March 6, 2020 / 8:36 AM / a month ago

Virus-Fälle in Deutschland steigen - Höhepunkt nicht in Sicht

A medical worker carries out a test at a Coronavirus drive-through test centre at Parson's Green Medical Centre in London, Britain, March 5, 2020. REUTERS/Hannah McKay

Berlin (Reuters) - Das neuartige Coronavirus breitet sich in Deutschland zusehends schneller aus.

Binnen eines Tages stieg die Zahl der bestätigten Infektionen um 185 auf 534 Fälle, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag in Berlin mitteilte. RKI-Präsident Lothar Wieler sprach von einer “kontinuierlichen Zunahme”. Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht. Das RKI stufte nun Südtirol als Risikogebiet ein, auch weil mindestens 36 Fälle in Deutschland mit der norditalienischen Region zusammenhingen. Weltweit ist das Virus in mehr als 80 Ländern nachgewiesen. In der chinesischen Ursprungsprovinz Hubei gab es erstmals außerhalb der Hauptstadt Wuhan am Freitag keine Neuinfektionen. Den Finanzmärkten setzt das Virus weiter schwer zu: Das deutsche Börsenbarometer Dax fiel um rund vier Prozent auf ein Sieben-Monats-Tief.

Der Anstieg der Infektionsfälle in Deutschland wird sich nach Einschätzung des RKI in den nächsten Tagen und Wochen fortsetzen. “Wann der Höhepunkt erreicht ist, können wir nicht sagen. Wir wollen ihn so lange wie möglich hinauszögern”, sagte Wieler. “Wir müssen alles daran setzen, dass wir die Ausbreitung des Virus verlangsamen.” Aufhalten lasse sich das Virus nicht. Die meisten Fälle in Deutschland gibt es in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

CHINAS WIRTSCHAFT STÄRKER BETROFFEN ALS ERWARTET

Erste Virusfälle wurden unter anderem aus Serbien, dem zentralafrikanischen Kamerun und Vatikan-Stadt bestätigt. Das am Rand des Himalaya gelegene Königreich Bhutan lässt vorerst keine Touristen mehr ins Land, nachdem bei einem per Flugzeug eingereisten Amerikaner das Virus nachgewiesen wurde. Thailand meldete einen Einbruch um 50 Prozent bei den Auslandsbesuchern.

Weltweit nähert sich die Zahl der bestätigten Infektionen nach einer Übersicht der Weltgesundheitsorganisation WHO der Marke von 100.000. In China mit über 80.000 bestätigten Fällen geht die Dynamik aber zurück. In der Volksrepublik wurden am Donnerstag 143 neue Infektionen nachgewiesen. In der Provinz Hubei gab es erstmals nur in der Hauptstadt Wuhan neue Infektionen: 126 Fälle wurden gemeldet. Ein Markt für frisches Fleisch in Wuhan gilt als Ursprungsort der Corona-Epidemie.

Die Epidemie dürfte laut Experten das chinesische Wirtschaftswachstum in diesem Quartal etwa halbiert haben. Damit wären die Folgen schwerwiegender als bislang erwartet. Die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Virus bekommt weltweit immer mehr Gewicht. Laut einem führenden Währungshüter ist für die US-Notenbank die Zahl der Neuinfektionen zentraler Faktor bei der nächsten Zinsentscheidung. Sie hatte erst am Dienstag überraschend und außer der Reihe den Leitzins um einen halben Prozentpunkt gekappt. In Europa setzte sich die Talfahrt an den Börsen mit Verlusten von über drei Prozent fort.

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