November 22, 2010 / 1:23 PM / 9 years ago

WHO und Aids-Hilfe begrüßen Papst-Äußerungen zu Kondomen

Pope Benedict XVI attends the Consistory ceremony in Saint Peter's Basilica at the Vatican November 20, 2010. REUTERS/Tony Gentile

Berlin (Reuters) - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Abwendung des Papstes vom strikten Kondom-Verbot als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung begrüßt.

“Das ist ein guter Anfang”, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Montag in Berlin. Sie habe das Dokument des Papstes aber noch nicht gelesen, fügte sie hinzu. Der Papst erlaubt in seinem neuen Buch in Einzelfällen den Gebrauch von Kondomen zur Verhinderung von Aids. Damit leitet er einen grundlegenden Meinungswechsel zum Gebrauch von Verhütungsmitteln im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit ein.

Auch die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) fasste die Äußerungen des Papstes positiv auf. “Erstmals gestattet die Katholische Kirche ihren Gläubigen den Gebrauch von Kondomen zur HIV-Prävention”, sagte DAH-Vorstandsmitglied Tino Henn. Dies sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen HIV und Aids. Das FDP-Präsidium begrüßte nach Angaben von Generalsekretär Christian Lindner die Papst-Kommentare ebenfalls. Aus humanitärer Perspektive betrachtet, handele es sich um eine wichtige Veränderung der Haltung der katholischen Kirche. “Wir haben das sehr begrüßt.”

Hilfsgruppen und liberale Katholiken in aller Welt hatten zuvor von einem Durchbruch gesprochen. Dieser Schritt erkenne an, dass ein verantwortungsbewusstes Sexualverhalten und der Gebrauch von Kondomen eine wichtige Rolle bei der HIV-Prävention spielen, sagte der Exekutivdirektor des Programms der Vereinten Nationen gegen Aids (UNAIDS), Michel Sidibe. Die liberale US-Organisation “Catholics for Choice” erklärte: “Es ist ein wunderbarer Sieg für den gesunden Menschenverstand und die Vernunft.”

Zwar haben schon vor dem Papst führende katholische Geistliche von der Nutzung von Kondomen zur Verhinderung von HIV und Aids gesprochen. Jedoch hat sich vor Benedikt noch nie ein Papst derart öffentlich geäußert. Im vergangenen Jahr war das Kirchenoberhaupt heftig in die Kritik geraten, als er auf einer Afrika-Reise sagte, das Problem Aids könne nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. “Im Gegenteil, dies verstärkt nur das Problem”, hatte er damals erklärt.

Die Deutsche Aids-Hilfe hofft, dass Benedikts jetzige Äußerungen erst der Anfang sind “hin zu einer zeitgemäßen Haltung für eine selbstbestimmte Sexualität und wirksame Verhütung vor ungewollten Schwangerschaften und vor sexuell übertragbaren Krankheiten allgemein.” DAH-Vorstandsmitglied Henn appellierte an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sich beim Papst für den uneingeschränkten Gebrauch von Kondomen einzusetzen.

Das neue Buch des Papstes basiert auf Interviews, die der deutsche Journalist Peter Seewald mit dem Kirchenoberhaupt in der päpstlichen Sommerresidenz führte. Benedikt bezeichnet Kondome darin auch als nicht “wirkliche und moralische Lösung”. Zugleich machte er klar, dass das Thema Geburtenkontrolle außen vor bleibt.

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