February 5, 2009 / 6:28 PM / 10 years ago

Merkel begrüßt Vatikan-Aufforderung an Holocaust-Leugner

Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Aufforderung des Vatikans an den Holocaust-Leugner Richard Williamson zur Widerrufung seiner Äußerungen begrüßt.

Dies sei ein “wichtiges und gutes Signal”, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Dies mache deutlich, dass die Leugnung des Holocausts niemals ohne Folgen im Raum stehen bleiben könne. “Nur ohne Antisemitismus kann überhaupt ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen gelingen”, sagte die CDU-Chefin.

Merkel war damit bemüht, die Auseinandersetzung mit dem Vatikan nicht weiter anzuheizen. Zu Wochenbeginn hatte sie Papst Benedikt XVI. wegen der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners zu einer Klarstellung aufgefordert und dies damit begründet, dass es sich um ein genuin politisches Thema handele. Laut Medienberichten löste sie mit ihrer Einlassung im Vatikan Verärgerung aus. Auch einige deutsche Bischöfe verbaten sich die Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten. In Teilen der CSU wurde Merkel ebenfalls ein unzulässiges Eingreifen vorgeworfen.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, forderte vom Papst den Ausschluss der Pius-Bruderschaft aus der katholischen Kirche. “Im Vatikan muss man sich entscheiden, will man eine Partnerschaft mit einer solchen fanatischen, faschistischen Gruppe oder den Dialog mit dem Judentum”, sagte Graumann im Deutschlandfunk. Beides zusammen werde sehr schwer möglich sein.

Die Pius-Bruderschaft distanzierte sich derweil von den Äußerungen ihres Mitglieds Williamson. Trotz seiner Leugnung des Holocausts könne er aber Glaubensbruder bleiben, sagte der Distriktobere der deutschen Pius-Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger, im Südwestrundfunk: “So lange er die katholischen Dogmen anerkennt, ja natürlich.” Die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe durch Papst Benedikt XVI. sei folgerichtig. “Es ist dringend notwendig, denn der Glaube ist sehr, sehr verwässert und wir leben in einer neuheidnischen Gesellschaft”, zitiert der Sender den Pater.

Graumann bezeichnete die Pius-Bruderschaft als “Gruppe von intoleranten Fanatikern”. Ihr Weltbild sei “tief reaktionär, antisemitisch, fundamentalistisch und fanatisch”. Noch im September habe die Gemeinschaft die Juden als “ewige Gottesmörder” bezeichnet. Der Aufruf des Papstes an Williamson sei “gutwillig, aber halbherzig”. Da der Bischof seit 20 Jahren die Thesen der Holocaust-Leugnung vertrete, wäre ein Widerruf unglaubwürdig. Der Vatikan müsse weitere Schritte folgen lassen. “Von einem deutschen Papst hätten wir uns viel mehr Fingerspitzengefühl erhofft”, fügte Graumann hinzu.

Die Rehabilitierung Williamsons und drei weiterer ultrakonservativer Bischöfe hatte weltweit einen Proteststurm ausgelöst.

KRITIK AN MERKEL AUS DER CSU

Der CSU-Parlamentarier Norbert Geis nannte das Agieren der Kanzlerin in dieser Frage “nicht sehr glücklich”. So hätte sie auch sagen können, dass sie keinen Zweifel an der klaren Position Benedikts zur Frage des Holocausts habe, sagte er im Deutschlandfunk. “Meiner Meinung nach hat Frau Merkel einen Fehler gemacht und ich hoffe, dass sie diesen Fehler so schnell als möglich korrigiert”. Auch Pius-Pater Schmidberger griff Merkel an: “Sie ist ja auch nicht katholisch und eigentlich ist das nicht ihre Angelegenheit.” Das Internationale Auschwitz Komitee, dem Überlebende des Konzentrationslagers angehören, begrüßte Merkels Äußerungen dagegen als menschliche Zuwendung gegenüber den Opfern.

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