March 20, 2020 / 5:32 PM / 9 days ago

Hunderttausende Europäer hoffen auf Rückholung aus dem Ausland

A flight information board displays cancelled flights, at Zaventem International Airport near Brussels, after Belgium imposed a lockdown to slow down the spread of the coronavirus disease (COVID-19), Belgium, March 19, 2020. REUTERS/Francois Lenoir

Berlin/Brüssel (Reuters) - Durch die Virus-Krise sind im Ausland Hunderttausende Europäer gestrandet, die nun für die Rückkehr auf die Hilfe ihrer Regierungen hoffen.

Allein beim Auswärtigen Amt haben sich 144.000 Deutsche in Listen für einen Rückreisewunsch eingetragen, wie eine Sprecherin am Freitag in Berlin sagte. Man versuche mit Hochdruck, die Menschen zurückzuholen. Seit Montag habe man bereits mit mehr als 100 Flügen 96.000 Personen nach Deutschland gebracht - entweder mit Fluggesellschaften, über Reiseveranstalter oder mit Chartermaschinen. Laut dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell hoffen bis zu 300.000 EU-Bürger wegen der Pandemie auf Rückholung. “Schritt für Schritt versuchen wir, die Leute nach Hause zu bringen”, sagte Borrell.

Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes bat um Geduld. Priorität hätten derzeit Rückholungen aus Argentinien, Ägypten, der Dominikanische Republik, Costa Rica, Marokko, Peru, den Philippinen und Tunesien. Man schaue sich aber weitere Länder an. Bis Freitagabend hoffe man, 4000 der 6000 Deutschen aus Marokko, 25.000 von 35.000 aus Ägypten, 3000 der 4700 aus der Dominikanischen Republik, alle 1500 aus Tunesien und 7000 der 15.000 aus Südafrika zurückgeflogen zu haben. Aus der Türkei seien 20.000 der 30.000 registrierten Deutschen zurückgekehrt, aus Spanien seien es 25.000.

Die Aktion umfasse aber nicht alle Deutschen im Ausland, betonte die Sprecherin. “Es gibt mehrere hunderttausend Deutsche im Ausland. Aber von denen wollen nicht alle zurück.” Die Bundesregierung hatte zunächst 50 Millionen Euro für die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik bereitgestellt.

Außenminister Heiko Maas zog eine positive Zwischenbilanz. “Jetzt müssen wir uns weiter vorarbeiten, koordiniert und mit kühlem Kopf”, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und bat die Betroffenen ebenfalls um Geduld. “Wir werden nicht allen Gestrandeten gleichzeitig helfen können, aber wir bemühen uns, allen zu helfen, die auf unsere Hilfe jetzt angewiesen sind”, sagte der Minister. “Der Trend zu individueller Reiseplanung führt zu Verästelungen bis in entlegenste Winkel der Welt. Das stellt uns und die Reisenden jetzt vor Herausforderungen.”

Laut dem EU-Außenbeauftragen Borrell gibt es beispielsweise Schwierigkeiten in Lateinamerika, wo vor allem Spanier festsitzen. So habe ein Flughafen in Ecuador Maschinen aus Europa nur zögerlich die Landeerlaubnis erteilt, weil man fürchtete, so das Virus einzuschleppen. “Das zeigt, dass Falschinformationen Schaden anrichten”, sagte Borrell in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Rund 100.000 Europäer hätten sich bei Botschaften im Ausland registriert, möglicherweise wollten aber drei Mal so viele zurück.

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