March 19, 2020 / 6:55 AM / 17 days ago

Afrika rüstet sich für Ausbreitung des Coronavirus

Xaounde/Dakar (Reuters) - Mit Epidemien hat Afrika Erfahrung. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus kann der Kontinent deshalb auf Lehren aus der Ebola-Epidemie zurückgreifen.

Dr. Chikwe Ihekweazu, the Director General of the Nigeria Centre for Disease Control (NCDC) has his temperature checked during a diplomatic meeting at the Ministry of Foreign Affairs in Abuja, Nigeria March 12, 2020. REUTERS/Afolabi Sotunde

Als am Samstag ein Passagier aus Brüssel am internationalen Flughafen von Kameruns Hauptstadt Jaunde mit Fieber landete, wurde er nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Nu in ein Krankenhaus gebracht. Keine vier Stunden später wurde bei ihm der vierte Fall des Coronavirus im Lande diagnostiziert. Schon lange bevor in China das neue Virus ausbracht, screente das zentralafrikanische Land Menschen allgemein auf Krankheiten. Zusammen mit anderen Ländern auf dem Kontinent hofft Kamerun, dass seine Kenntnisse aus der Abwehr gegen Ebola und andere Epidemien bei der Bewältigung der Corona-Pandemie helfen werden. Denn sie könnte die armen afrikanischen Länder schnell an ihre Grenzen bringen.

“Wir haben Fälle, die in Frankreich und Italien nicht erfasst wurden, aber hier festgestellt wurden”, sagte Georges Alain Etoundi Mballa, der das Epidemie-Team des Gesundheitsministeriums in Kamerun leitet, der Nachrichtenagentur Reuters. Das Screening beschreibt er als “Spionage-Netzwerk”. “Epidemien kommen und gehen, aber wir überwachen sie weiter.” Das Virus, das sich gerade rasant in Europa ausbreitet, ist in inzwischen in mindestens 27 von 49 Ländern in der Region Subsahara angelangt. Bislang handelt es sich in der Regel um Einzelfälle, die eher von außerhalb eingeschleppt wurden, vor allem aus Europa. Für den Kontinent steht aber viel auf dem Spiel. Wenn das Virus in die ärmsten Regionen Afrikas gelangt, in denen oft schmutzige, beengte Verhältnisse herrschen, könnte es sich dort blitzschnell ausbreiten.

AFRIKA STEHT VOR IMMENSER HERAUSFORDERUNG

Länder, in denen bislang keine Infektionen registriert wurden, haben bereits Maßnahmen ergriffen. Malis Regierung etwa erklärte am Dienstag, dass kommerzielle Flüge aus Ländern mit dem Virus ausgesetzt werden, während Niger internationale Flüge einstellt und die Landgrenzen ab Donnerstag für zwei Wochen schließt, wie Präsident Mahamadou Issoufou sagte. Afrikas bevölkerungsreichstes Land Nigeria, in dem es bereits Krankheitsfälle gibt, verbietet ab Freitag die Einreise von 13 der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder, darunter die USA, Großbritannien, Deutschland und China. Die Behörden überprüfen die Temperatur aller Personen, die an den nigerianischen Flughäfen, Häfen und Landgrenzen ankommen.

Liberia hat mehr als 200 Personen als Gesundheitshelfer ausgebildet. “Wir waren eines der ersten Länder, die am 25. Januar mit einem verbesserten Screening am Flughafen begonnen haben”, sagte Mosoka P. Fallah, der amtierende Generaldirektor des National Public Health Institut von Liberia. “Bei Verdacht auf eine Krankheit wird eine Probe an ein Labor geschickt und getestet.” Zahlreiche weitere Länder haben den Reiseverkehr eingeschränkt, die Überwachungen erweitert und Quarantänemaßnahmen eingeleitet. Denn Krankenhäuser in ganz Afrika sind bereits mit Fällen von Masern, Malaria und anderen tödlichen Infektionskrankheiten überlastet, und die Konflikte auf dem Kontinent haben Hunderttausende Menschen vertrieben und die Infrastruktur zerstört.

An Ebola starben zwischen 2013 und 2016 in Westafrika mehr als 11.000 Menschen, vorwiegend in Guinea, Liberia und Sierra Leone. Die Epidemie zerstörte ganze Gemeinden, lieferte aber auch hilfreiche Erkenntnisse. Das afrikanische Zentrum für die Kontrolle und Vorbeugung von Krankheiten (CDC) arbeitete mit der Weltgesundheitsorganisation WHO zusammen, um die Notfallkoordinierung zu stärken, Tests und Überwachungen zu stärken sowie Behandlungszentren auszustatten. Die Anzahl der Länder mit Laboren, in denen Covid-19 diagnostiziert werden kann, stieg innerhalb eines Monats von zwei auf 39.

Eine weitgehende Ausbreitung des Coronavirus in Afrika hätte für den Kontinent verheerende Folgen. Quarantäne in den eigenen vier Wänden ist in vielen Gegenden, wo ganze Familien zusammengepfercht in einem Raum leben, gemeinsame Wasserhähne und Latrinen nutzen und von der Hand in den Mund leben, nicht praktikabel. “Afrika sollte sich auf eine ernsthafte Herausforderung einstellen”, sagte der Leiter des afrikanischen Zentrums für die Kontrolle und Vorbeugung von Krankheiten, John Nkengasong, bereits in der vergangenen Woche. “Ich glaube immer noch, dass eine Eindämmung möglich ist, aber nur mit umfangreichen Tests und Überwachung.”

FLIESSENDES WASSER UND SEIFE SIND OFT MANGELWARE

An manchen Orten ist das aber ein Ding der Unmöglichkeit. Im Südsudan, der von einem fünfjährigen Bürgerkrieg gezeichnet ist, gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums nur 24 Isolationsbetten. Die Bevölkerung wird dort zum Händewaschen aufgerufen, aber viele der zwölf Millionen Einwohner des armen ostafrikanischen Landes können sich keine Seife leisten und haben keinen Zugang zu fließendem Wasser. Laut einer Umfrage der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2017 verfügt weniger als die Hälfte der Bevölkerung in 34 afrikanischen Ländern über grundlegende Einrichtungen zum Händewaschen in ihren Häusern.

Das Gesundheitsministerium in Burkina Faso erklärte in der vergangenen Woche, dass dem Land die Ressourcen im Umgang mit dem Coronavirus fehlten. Das westafrikanische Land wird von dschihadistischen Gruppen, die mit dem Islamischen Staat und Al-Qaida verbunden sind, belagert. Die Grenzübergänge von Burkina Faso hätten keine Stützpunkte, an denen Verdachtsfälle eingegrenzt werden könnten, und das Land verfüge nicht über genügend qualifiziertes Gesundheitspersonal, hieß es in dem Bericht. “Dies kann zu hohen Sterblichkeitsraten und einem erhöhten Risiko der Ausbreitung der Krankheit führen.”

In der senegalesischen Hauptstadt Dakar ertönen Ansagen über Lautsprecher aus vorbeifahrenden Autos, die die Menschen zum Händewaschen auffordern. Aber in der benachbarten Stadt Pikine, wo mehr als eine Million Menschen leben, gibt es häufig Unterbrechungen in der Wasserversorgung. “Sauberkeit ist wichtig, aber hier ist es nicht einfach”, sagte Marcelle Diatta, eine Mutter von vier Kinder, die zusammen mit vier weiteren Familienmitgliedern in einer Zweizimmerwohnung lebt.

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