May 19, 2020 / 8:03 AM / 6 days ago

DIHK erwartet nach Rekord-Rezession nur allmähliche Erholung

New 100 and 200 euro banknotes are displayed in Vienna, Austria, September 17, 2018. REUTERS/Heinz-Peter Bader

Berlin (Reuters) - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet nicht mit einer kräftigen Wirtschaftserholung nach der Coronavirus-Krise.

Der DIHK beruft sich dabei auf eine aktuelle Umfrage unter Tausenden Unternehmen. Demnach sind die Perspektiven vor allem für die exportabhängige Industrie düster. “Wenn wir uns in der Welt umsehen, spüren wir mittlerweile alle Anzeichen einer Weltwirtschaftskrise”, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Dienstag in Berlin. “Bei uns hängt jeder vierte Arbeitsplatz direkt vom Export ab, in der Industrie sogar jeder zweite.”

Der Verband sagt für dieses Jahr einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um mindestens zehn Prozent voraus. Nächstes Jahr dürfte es Schweitzer zufolge dann aber nur um rund fünf Prozent wieder nach oben gehen. Es wird also noch länger dauern, das alte Niveau der Zeit vor der Krise wieder zu erreichen. Die Bundesregierung geht 2020 von einem BIP-Minus von 6,3 Prozent aus. Schon das wäre der größte Rückgang der Nachkriegszeit. Hauptgrund dafür sind die Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Pandemie.

Für die Industrie sei es jetzt entscheidend, Barmittel zu haben, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Sobald die Nachfrage wieder anziehe, müssten Firmen Produkte vorfinanzieren können. Laut DIHK werden die deutschen Exporte dieses Jahr um 15 Prozent zurückgehen. Zum Vergleich: 2019 gab es ein mageres Plus von 0,9 Prozent.

In der DIHK-Umfrage berichteten drei Viertel der Industriebetriebe von einer sinkenden Nachfrage, 80 Prozent rechnen mit teils erheblichen Umsatzrückgängen. Und Liquiditätssorgen nehmen zu. Mehr als jedes zweite Industrieunternehmen meldet einen Rückgang des Eigenkapitals, etwa vier von zehn berichten von Liquiditätsengpässen. In der Not werden geplante Investitionen auf Eis gelegt oder die entsprechenden Budgets zusammengestrichen. Das gilt für zwei von drei großen Industriekonzernen. Arbeitsplätze werden immer öfter abgebaut.

KONJUNKTURPAKET SOLL WENDE BRINGEN

Die Bundesregierung plant für Juni ein großes Konjunkturpaket, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Schweitzer sagte, die Strompreise müssten dringend sinken. Für Solo-Selbstständige und Kleinstbetriebe müsse es zudem weitere Hilfen geben, die bisherigen seien nur auf drei Monate angelegt. Und steuerliche Entlastungen seien dringend geboten, über das bisherige Maß hinaus. “Das reicht aber für viele Unternehmen bis zum Jahresende nicht aus. Sie müssen alles, was sie in diesem Jahr an Verlusten realisieren, auch sofort mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen können. Das bringt schnell Geld in die Kasse.”

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft legte einen Katalog mit elf Forderungen vor, unter anderem Steuersenkungen, Bürokratieabbau und ein Belastungsmoratorium. “Alles, was die Wirtschaft in der Erholung zusätzlich belastet, muss unterbleiben.” Für die in Bayern besonders wichtige Autobranche forderte der Verband zeitlich befristet staatliche Kaufanreize - und das für alle Antriebsarten. Das ist allerdings umstritten. Die Bundesregierung will nach bisherigen Äußerungen im Rahmen des Konjunkturpakets einen Schwerpunkt auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit legen.

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