September 20, 2012 / 2:08 PM / 7 years ago

Romney verliert nach Wähler-Beschimpfung an Ansehen

Washington (Reuters) - Nach seinen abfälligen Äußerungen über Anhänger von Präsident Barack Obama rutscht der Kandidat der Republikaner, Mitt Romney, in der Gunst der Wähler ab.

U.S. Republican presidential nominee and former Massachusetts Governor Mitt Romney leaves the stage after speaking at a campaign fundraising event in Atlanta, Georgia, September 19, 2012. REUTERS/Jim Young (UNITED STATES - Tags: POLITICS ELECTIONS)

Knapp sieben Wochen vor der Wahl verlor Romney in der jüngsten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos bei 43 Prozent der Befragten an Ansehen. Würde jetzt gewählt, käme Obama auf 48 Prozent der Stimmen, fünf Punkte mehr als sein Herausforderer. Gleichzeitig erntete Romney auch in den eigenen Reihen zunehmend kritische Töne. Mehrere Senatoren distanzierten sich offen von den Kommentaren des Multimillionärs, die mit versteckter Kamera bei einer Spendengala aufgezeichnet worden waren.

Romney hatte Obamas Anhänger - immerhin fast die Hälfte der amerikanischen Wähler - über einen Kamm geschert und gesagt, sie sähen sich als Opfer, die sich ganz auf die Hilfe des Staats verließen. Es sei nicht seine Aufgabe, sich um diese “47 Prozent” zu kümmern, tönte er im exklusiven Kreise wohlhabender Unterstützer. Das linksliberale US-Magazin “Mother Jones” hatte das vermutlich im Mai heimlich aufgezeichnete Video Anfang der Woche ins Internet gestellt. Seitdem geht es für Romneys Kampagne um vor allem eines: Schadensbegrenzung.

“Mein Wahlkampf dreht sich um die 100 Prozent in Amerika und ich sorge mich um sie”, versuchte er am Mittwoch (Ortszeit) in einem Interview mit dem spanischsprachigen Fernsehsender Univision in Miami seine Äußerungen gerade zu rücken. “Ich mache mir Sorgen, dass in den vergangenen vier Jahren das Leben für die Amerikaner härter geworden ist.” Mehr Menschen seien unter Obama in die Armut abgerutscht und auch die Zahl derer, die auf Lebensmittelmarken angewiesen seien, sei gestiegen. Auf einer Spendenveranstaltung in Atlanta sagte er mit emotionsgeladener Stimme: “Die Frage in diesem Wahlkampf ist nicht, wer sich um die Armen und die Mittelschicht sorgt. Ich tue es, er tut es”. Vielmehr gehe es darum, wer den Armen und der Mittelschicht helfen könne. “Ich kann es, er kann es nicht. Und das hat er in vier Jahren bewiesen”, sagte der Ex-Hedgefonds-Chef.

Die Republikaner setzen darauf, dass die Wähler Romney als denjenigen sehen, der im Kampf gegen Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit wegen seiner Erfahrung als Unternehmer als der bessere Bewerber rüberkommt. Doch bislang gelang es Romneys Stab nicht, diese Themen als Schwerpunkte im Wahlkampf dauerhaft zu setzen. Stattdessen legte die Kampagne sich wiederholt selbst Stolpersteine in den Weg. So grassieren seit einiger Zeit Berichte, wonach es hinter den Kulissen im Romney-Lager alles andere als harmonisch und koordiniert zugehen soll.

ROMNEY BLEIBEN NOCH EINEINHALB MONATE

Unter den Republikanern mache sich immer mehr das Gefühl breit, dass “Romney dieses Ding entgleitet”, schrieb die “Wall Street Journal”-Mitarbeiterin Peggy Noonan in einem Blog. “Es ist an der Zeit einzugestehen, dass die Romney-Kampagne unfähig ist.”

Zwar sprangen Romney auch einige Parteifreunde unterstützend zur Seite, wie etwa der 2008 gegen Obama unterlegene Senator John McCain. Doch nach der Veröffentlichung des Spendengala-Videos fürchten offenbar tatsächlich immer mehr Republikaner, dass dies ein Fehltritt zu viel gewesen könnte. Darunter dürften einige Republikaner sein, die bei den zeitgleich mit der Präsidentenwahl am 6. November stattfindenden Kongresswahlen um ihren Wiedereinzug ins Kapitol bangen müssen.

Senator Dean Heller aus Nevada sagte, er stimme nicht mit Romneys Äußerungen überein. Viele Arbeiterfamilien, wie seine eigene, hätten hart dafür gearbeitet, es auf eigene Faust zu schaffen und ihre Rechnungen zu bezahlen. “Wir sollten über das Schaffen von Arbeitsplätzen reden und nicht über 47 Prozent, die keine Steuern zahlen oder vielleicht auf irgendeine Art von Unterstützung angewiesen sind.” Ein hochrangiger republikanischer Berater im Kongress sagte: “Es gibt zwei Dinge, die man in der Politik nicht sein darf: korrupt oder abgehoben. Das hier baut auf dem Thema auf, dass er nicht weiß, wie es dem leidenden Amerika geht.”

In der Reuters-Umfrage sagten fast 60 Prozent der Befragten, Romneys Äußerungen seien eine unfaire Herabsetzung eines großen Teils der Amerikaner. 26 Prozent gaben aber auch an, jetzt eine höhere Meinung von Romney zu haben. “Solche Dinge haben einen Einfluss auf das Image des Kandidaten”, sagte Ipsos-Meinungsforscherin Julia Clark. Wahlentscheidend werde das Video aber nicht sein.

Gut eineinhalb Monate bleiben Romney noch, seine stotternde Kampagne wieder in Gang zu bringen. Sein Wahlkampfstab kündigte für die kommenden Tage verstärkte Auftritte in Bundesstaaten an, wo der Wahlausgang als ungewiss gilt, etwa Florida und Ohio.

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