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Kampf um sichere Luft im Corona-Winter - Rätseln über Regeln für Innenräume

A general view shows Gerhart Hauptmann Gymnasium high school, closed, after coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Berlin, Germany, August 13, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Als in den Bundesländern die Schulen in der Corona-Zeit wieder öffneten, machten einige eine offenbar überraschende Entdeckung: Fenster in den oberen Stockwerken ließen sich nicht öffnen - weshalb einige Klassenräume angesichts der notwendigen Lüftung nicht nutzbar waren.

In Nordrhein-Westfalen führte dies dazu, dass Bildungs- und Bauministerium im Eiltempo prüften, wo Fenster umgebaut werden müssen. Der Fall zeigt die Nervosität von Politik und Behörden vor dem nahenden Herbst: Fieberhaft versuchen sich alle, auf einen Winter in Corona-Zeiten vorzubereiten. “Denn wir wissen, dass Innenräume bei der Ausbreitung des Corona-Virus eine große Rolle gespielt haben und spielen”, sagt Wolfgang Birmili, Innenraumhygiene-Experte des Umweltbundesamtes.

Das gilt vor allem, seit die Forscher im Sommer immer mehr zu der Überzeugung kamen, dass das Corona-Virus eben nicht nur durch Tröpfchen übertragen werden kann, sondern auch durch sogenannte Aerosole, die sich in der Raumluft halten. Dies löste hektische Planungen bei allen Verantwortlichen für Innenräume aus - von Büros bis zu Kindergärten. Über Monate dominierten dabei Berichte über Ansteckungsgefahren durch Singen, Zugfahrten, Flüge, Familienfeiern, Gottesdienste und Sportveranstaltungen in Räumen die Debatte. Kinos und Theater leiden noch heute unter drastischen Restriktionen, während Flugzeuge mit Maskenschutz längst wieder stundenlang eng besetzt werden dürfen. Eine Studie der Berliner Charité gab nun Entwarnung zumindest für Bahnfahrer und -mitarbeiter - das Ansteckungsrisiko in den mittlerweile wieder gut gefüllten Zügen sei (mit Maskennutzung) geringer als befürchtet.

Landesregierungen und Kommunen müssen bei den immer neuen Erkenntnissen über das nach wie vor weitgehend unbekannte Virus nachsteuern. Das führt in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern dazu, dass in den vergangenen Tagen neue Regeln für Sportveranstaltungen erlassen wurden. Angesichts der geringen Infektionszahlen werden dort schon an diesem Wochenende wieder tausende Fans in Fußballstadien zugelassen. Aber auch die Regeln für die Hallen wurden gelockert. In Nordrhein-Westfalen spricht die Landesregierung gerade mit den Amateurvereinen, um auch dort die Hallennutzung mit Zuschauern wieder möglich zu machen - bei scharfen Auflagen etwa für die Maskenpflicht.

ENTLÜFTUNG GLEICH MIT EINBAUEN

Der Druck zur Normalisierung wächst an allen Ecken und Enden - und gleichzeitig die Sorge vor dem Winter, in dem Menschen sich wieder stärker in Räumen aufhalten. Und von Kanzlerin Angela Merkel bis zu den Ministerpräsidenten haben alle betont, dass es keine Rückschläge etwa im Schulbetrieb geben dürfe. Also werden nun in vielen Schulen Fenster umgebaut, um eine regelmäßige Lüftung - möglichst alle 20 Minuten - zu ermöglichen. Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der TU Berlin, wirbt im Reuters-TV-Interview für den Einsatz von Luftreinigungsgeräten, sogenannten Hepa Filtern oder H13/H14-Filtern. Das Umweltbundesamt empfiehlt bei Schulneubauten, gleich Entlüftungsanlagen mit einzubauen.

Zudem wird an allen Ecken und Enden weiter geforscht und experimentiert. Das Berliner Ensemble sorgte mit dem Versuch einer Aerosol-Vernebelung zur Desinfizierung des Zuschauerraums für Aufsehen. Das Hermann-Rietschel-Institut verglich die Aerosole-Belastung in Kinosälen mit der in Büros. Das Fazit: Die mögliche Ansteckungsgefahr im Kino dürfte geringer als in vielen Büros sein - schon weil Besucher im Kino normalerweise nicht sprechen und selbst Infizierte deshalb weniger Corona-Viren ausatmen als in einem quirligen Bürobetrieb. Kino- und Theaterbesitzer hoffen nun auf eine Lockerung der strikten Regeln, die oft nur eine Nutzung von einem Viertel oder weniger Plätze zulassen.

“Im Oktober wird die Innenraumlufthygiene-Kommission Aussagen zur Gefährdung in verschiedenen Typen von Innenräumen treffen, wobei mit Prognosemodellen verschiedene Aktivitäten berücksichtigt werden”, kündigt Umweltbundesamt-Experte Birmili an. Dann wird es Aussagen geben, wie etwa die mögliche Virenbelastung in der Luft eines Fitness-Studios mit stark atmenden Sportlern im Vergleich zu einem Theater ist. Eine Neujustierung der Regeln für verschiedene Bereiche durch Bund und Länder könnte die Folge sein.

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