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Wirtschaftsnachrichten

IWF stellt Deutschland in Corona-Krise gutes Zeugnis aus

FILE PHOTO: FILE PHOTO: The International Monetary Fund logo is seen during the IMF/World Bank spring meetings in Washington, U.S., April 21, 2017. REUTERS/Yuri Gripas/File Photo

Berlin (Reuters) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt Deutschland in der Bekämpfung der Coronavirus-Krise ein gutes Zeugnis aus.

Sowohl im Gesundheitssystem als auch bei den Hilfen für die Wirtschaft sei früh und energisch vorgegangen worden, teilte der IWF am Mittwoch nach einer zweiwöchigen Analyse mit. Deutschland schlage sich deswegen konjunkturell besser als andere Staaten in Europa. “Insgesamt wird die deutsche Wirtschaft 2020 um rund fünfeinhalb Prozent schrumpfen.” Das wäre trotzdem noch eine der schwersten Rezessionen in der Nachkriegszeit. Nächstes Jahr werde es eine Erholung geben, so der IWF. Das Vorkrisenniveau dürfte aber frühestens 2022 wieder erreicht werden.

Zuletzt hatte der IWF Deutschland für dieses Jahr noch ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt von 6,0 Prozent vorausgesagt. 2021 wird dann mit einem Wachstum von 4,2 Prozent gerechnet. “Die Risiken für den Ausblick sind aber substanziell”, betonte der IWF nun. Sollte die zweite Welle an Infektionen nicht unter Kontrolle gebracht werden, drohe ein längerer Shutdown als bislang für den November geplant. Hinzu kämen Risiken bei einem harten Brexit und neuen Handelsstreitigkeiten.

Der IWF analysiert regelmäßig die Wirtschaftspolitik zahlreicher Länder und spricht dabei auch Empfehlungen aus. Deutschland rät der Fonds, seine wegen der Corona-Krise lockere Finanzpolitik fortzusetzen, bis es Belege für eine nachhaltige Erholung gebe. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat mehrfach betont, nicht zu früh die Finanzpolitik wieder ändern zu wollen. Für 2021 kalkuliert er bislang mit einer Neuverschuldung von gut 96 Milliarden Euro - der zweithöchsten überhaupt. Dafür muss er noch einmal die Ausnahmeregelung von der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse in Anspruch nehmen.

IWF-Experte Shekhar Aiyar sagte, in allen Krisenszenarien bleibe die Verschuldung tragfähig und stelle keine Hürde dar. Weitere Hilfen für Unternehmen seien deswegen zu empfehlen, um Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt zu vermeiden. Die Schuldenlast werde durch die Krise von rund 60 auf über 70 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. “Danach wird sie ziemlich schnell aber wieder zurückgehen.”

IM ZWEIFEL ZU GROSSZÜGIG SEIN

Deutschland sollte lieber zu viel in der Krise helfen als zu wenig, ergänzte Aiyar. Großzügigkeit sei wichtiger, als am Ende einige Zombie-Firmen zu haben - Unternehmen, die eigentlich kein erfolgreiches Geschäftsmodell mehr haben, durch Staatshilfen aber künstlich am Leben gehalten werden. “Diese Abwägung gibt es in jeder Rezession.” Je stärker diese ausfalle, desto großzügiger müsse der Staat sein, also jetzt sehr spendabel.

Scholz begrüßte das IWF-Lob. Er verwies darauf, dass mit dem Konjunkturpaket im Sommer auch Prioritäten für Zukunftsthemen gesetzt worden seien. “Wir stellen die Weichen, um bei Klimaschutz und Digitalisierung voranzukommen.” Deutschland habe ausreichend Finanzmittel, um die Investitionen hochzuhalten. Im laufenden Jahrzehnt seien Investitionen von 50 Milliarden Euro pro Jahr beim Bund drin. “Können wir uns das leisten? Ja.” 2020 und 2021 komme der Bund wegen der Corona-Krise zusammen auf eine Neuverschuldung von über 300 Milliarden Euro. Danach solle es nach Möglichkeit wieder normalere Haushalte geben.

Eine wichtige Rolle spielt laut IWF die Finanzbranche. Auch wenn die Krise zulasten von Gewinnen und bestehender Kapitalpuffer gehe, dürften sich die deutschen Banken als weitgehend robust erweisen. Hohe Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe seien jetzt aber nicht angebracht, dafür Kostensenkungen, um profitabler zu werden.

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