March 13, 2020 / 9:38 AM / 24 days ago

Öffentliches Leben erlahmt - Schulen im Süden und Westen dicht

Berlin/München (Reuters) - Schulen und Kindergärten bleiben im Süden und Westen Deutschlands wegen der Coronavirus-Krise ab Anfang nächster Woche bis zum Ende der Osterferien geschlossen.

Students raise their hands during a lesson with geography teacher Dinar Pamukci at Hesse's largest high school, Karl-Rehbein-Schule, amid authorities' discussions whether schools should close nationwide due to the coronavirus disease (COVID-19), in Hanau, Germany March 13, 2020. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland beschlossen am Freitag entsprechende Schritte. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sagte alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga bis Anfang April ab.

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bis Donnerstagabend 2369 “labor-bestätigte” Fälle von Coronavirus-Infektionen gezählt - ein deutlicher Anstieg von rund zehn Prozent gegenüber dem Vortag. RKI-Präsident Lothar Wieler sprach von einer “sehr dynamischen” Entwicklung. Bislang seien in Deutschland sechs infizierte Menschen verstorben. Diese Zahl ist erheblich niedriger als in anderen großen EU-Staaten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums befinden sich derzeit 23 Patienten in intensiv-medizinischer Betreuung. Ein großer Anteil der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen wird sich Ministerpräsident Armin Laschet zufolge binnen ein bis zwei Jahren mit dem Coronavirus infizieren. Dies könne in mehreren Wellen geschehen, sagte er.

Während andere europäische Länder wie Frankreich und Belgien Schulschließungen bereits beschlossen hatten, folgen im föderalen Deutschland nun die Länder. Bayern und das Saarland kündigten an, dass eine Notversorgung der Betreuung für Familien sichergestellt werden soll. Bereits am Donnerstagabend war aber betont worden, dass nicht alle Bundesländer dieselben Maßnahmen ergreifen würden. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff etwa verwies auf die unterschiedlichen Situationen in verschiedenen Teilen Deutschlands und auch Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Gebieten. Im Osten und Norden etwa sind die Fallzahlen bisher sehr viel geringer als im Westen und Süden.

“HOHES MAß AN GESELLSCHAFTLICHEM ZUSAMMENHALT”

Kanzlerin und Ministerpräsidenten plädierten in einer gemeinsamen Erklärung dafür, soziale Kontakte auf ein Mindestmaß herunterzufahren, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Deshalb sollen auch Veranstaltungen mit weniger als 1000 Teilnehmern abgesagt werden. Damit will man Zeit gewinnen, um die Krankenhäuser besser auf eine steigende Zahl an Coronavirus-Erkrankten einzustellen. So soll die Zahl der zur Verfügung stehenden Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeiten deutlich über die derzeit bestehenden 28.000 Betten aufgestockt und für die Behandlung von Coronavirus-Fälle vorbereitet werden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums verfügen deutsche Krankenhäuser über 500.000 Betten, von denen noch mehr zu Intensivbetten umgebaut werden sollen.

Söder kündigte an, Krankenhäuser erhielten die Garantie, dass ihnen bei der Umstellung auf Intensivbetten keine finanziellen Nachteile entstünden. Bayern stelle einen Betrag von 50 Millionen Euro auch für die Anschaffung zusätzlicher medizinischer Ausrüstung bereit. An den für Sonntag geplanten Kommunalwahlen will die bayerische Landesregierung festhalten.

Parallel zu den den Alltag einschränkenden Maßnahmen appellierten mehrere Politiker an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung. “Jetzt ist ein hohes Maß an gesellschaftlichem Zusammenhalt erforderlich”, mahnte Söder. Bundestags-Präsident Wolfgang Schäuble teilte den Abgeordneten mit, dass es bei allen Schutzvorkehrungen “oberstes Gebot ist, die Handlungsfähigkeit des Verfassungsorgans zu erhalten”. Die Bundeswehr kündigte an, alle Soldaten, die in einen Auslandseinsatz geschickt werden, vorher auf Coronavirus zu testen.

Angesichts der wachsenden Zahl an Veranstaltungs-Absagen und dem Einstellen weiterer Teile des Kulturlebens in Deutschland wollen Bund und Länder Kulturschaffenden unter die Arme greifen. Wie die Bundesregierung mitteilt, sollen in Abstimmung mit den Kommunen Finanzhilfen und Mittel für Härtefälle zur Verfügung gestellt werden. Ein Sprecher des Justizministeriums sagte, dass derzeit zwischen den Ressort die Haftungsfrage im Falle von Absagen überprüft werde.

BAHN SCHRÄNKT ZUGVERKEHR NACH ITALIEN EIN

Anders als etwa Tschechien oder Österreich wurden in Deutschland bisher keine Reisebeschränkungen an den Grenzen beschlossen. Hans begründete die Schließung von Schulen und Kindergärten im Saarland aber auch mit der Grenzlage zu Frankreich und Luxemburg. “Allen Pendlern aus der Region Grand-Est wird empfohlen, bis auf weiteres zu Hause zu bleiben und dazu mit ihrem Arbeitgeber im Saarland in Kontakt zu treten”, sagte der CDU-Politiker mit.

Verkehrsminister Andreas Scheuer appellierte an die Deutschen, möglichst auf private Reisen zu verzichten. Diese sollten auf das “absolut Notwendige” beschränkt werden, sagt der CSU-Politiker.

Als letzte der fünf wichtigsten Ligen in Europa sagte am Nachmittag die deutsche Bundesliga den Spieltag am Wochenende ab. Im Umfeld mehrerer Mannschaften gebe es einen Verdacht auf eine Ansteckung mit dem Virus, die Zweitliga-Teams von Hannover 96 und des 1.FC Nürnberg sind wegen eines Corona-Falls in der Mannschaft schon in Quarantäne. Der Ball soll im deutschen Profi-Fußball mindestens bis zum 2. April ruhen. In dieser Zeit stehen nur zwei reguläre Spieltage an. Eine Absage der gesamten Saison will das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga aus wirtschaftlichen Gründen unbedingt vermeiden.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below