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Inlandsnachrichten

Corona-Neuinfektionen in Deutschland erstmals über 20.000

FILE PHOTO: A woman passes empty tables before the late-night curfew due to restrictions against the spread of the coronavirus disease (COVID-19), as city-wide bars and restaurants have to close at 11pm (2100 GMT) until 6am (0400 GMT), in Berlin, Germany, October 14, 2020. REUTERS/Hannibal Hanschke

Berlin (Reuters) - Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Deutschland ist erstmals über die Schwelle von 20.000 gestiegen.

“Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung”, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Freitag im Bundestag in der Debatte um die Reform des Infektionsschutzgesetzes. Allerdings verwiesen sowohl Regierungssprecher Steffen Seibert als auch Spahn darauf, dass sich die Dynamik des Anstiegs derzeit abschwäche. In den USA breitet sich das Virus weiter rasant aus. Das Land meldete einen Anstieg der Fälle von mehr als 120.000 innerhalb von 24 Stunden. Auch in anderen europäischen Ländern wie Tschechien, der Schweiz oder Österreich steigen die Zahlen weiter. In Polen und Ungarn starben so viele Menschen an oder mit dem Virus wie nie zuvor binnen eines Tages.

In Deutschland verzeichnete das Robert-Koch-Institut 21.506 neue Infektionen. Die Zahl der Corona-Toten stieg deutlich um 166 an einem Tag. Allerdings sank der sogenannte R-Wert, der anzeigt, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt, weiter auf 0,79 von 0,81. Dies gilt als Frühindikator für eine Trendwende. Spahn verwies darauf, dass die Zahl der Intensivpatienten und auch Toten in den kommenden Wochen dennoch deutlich steigen werde, weil sich bei einem Teil der jetzt neu Infizierten erst in einigen Wochen ein schwerer Krankheitsverlauf zeige. Verdoppelungen der Infektionszahlen wie in den letzten Wochen würden deshalb auch das deutsche Gesundheitssystem an die Grenzen bringen. Oberstes Ziel der deutschen Politik sei es, Überforderungen wie etwa in Frankreich zu vermeiden, betonte der CDU-Politiker und verteidigte den für November beschlossenen Teil-Lockdown.

Der Bundestag debattierte über Änderungen des Infektionsschutzgesetzes, das unter anderem eine Präzisierung vorsieht, welche einschränkenden Maßnahmen die Länder in einer Pandemie ergreifen dürfen. Dies gilt als nötig, damit die Landesregierung bei den gerichtlichen Auseinandersetzungen über Schließungsmaßnahmen für den Monat November höhere Erfolgsaussichten haben. Es gibt etliche Klagen gegen die Beschlüsse von Bund und Ländern. FDP und AfD übten in der Debatte scharfe Kritik an dem Gesetzentwurf. Der Bund ist zwar für das Infektionsschutzgesetz zuständig, die Länder aber für dessen Umsetzung.

Angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen rief Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff dazu auf, die beschlossenen Corona-Maßnahmen auch durchzuhalten. “Wir wissen, dass Maßnahmen eine zeitlang laufen müssen, damit sie überhaupt greifen”, sagte der amtierende Bundesratspräsident im ZDF. “Wir müssen durchhalten.” Auch das Statistische Bundesamt wies darauf hin, dass die Mobilität der Menschen in Deutschland seit Beginn der Einschränkungen Anfang der Woche langsam zurückgegangen ist. Am Montag sei ein Rückgang um 3,7 Prozent gegenüber der Vorwoche verzeichnet worden, am Dienstag von 6,4 Prozent. Besonders deutlich sei der Rückgang in Corona-Hotspots gewesen, also in Gebieten mit besonders vielen Corona-Neuinfektionen.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums verwies darauf, dass die Zahl alleine nichts über die tatsächlich erreichte Reduzierung der Kontakte und die Infektionsgefahr aussage. Denn seit Montag gebe es eben keine größeren Zusammenkünfte mehr, Menschen bewegten sich auch einzeln. Kanzlerin Angela Merkel hatte darauf verwiesen, dass Wissenschaftler forderten, die Kontakte zwischen Menschen im Idealfall um bis zu 75 Prozent zu reduzieren, um die Ausbreitung des Virus eindämmen zu können.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl plädiert laut Medienberichten für einen härteren Kurs gegen Quarantäne-Verweigerer. Er wolle sie nach einem richterlichen Beschluss zwangsweise in ein geschlossenes Krankenhaus einweisen lassen, berichteten “Stuttgarter Zeitung” und “Stuttgarter Nachrichten”.

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