March 17, 2020 / 1:20 PM / 16 days ago

EU will Corona-Forschungsunternehmen vor Übernahmen schützen

Employee Philipp Hoffmann, of German biopharmaceutical company CureVac, demonstrates research workflow on a vaccine for the coronavirus (COVID-19) disease at a laboratory in Tuebingen, Germany, March 12, 2020. Picture taken on March 12, 2020. REUTERS/Andreas Gebert

Brüssel/Frankfurt (Reuters) - Die Übernahmespekulationen um den deutschen Impfstoffentwickler CureVac rufen in der Corona-Krise die Europäische Union auf den Plan.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollten am Dienstag per Videokonferenz beraten, wie eine feindlichen Übernahme europäischer Unternehmen, die bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus vorne mit dabei sind, verhindert werden kann. Insbesondere sollte besprochen werden, “was gegen feindliche Übernahmen von US-Unternehmen im Forschungsbereich getan werden kann”, sagte ein Diplomat. Dabei würden auch zusätzliche Mittel für die Unternehmen im Kampf gegen das Coronavirus in Betracht gezogen. CureVac bestritt unterdessen, dass es aus den USA Übernahmeavancen für die Firma gibt.

Die EU-Kommission hatte dem Tübinger Unternehmen am Montag einen Kredit von bis zu 80 Millionen Euro angeboten, um CureVac bei der Entwicklung seines Corona-Impfstoffes zu unterstützen. “Ich bin stolz darauf, dass wir führende Unternehmen wie CureVac in der EU haben. Ihr Zuhause ist hier”, hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesagt. Bei der Videokonferenz gehe es aber nicht nur um CureVac, sagte ein EU-Beamter zu Reuters. “Viele andere Unternehmen sind besorgt.”

Am Wochenende hatte ein Zeitungsbericht für Wirbel gesorgt, dass US-Präsident Donald Trump einen hohen Betrag angeboten habe, um Wissenschaftler von CureVac nach Amerika zu locken oder den Impfstoff der Firma exklusiv für sein Land zu sichern. Innenminister Horst Seehofer hatte allerdings bestätigt, dass es ein amerikanisches Interesse an der Firma gegeben habe. Der Hauptinvestor von CureVac, SAP-Gründer Dietmar Hopp, sagte am Montag dem Sportsender “Sport1”, er habe persönlich nicht mit Trump gesprochen. “Er hat mit der Firma gesprochen und man hat mir das dann sofort gesagt und gefragt, was ich davon halte und ich wusste sofort, dass das nicht infrage kommt”, wurde Hopp, der über seine Holding dievini über 80 Prozent an dem Unternehmen hält, von “Sport1” zitiert. Hopp war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Vorstand von CureVac betonte indes in einer Telefonkonferenz am Dienstag, es gebe keine Übernahmeofferte aus den USA, weder für die Technologie noch für das Unternehmen oder seine Produktionskapazitäten. Auch seien keine Wissenschaftler von CureVac in die USA gelockt worden, sagte Interimschef Franz-Werner Haas. Seinen Impfstoff gegen das Coronavirus will CureVac Anfang des Sommers in die klinische Erprobung am Menschen bringen. Mit dem Kredit von der Europäischen Union könne das Unternehmen seine Kapazität deutlich ausweiten und seine Forschung und Entwicklung vorantreiben.

Anfang März hatte sich der damalige CureVac-Vorstandschef Daniel Menichella auf Einladung des Weißen Hauses mit US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident Mike Pence, Mitgliedern der Coronavirus-Task-Force sowie anderen Pharma- und Biotechmanagern getroffen. “Wir waren das einzige deutsche Unternehmen an dem Tisch”, berichtete Haas. Dass Menichella rund eine Woche danach vom Unternehmensgründer und bisherigen Aufsichtsratschef Ingmar Hoerr als Vorstandschef ersetzt wurde, stehe nicht mit dem Treffen in Zusammenhang, betonte Haas. Es sei eine entscheidende, kritische Phase für CureVac, weshalb Hoerr wieder das Ruder übernommen habe. Die Einladung ins Weiße Haus sei sehr kurzfristig erfolgt. Auf Hoerr muss CureVac nun aber aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmte Zeit verzichten. Das habe aber nichts mit dem Coronavirus zu tun, betonte der bisherige Vizechef Haas, der so lange das Ruder übernimmt.

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