October 30, 2012 / 10:49 AM / 7 years ago

Sturm "Sandy" legt New York lahm - Schwere Schäden

New York (Reuters) - Der Wirbelsturm “Sandy” ist mit voller Wucht über die Ostküste der USA gefegt und hat Teile der Millionenstadt New York mit einer mehr als vier Meter hohen Flutwelle überschwemmt.

A deluge of water floods the Battery Tunnel in Manhattan as Hurricane Sandy made its approach in New York October 29, 2012. Hurricane Sandy is shaping up to be one of the biggest storms ever to hit the United States but even with the severe damage that is expected, the blow to the economy is seen as short-term. REUTERS/Andrew Kelly (UNITED STATES - Tags: ENVIRONMENT DISASTER TPX IMAGES OF THE DAY)

Die Wassermassen fluteten U-Bahnschächte und Straßentunnel, in weiten Teilen der Stadt herrschte in der Nacht zum Dienstag wegen Stromausfällen Dunkelheit. Das öffentliche Leben kam in der Region zum Erliegen. Die New Yorker Aktienbörsen sollten auch am Dienstag geschlossen bleiben. Behörden und Medienberichten zufolge kamen wegen des heftigen Sturmes in den gesamten USA mindestens 13 Menschen ums Leben. Das Unwetter wütete in einem riesigen Gebiet von South Carolina bis zur kanadischen Grenze im Norden.

“Sandy” traf am Montagabend (Ortszeit) mit großer Kraft nahe des Ferienortes Atlantic City in New Jersey auf die Küste. Meteorologen maßen Windgeschwindigkeiten von 145 Kilometern in der Stunde. “Das ist ein Sturm, der hoffentlich nur einmal im Leben kommt”, sagte der Meteorologe Jeffrey Tongue. Die Stadt New York hatte besonderes Pech, weil dort das gewöhnliche Gezeitenhochwasser mit der Flutwelle des Sturms und dem besonders starken Wind zusammentraf.

An der Südspitze Manhattans in der Nähe der Wall Street stiegen Behörden zufolge die Wassermassen um vier Meter an. Bei Hurrikan “Donna” im Jahr 1960 waren es drei Meter. Überflutet waren mehrere Straßen in der Nähe von Ground Zero, wo bis zu den Anschlägen vom 11. September 2011 das World Trade Center stand. An der New Yorker Aktienbörse gab es nach Angaben der Betreiberin NYSE Euronext keine Schäden, die den Handel beeinträchtigen könnten.

Der Nahverkehr kam bereits am Montag zum Erliegen. Die Verkehrsbehörde MTA erklärte, es könne bis zu vier Tage dauern, bis überflutete Tunnel wieder trockengelegt seien. “Das ist die größte Herausforderung für unsere Angestellten seit 108 Jahren”, erklärte MTA-Chef Joseph Lhota.

New York wirkte wie ausgestorben: Auch Brücken waren unpassierbar, Busse fuhren nicht, und Flughäfen waren geschlossen. Betroffen waren auch zahlreiche Verbindungen nach Europa. Allein in Frankfurt wurden von und nach New York oder Washington 21 Flüge gestrichen.

Im Stadtteil Breezy Point im Bezirk Queens kämpften mehr als 170 Feuerwehrleute gegen einen Brand, der über 50 Häuser zerstörte. Das Krankenhaus der New York University musste evakuiert werden, weil Notstromaggregate versagten. In Manhattan stürzte auf einer Baustelle eines Wohnhochhauses ein riesiger Kran teilweise ein. Wegen des starken Windes befürchteten die Behörden den kompletten Zusammenbruch und brachten Anwohner in Sicherheit.

Aus der Millionenstadt wurden zwei Todesopfer gemeldet: Ein Mann wurde von einem Baum erschlagen, und eine Frau erlitt einen Stromschlag. Todesopfer gab es Medienberichten zufolge unter anderem auch in Maryland, Connecticut, New Jersey, Pennsylvania und West Virginia. In der kanadischen Großstadt Toronto wurde eine Frau von Trümmerteilen erschlagen. Auf dem Weg von “Sandy” durch die Karibik waren bereits 66 Menschen ums Leben gekommen.

ALARM IN ATOMKRAFTWERK

Wegen des Sturmes mussten am Dienstag insgesamt 6,8 Millionen Menschen ohne Strom ausharren. In New York etwa fielen viele Bäume auf Stromleitungen. Zudem hatte der Energieversorger Con Edison mit Wasser zu kämpfen, das unterirdische Systeme lahmlegte. Hunderttausende waren allein in der Stadt von Stromausfällen betroffen.

Im Atomkraftwerk Oyster Creek in New Jersey wurde nach Behördenangaben wegen des Hochwassers Alarm ausgelöst. Sollte das Wasser weiter steigen, könnte das Kraftwerk gezwungen sein, Notwasserreserven für die Kühlung von abgebrannten Brennstäben zu nutzen, teilte die Atomaufsichtsbehörde mit.

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima kam es im vergangenen Jahr zu einer Nuklearkatastrophe, weil nach einem Tsunami die Kühlsysteme in der Anlage versagten. Bei dem Alarm in New Jersey handelt es sich nach Behördenangaben aber um die zweitniedrigste von insgesamt vier Warnstufen. Das Kraftwerk wird vom Energieversorger Exelon betrieben.

Wegen seiner Ausdehnung über Hunderte von Kilometern ist “Sandy” einer der größten Wirbelstürme, die jemals in den USA registriert wurden. Betroffen waren auch die Großstädte Baltimore, Philadelphia und Washington. In den Appalachen - einem Mittelgebirge weiter im Landesinnern - setzten heftige Schneefälle ein. “Sandy” zog am Dienstag weiter in Richtung Westen.

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