaber Donald Trump am 3. November eine zweite Amtszeit zu verwehren. Mit Spannung wird nun der Super Tuesday Anfang März erwartet, bei dem in mehreren großen Bundesstaaten abgestimmt wird. Dann nimmt auch erstmals der Milliardär Michael Bloomberg teil.

“Dieser Sieg ist der Anfang vom Ende von Donald Trump”, rief Sanders seinen Anhängern in Manchester zu. Der 78-jährige Senator erhielt nach den zunächst vorliegenden Ergebnissen allerdings nur 26 Prozent der Stimmen, ein deutlicher Rückgang zu den 60 Prozent bei der Vorwahl 2016. An zweiter Stelle mit 25 Prozent lag der gemäßigte Demokrat Buttigieg. Der 38-Jährige frühere Bürgermeister hatte die erste Vorwahl in Iowa knapp vor Sanders gewonnen. Die gemäßigte Senatorin Amy Klobuchar kam in New Hampshire auf 20 Prozent, ihre linke Kollegin Elizabeth Warren auf neun und Biden auf acht Prozent. Zwei Demokraten, Andrew Yang und Michael Bennet, gaben auf. Trump gewann bei den Republikanern erwartungsgemäß mit großem Abstand.

EXPERTE: BEGINNENDE PANIK BEI GEMÄSSIGTEN DEMOKRATEN

Die Demokraten streiten seit Monaten über den grundsätzlichen politischen Ansatz. Der linke, “progressive” Flügel wird von Sanders und Warren vertreten. Sie machen sich für höhere Steuern für Reiche, die Abschaffung privater Krankenversicherungen zugunsten eines staatlichen Systems und einer strengeren Kontrolle von Konzernen und der Finanzbranche stark. Ihre gemäßigten Parteikollegen wie Buttigieg, Klobuchar und Biden halten dies für zu radikal und befürchten, damit im November wichtige Wähler des Zentrums abzuschrecken. Die Vorstellung von Sanders als Präsidentschaftskandidaten lasse beim demokratischen Establishment inzwischen “eine gewisse Panik aufkommen”, sagte der demokratische Berater Joel Payne.

Allerdings waren die zwei ersten Vorwahlen untypisch für die USA als Ganzes. Iowa und New Hampshire sind ländliche Staaten mit mehr als 90 Prozent weißer Bevölkerung und jeweils weniger Einwohnern als Berlin. Sie stellen zusammen 65 der 3979 Delegierten, die den Kandidaten bestimmen werden. Als nächstes steht am 22. Februar die Urwahl in Nevada an, wo knapp ein Drittel der Bevölkerung Hispanics sind. Die Vorwahl in South Carolina am 29. Februar dürfte dann zeigen, wer die für die Demokraten wichtige Wählergruppe der Afroamerikaner hinter sich bringen kann. Sie machen dort etwas mehr als ein Viertel der Bevölkerung aus. Während Biden sich Hoffnungen auf ein starkes Abschneiden machen kann, haben weder Buttigieg noch Klobuchar bislang die schwarze Wählerschaft überzeugen können.

Der große Unbekannte bei der Vorwahl ist Bloomberg, der den Gemäßigten zugerechnet wird. Der ehemalige Bürgermeister von New York lässt die ersten vier Abstimmungen aus und steigt am Super Tuesday am 3. März ein. Der Gründer der gleichnamigen Finanzagentur - einem Konkurrenten der Nachrichtenagentur Reuters - hat bislang mehr als 250 Millionen Dollar im Wahlkampf ausgegeben.

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