March 19, 2009 / 5:35 AM / 10 years ago

Fed pumpt eine Billion Dollar in US-Wirtschaft

Washington/Frankfurt (Reuters) - Die US-Notenbank pumpt im Kampf gegen die schwerste Rezession seit Jahrzehnten rund eine Billion Dollar in die Wirtschaft.

Morning commuters drive past the Federal Reserve Bank building in Washington March 18, 2009. REUTERS/Jonathan Ernst

Wie die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mitteilte, will sie ab Ende kommender Woche langlaufende Staatsanleihen im Volumen von bis zu 300 Milliarden Dollar ankaufen. Darüber hinaus sollen bereits laufende Programme zum Ankauf hypothekenbesicherter Anleihen um bis zu 750 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt - dabei handelt es sich zum größten Teil durch die Finanz- und Immobilienkrise in den den USA praktisch wertlos gewordene Schrottpapiere.

Finanziert werden die Ankäufe, durch die weitere Milliarden Dollar zur Stützung der Kreditmärkte aufgebracht werden, durch die Notenpresse. Das Handelsteam der New Yorker Fed teilte mit, dass Anleihen mit zwei bis zehn Jahren Laufzeit gekauft werden sollen. Die Ratingagentur Moody’s erklärte, die neuen Schritte der Fed hätten keinen Einfluss auf die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten am internationalen Kapitalmarkt.

Fed-Chef Ben Bernanke begründete den Beschluss damit, dass sich die wirtschaftliche Lage in den USA seit dem letzten Treffen der Notenbanker im Januar weiter verschlechtert habe. Die Fed werde in dieser Situation alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, “um die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben und Preisstabilität zu gewährleisten”. Die eingeleiteten Schritte würden einer “schrittweisen Wideraufnahme des Wachstums” nch sich ziehen, erklärte Bernanke. Den nach aggressiven Zinssenkungen im vergangenen Jahr praktisch bedeutungslos gewordenen Leitzins beließ der für die Geldpolitik der Federal Reserve zuständige Offenmarktausschuss wie an den Finanzmärkten erwartet beim bisherigen Zielband zwischen null und 0,25 Prozent. Dort werde er auch eine längere Zeit bleiben, erklärte Bernanke.

TREASURIES HAUSSIEREN

Am Anleihenmarkt sorgte die Ankündigung der Notenbank für massive Kursgewinne, der Dollar fiel dagegen zum Euro zurück. Der Dow-Jones-Index drehte nach der Fed-Entscheidung deutlich ins Plus. Bernanke hatte bereits im Dezember die Möglichkeit angedeutet, dass die Fed Staatsanleihen kaufen könnte. Die Fed ist bereits seit Monaten dabei, immer wieder Liquidität in die verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddy Mac zu schießen. Außerdem hat sie ein Programm (TALF) aufgelegt, mit dem die Fed direkt die Kreditbedingungen für kleine und mittlere Firmen, Studenten und Autofahrer verbessern will. TALF ist eine Billion Dollar schwer.

Die Mehrzahl der US-Analysten zeigten sich wenig überrascht von den neuen Schritten der Notenbank. Es sei gesetzt gewesen, dass die Fed auch Staatsanleihen kaufen und die Notenpresse richtig anwerfen werde, sagte Dan Fuss von der Finanzberatung Loomis Sayles in Boston. “Sie haben seit einiger Zeit klar gemacht, dass sie Staatspapiere kaufen werden. Und sie haben immer angedeutet, dass sie das machen werden, wenn die Renditen hochgehen. Das war jetzt der Fall.”

Fed-Experte Kristian Toedtmann von der Deka-Bank sagte zu Reuters in Frankfurt: “Wichtig sind die Größenordnungen der einzelnen Maßnahmen. Mit dem Ankauf von Treasuries im Wert von 300 Milliarden Dollar erreicht die Fed in etwa wieder das Volumen an Staatsanleihen in ihrer Bilanz wie vor der Kreditkrise. Um einiges bedeutender sind dagegen der Kauf von weiteren hypothekenbesicherten Anleihen und die in Kürze beginnende TALF. Der Umfang dieser Maßnahmen wird den Bestand an Staatsanleihen bei der Fed schon bald um ein Vielfaches Übersteigen.”

FED FOLGT ANDEREN ZENTRALBANKEN

Vor der Fed hatte bereits die britische Notenbank mit dem Ankauf von Staatstiteln begonnen, um die heimische Wirtschaft mit Geld zu fluten. Die Bank von Japan kündigte am Mittwoch die Ausweitung ihres laufenden Ankaufprogramms für Bonds auf umgerechnet knapp 220 Milliarden Euro an. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wird mittlerweile über den Kauf von Commercial Papers diskutiert. Im Gegensatz zu den anderen Notenbanken hat die EZB aber noch Spielraum beim Leitzins. Dieser steht seit Anfang März bei 1,5 Prozent und dürfte schon bald auf ein Prozent fallen.

Die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, steckt in einer schweren Rezession. Alleine im vierten Quartal vergangenen Jahres schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit einer Jahresrate von 6,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 8,1 Prozent fast 4,5 Millionen Amerikaner haben ihren Job verloren.

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