March 26, 2020 / 10:07 AM / 4 months ago

Banken prüfen wegen Corona-Krise erstmals Kurzarbeit

- von Patricia Uhlig und Hans Seidenstuecker und Tom Sims

The headquarters of Germany's Deutsche Bank are photographed in Frankfurt, Germany, July 8, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - In der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten denken auch die deutschen Geldhäuser über Kurzarbeit nach.

Bei der Deutschen Bank werde geprüft, ob und wo diese Maßnahme sinnvoll sein könne, erklärte das größte deutsche Geldhaus am Donnerstag gegenüber Reuters. Aktuell gebe es keine Kurzarbeit innerhalb des Instituts, auf der operativen Ebene werde aber ein solches Szenario vorbereitet. Auch Volks- und Raiffeisenbanken ziehen die Maßnahme in Betracht, wie eine Sprecherin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) sagte. “Dort, wo es sich nicht vermeiden lässt, gehen Genossenschaftsbanken diesen Schritt, um Arbeitsplätze zu erhalten.”

Für die Finanzbranche wäre das ein Novum. “Kurzarbeit ist für Banken etwas völlig Neues und Unbekanntes. Mir sind jedenfalls in meiner 35-jährigen Berufserfahrung keine Fälle bekannt”, sagte Stephan Szukalski, Bundesvorsitzender der Bankgewerkschaft DBV. Einige Genossenschaftsbanken hätten schon Anträge auf Kurzarbeit gestellt, Großbanken könnten nachziehen. Kurzarbeit wird in der Regel von Firmen wie Autoherstellern oder Maschinenbauern genutzt, um einen wirtschaftlichen Abschwung zu überstehen, ohne Fachkräfte gleich entlassen zu müssen. Die Bundesregierung hat die Möglichkeiten für Kurzarbeit wegen der Corona-Krise kürzlich ausgeweitet.

Der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes erklärte, bislang gebe es nach seinen Kenntnissen noch keine Kurzarbeit bei den deutschen Banken. “Selbstverständlich müssen sich die Unternehmen darauf vorbereiten, dass in bestimmten Bereichen auch Kurzarbeit notwendig werden könnte”, sagte ein Sprecher. Bankenexperte Jan Duschek von der Gewerkschaft Verdi erläuterte, die Schließung von Filialen in Folge der Corona-Krise sei keine Voraussetzung für die Beantragung von Kurzarbeit. Es gebe schon in den Tarifverträgen sowie in innerbetrieblichen Regelungen Möglichkeiten, um Schwankungen von Arbeitsvolumen zu managen und Beschäftigung zu sichern.

Insidern zufolge geht es bei möglichen Zwangsurlauben bei den Banken auch nicht um zehntausende Mitarbeiter wie etwa bei Volkswagen, Fraport oder Lufthansa. Betroffen seien nur vereinzelte Bereiche der Institute etwa im Privatkundengeschäft, der Sachbearbeitung, Marketing oder in den Filialen. “Bisher ist Kurzarbeit rein hypothetisch, aber sollte der Druck durch die Corona-Krise noch länger anhalten, will man vorbereitet sein”, sagte eine mit der Sache vertraute Person. So würden intern Betriebsvereinbarungen geändert oder angepasst, um im Notfall schnell reagieren zu können.

BEI FIRMENKUNDENBERATERN LAUFEN DIE DRÄHTE HEISS

Die Deutsche Bank und die Commerzbank stecken beide derzeit mitten im Konzernumbau und streichen tausende Jobs. Das kostet sie viel Geld, alleine die Deutsche Bank hat dafür mehr als sieben Milliarden Euro veranschlagt. Bleiben nun wegen der Corona-Krise noch längere Zeit Filialen geschlossen oder liegt das Geschäft in manchen Geschäftsbereichen brach, erhöht das den Druck auf die Kosten noch mehr. Mit Kurzarbeiterregelungen können Kosten gespart werden, da die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns übernimmt.

Die Situation für die deutschen Geschäftsbanken ist zur Zeit zwiegespalten. In den Firmenkundenabteilungen laufen die Drähte heiß, weil tausende Unternehmen wegen der Corona-Krise KfW-Hilfskredite über ihre Hausbanken beantragen. Zum anderen werden Filialen geschlossen, weil Menschen nicht mehr aus den Häusern gehen oder Bankmitarbeiter an dem Virus erkrankt sind. “Wir sehen einen riesigen Beratungsbedarf unser Kunden. Daher stellt sich die Frage nach Kurzarbeit aktuell nicht”, sagte Michael Mandel, Privatkundenvorstand bei der Commerzbank, zu Reuters. Teilweise versuchten die Banken Mitarbeiter aus dem Privatkundengeschäft bei der Firmenkundenberatung einzusetzen, sagte Szukalski. Oft sei dies aber kurzfristig nicht möglich.

Bei der HypovereinsBank (HVB) hieß es, alle Mitarbeiter seien im vollen Einsatz und Kurzarbeit sei kein Thema. Die UniCredit-Tochter hat inzwischen nur noch rund ein Drittel ihrer deutschlandweit 337 Filialen offen. Die Deutsche Bank schloss mehr als 200 ihrer gut 500 Standorte, plant darüber hinaus zunächst keine weiteren Schließungen. Die Commerzbank dünnte ihr Filialnetz um rund 160 Niederlassungen aus. Die Mitarbeiter beraten verstärkt über Telefon- oder Videogespräche. Selbstbedienungszonen bei den Banken sind weiterhin geöffnet.

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