August 20, 2019 / 5:13 AM / in a month

Allianz-Studie - Mehr Qualitätsmängel bei großen Bauprojekten

A worker of German construction company Hochtief walks passed a sign that reads " Kepp off construction zone" at a construction site in Essen, western Germany March 8, 2016. REUTERS/Wolfgang Rattay

München (Reuters) - Defekte Produkte und Qualitätsmängel sind nach einer Studie der Allianz die wichtigsten Gründe für die steigende Zahl von Schäden bei großen Bauprojekten in Deutschland.

22 Prozent der Schadenfälle und sogar 30 Prozent der Schadensumme entfallen auf kaputte Bauteile und Qualitätsmängel, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse der Allianz-Industriesparte AGCS hervorgeht. So habe fehlerhaftes Schweißen einige größere Schäden im Kraftwerksbau verursacht. Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) hat weltweit 13.600 Versicherungsfälle der vergangenen fünf Jahre analysiert, davon gut 2500 bei deutschen Kunden.

“Wir sehen eine Zunahme an Schäden im Zusammenhang mit Mängeln und unzureichender Qualitätskontrolle auf breiter Front”, sagt Martin Eckel, globaler Schadenregulierer bei AGCS. Dazu komme, dass am Bau von Flughäfen oder Kraftwerken heute in der Regel Firmen aus der ganzen Welt beteiligt seien. Bis eine defekte Turbine aus China repariert sei, könne es gut und gerne 18 Monate dauern. Der Brandschutz ist in Deutschland besser organisiert. Während Feuer und Explosionen weltweit 27 Prozent der gemeldeten Schäden bei Großprojekten ausmachen, sind es bei deutschen Auftraggebern nur fünf Prozent.

Die Risiken für die Versicherungsbranche wachsen, weil die Projekte selbst immer größer werden und länger dauern. “Infolge dessen sind die Versicherungssummen jetzt viel größer”, sagt Robert Maurer, der bei AGCS in Zentral- und Osteuropa für den Bau zuständig ist. “Projekte mit einem Wert von vier bis neun Milliarden Euro sind keine Seltenheit, Schäden in dreistelliger Millionenhöhe sind deshalb nicht auszuschließen.” 2018 wurde ein Damm für ein Wasserkraftwerk in Kolumbien im Bau überschwemmt - für die Versicherungsbranche war das mit umgerechnet rund 1,25 Milliarden Euro einer der größten Bauschäden der Geschichte. Je länger sich ein Bauprojekt hinzieht, desto öfter durchkreuzten politische Risiken wie Sanktionen oder Handelskriege die Pläne, erklärte AGCS.

Auch die Schadensummen durch eine verzögerte Inbetriebnahme der Projekte steigen dadurch. Bis zu 500.000 Euro pro Tag seien es heute, vor zehn Jahren waren es 200.000 Euro. Im Extremfall machten Kunden bis zu 1,8 Milliarden Euro Schäden geltend, weil etwa ein Flughafen später in Betrieb geht als geplant.

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