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Unternehmensnachrichten

Die Fußball-Welt schaut auf die Bundesliga - im TV

Soccer Football - Borussia Dortmund - Signal Iduna Park, Dortmund, Germany - May 5, 2020 A general view inside Signal Iduna Park following the outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) REUTERS/Erol Dogrudogan

München (Reuters) - Wer die “Geisterspiele” der Fußball-Bundesliga im Bezahlsender Sky verfolgt, muss trotz der fehlenden Zuschauer in den Stadien nicht auf Torjubel und Pfiffe Tausender Fans verzichten.

Der Pay-TV-Sender bietet seinen Zuschauern zum Neustart der Liga von Samstag an die Option “Stadion-Atmosphäre” an, bei der - passend zum Spielgeschehen - Geräusche von Fans aus der Konserve eingespielt werden, wie ein Sky-Sprecher am Donnerstag sagte. Im Ausland reicht schon die Tatsache, dass inmitten der Coronakrise überhaupt wieder gekickt wird, um der Bundesliga einen nie gekannten Stellenwert zu geben. In Frankreich wurde die Saison bereits beendet. Ob und wann es in England, Spanien und Italien weitergeht, ist offen.

Sportsender und Streaming-Anbieter, deren Zuschauer nach Live-Fußball lechzen, haben bereits reagiert. In Großbritannien zeigt der Rechteinhaber BT Sport bis zum Ende der Saison alle neun Bundesliga-Spiele pro Wochenende live. Bisher war der klassische 15.30-Uhr-Termin in der Bundesliga für Übertragungen dort tabu - aus Rücksicht auf die einheimischen Klubs. Auch in Skandinavien laufen alle Bundesliga-Spiele live im Streaming-Dienst “Viaplay” von NENT, ausgewählte überdies im Pay-TV. “Wir wissen, wie stark der Hunger auf Live-Sport ist”, sagt ein NENT-Sprecher. “Deshalb freuen wir uns, unseren Zuschauern wieder hochklassigen Live-Fußball zeigen zu können.” Zuletzt wurde nur in Ländern wie Weißrussland oder Tadschikistan gespielt, die auf der Fußball-Landkarte kaum eine Rolle spielen.

“KEIN ZUSÄTZLICHES GESCHÄFT”

Zusätzliche Einnahmen kann die Deutsche Fußball-Liga (DFL) aus der größeren Nachfrage aber nicht erwarten. “Wir freuen uns über die zusätzlichen Spielbuchungen unserer Medienpartner und mehr Sichtbarkeit für die Bundesliga weltweit”, sagt eine DFL-Sprecherin. “Doch daraus in Zeiten von Corona ein zusätzliches Geschäft zu machen, wäre nicht angemessen.” Knapp 300 Millionen Euro nimmt die DFL aus der Auslandsvermarktung pro Jahr ein - ein Bruchteil von dem, was etwa die Premier League erlöst. Viel Spielraum besteht ohnehin nicht: Die meisten Fernsehpartner, die es in praktisch jedem Land der Welt gibt, schöpfen einfach ihre bestehenden Übertragungsrechte stärker aus.

Auch in Deutschland gibt es mehr Fußball im Fernsehen: Sky zeigt die beliebte “Bundesliga-Konferenz” mit Live-Schaltungen zwischen den parallel ausgetragenen Spielen an diesem und am nächsten Wochenende kostenlos für alle - auch aus Rücksicht auf die Politik. Dort wurde befürchtet, dass sich Fans angesichts geschlossener Fußball-Kneipen in den Wohnzimmern befreundeter Sky-Nutzer treffen könnten - kontraproduktiv bei der Bekämpfung des Virus.

Die ausstehenden Fernsehgelder von Sky, ARD, ZDF und anderen Fernsehsendern waren für die Bundesliga die stärkste Motivation, die Zwangspause in der Corona-Pandemie so schnell wie möglich zu beenden. Sie ist die erste der wichtigen europäischen Fußball-Ligen, die den Spielbetrieb mit “Geisterspielen” im Stadion wieder aufnimmt. Damit ist ihr die Aufmerksamkeit auch außerhalb Deutschlands sicher, wo sie sonst im Schatten der spanischen und der englischen Liga steht. Doch in Großbritannien und Spanien sind Verbände und Politik längst nicht so weit, so dass es für mindestens drei Wochen Live-Fußball praktisch nur aus deutschen Stadien gibt.

Im Inland hat die DFL den Sendern sogar Rabatt eingeräumt, wenn sie einen Teil der vereinbarten Raten noch vor dem Neustart der Bundesliga zahlten. Insgesamt geht es um knapp 300 Millionen Euro, ohne die gut einem Drittel der 36 Erst- und Zweitligisten in den nächsten Monaten die Pleite drohen würde. Nur einer will sich nicht darauf einlassen, wie es in Branchenkreisen heißt: die zum US-Medienkonzern Discovery gehörende Eurosport, die sich vor drei Jahren für 80 Millionen Euro im Jahr die Live-Rechte an den Freitagsspielen gesichert hatte, sie aber - mit rund 30 Millionen Euro Verlust - an die Streaming-Plattform DAZN weitergereicht hat. Die Zwangspause nutzte Eurosport zu einer außerordentlichen Kündigung - jetzt geht es vors Schiedsgericht.

Für die Auktion der deutschen Fernsehrechte für die vier Spielzeiten von 2021 bis 2025, die am 8. Juni - mitten in der Geisterspiel-Zeit - beginnen soll, dürfte Eurosport damit als Teilnehmer ausfallen. Ein höherer internationaler Stellenwert könnte der Bundesliga dabei helfen. Allerdings hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert die Vereine schon vor der Coronakrise darauf vorbereitet, dass diesmal wohl keine großen Preissprünge zu erwarten seien.

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